SWB – MeiBlog

"Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein." (Albert Einstein)


Hinterlasse einen Kommentar

TKSI – unbedingt empfehlenswert, zumindest für mich

Ende nächster Woche ist mein Aufenthalt in der TKSI zu Ende. Inzwischen funktioniere ich im Rahmen der Tagklinikstrukturen wieder ganz gut. Ob das ein stabiler Zustand sein wird, kann nur der Alltag und die Zukunft zeigen. Da ich die Diagnose rezidivierende Depression mitnehme, ist davon auszugehen, dass mich irgendwann im Leben wieder eine schwerere Depression einholen kann. Muss ich halt schneller sein – wenn es denn so einfach wäre. Aber ich habe in der Klinik das Wissen erlernt, um mitzubekommen, wenn Gefahr im Verzug ist und ich auf mich aufpassen sollte. Dazu habe ich jetzt ein Instrumentarium, das mir hilft, meine Grenzen zu akzeptieren; mit meiner Energie achtsam umzugehen; mir genügend Zeit und Raum zur Erholung zu lassen; die Haltung: „Zuerst die Arbeit und dann (vielleicht, wenn Zeit ist) das Vergnügen“ aufzugeben; meinen Perfektionismus mit Abstand zu betrachten und zu versuchen, auch manchmal Unperfektes zuzulassen; mich für Leistungen zu belohnen – geübt habe ich das alles bereits. Jetzt muss ich das Ganze noch in meinen zukünftigen Alltag integrieren.

Dem für mich wichtigsten Ziel, der Entwicklung einer längerfristigen beruflichen Perspektive, bin ich sehr viel nähergekommen. Dank der tatkräftigen Unterstützung des Sozialdienstes der TKSI habe ich die Aussicht darauf, in absehbarer Zukunft wieder eine Arbeitsstelle auf dem ersten Arbeitsmarkt zu haben. Genauer gesagt sieht es sogar so aus, als könne ich zwischen mindestens zwei Möglichkeiten wählen. Ich bin noch am Abwägen, welcher Möglichkeit ich den Vorzug geben sollte und ob nicht sogar beide Möglichkeiten miteinander zu vereinbaren wären. Die eine Möglichkeit ist eine Anstellung bei auticon als IT-Consultant im Software-Testing Bereich. Die andere eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der LMU. Eine dritte Möglichkeit kann sich eventuell noch in Regensburg ergeben, wobei ich meine Kenntnisse aus dem Masterstudium einsetzen könnte. Was mich besonders bei allen drei Möglichkeiten begeistert ist, dass ich definitiv nichts mehr mit Verwaltung, Buchhaltung und allgemeinen Bürotätigkeiten zu tun hätte, von vornherein klar wäre, dass ich Autistin bin und die Rahmenbedingungen wesentlich passgenauer meine bisherigen autismusbedingten Schwierigkeiten am Arbeitsplatz abfedern könnten. Bei allen drei Möglichkeiten könnte ich Stärken einsetzen, die ich bisher nie umsetzen habe können. Ich scheine nämlich der geborene Fehlerfinder zu sein, Fehler im System oder in Programmen oder in Texten fallen mir schon seit jeher auf. Ich finde es lustig, dass man tatsächlich damit seinen Lebensunterhalt verdienen kann, auf alles zu klicken und dann rückzumelden, dass etwas nicht funktioniert oder falsch ist. Das mache ich sowieso ständig, hatte mir damit aber bisher eher keine Freunde gemacht. Die Überprüfung großer Datenmengen macht mir Spaß. Außerdem bin ich wirklich gut darin, passgenaue Literatur zu einem autodidaktisch zu erarbeitenden Thema zu finden, wissenschaftliche Texte zu redigieren bzw. zu schreiben und Vorträge zu gestalten – nur halten muss sie jemand anderes.

Was meine absoluten Stärken sind, wusste ich bereits als Jugendliche und damals wusste ich auch, welcher Beruf passend für mich wäre. Ich wollte Lektorin werden und irgendwann vielleicht einmal selbst Schriftstellerin. Jemand sein, der sehr viel lesen darf und damit am besten von zu Hause aus Geld verdient. Der im Hintergrund die Fehler findet, Geschriebenes besser macht, der mit Sprache umgeht, recherchiert, lebenslang eigenständig lernt. Leider scheiterte ich damals, weil ich nicht fähig war, ein Studium zu schaffen. Und in der Folge verlor ich mein Ziel aus den Augen wegen der Notwendigkeit, Geld zu verdienen. Also wurde ich mangels anderer Möglichkeiten Steuerfachangestellte. Verbrachte Jahre in diversen Büros, stets krank werdend.

Es ist schade, dass ich erst ein halbes Jahrhundert alt werden musste, um meine eigentlichen Begabungen einsetzen zu dürfen. Und erst durch die Autismus-Diagnose erkannt habe, was falsch lief und weshalb ich immer und immer wieder im Arbeitsleben scheiterte. Aber wenigstens habe ich jetzt endlich die Chance, doch noch erfolgreich zu sein. Und mir ist sehr bewusst, welchen maßgeblichen Anteil die Unterstützung in der TKSI daran hat. Für mich war mein Aufenthalt in der TKSI eine der besten Ideen, die ich in letzter Zeit hatte. Klar war nicht alles, was ich dort erlebt habe, durchgängig toll. Es gab anfangs ein gewisses organisatorisches Eröffnungs-Chaos, es gab immer wieder Termine, die kurzfristig ausfielen, weil beispielsweise Mitarbeiter erkrankten und keine Vertretung gefunden wurde. Aber was durchgängig zu spüren war: Ich wurde als Person mit all meinen individuellen Schwierigkeiten stets wertgeschätzt und es wurde mit allen verfügbaren Ressourcen versucht, mir sofort und möglichst umfassend zu helfen. Deshalb geht mein tiefempfundener Dank an die Menschen, die mich die vergangenen Wochen dort unterstützt haben und auch in Zukunft noch unterstützen wollen.


Hinterlasse einen Kommentar

Autistin + Depression = Job weg – wie soll es weitergehen?

Am 18. Februar war ich in München auf einer Veranstaltung, bei der Dr. Leonhard Schilbach seine Arbeit und das Konzept seiner neuen Ambulanz / Tagklinik vor drei Autismus-Selbsthilfegruppen aus der Region (Nürnberg, Regensburg, München) vorstellte. Angesichts meines bevorstehenden Jobverlustes und der schlechten beruflichen Perspektive sprach mich besonders die dort angebotene berufsorientierte Therapie an.

Wieder zu Hause, bat ich meinen Mann, mich sofort dort anzumelden, bzw. auf die wahrscheinlich bereits vorhandene Warteliste setzen zu lassen. Eine solche Tagklinik, die Therapie für erwachsene hochfunktionale Autisten anbietet, gab es meines Wissens bisher nicht. Es erstaunte mich, dass ausgerechnet in Bayern und dann noch für mich in erreichbarer Nähe so etwas angeboten werden würde. Ich stand zwar seit meiner Diagnose auf der Warteliste der Diagnosestelle für ein ambulantes soziales Kompetenztraining, hatte aber noch keine Nachricht erhalten, wann ich dort voraussichtlich mit einem Platz rechnen konnte. Das in der Tagklinik angebotene Programm klang so, als könnte es hilfreich für die Bewältigung meiner drängendsten Probleme sein.

Da ich arbeitsvertraglich und gesetzlich verpflichtet war, mich bei einem befristeten Vertrag rechtzeitig beim Arbeitsamt zu melden, vereinbarte ich einen Termin. Das war autistenfreundlich erfreulicherweise per E-Mail möglich. Ich durfte auch meinen Mann als Begleitperson mitbringen. Meine Sachbearbeiterin hatte sich wohl umfassend vorab über Autismus informiert. Es wurde erstaunlicherweise ein sehr hilfreiches Gespräch. Sie teilte mir mit, dass ich mich besser nicht arbeitslos melden solle, weil weder jetzt noch in Zukunft mit einem passenden Jobangebot für mich zu rechnen sei. Sie halte es nicht für zielführend, mich dem vorgeschriebenen Arbeitsamtprozedere auszusetzen. Sie schlug mir vor, eine Rehabilitationsmaßnahme über die Rentenversicherung zu beantragen und/oder eine Erwerbsminderungsrente. Ich war positiv überrascht, weil ich damit gerechnet hatte, mich wieder einmal erfolglos für meine Schwierigkeiten rechtfertigen zu müssen und auf kein Verständnis wegen meiner Einschränkungen zu stoßen. Statt dessen traf ich auf ein kompetentes, sehr gut informiertes und an meinem Wohl interessiertes Gegenüber – nochmals ein herzliches Danke an dieser Stelle. Zu Hause musste ich dann all die Informationen und Eindrücke erst einmal ein paar Tage lang sortieren. Ich stellte den Antrag auf Teilhabe am Arbeitsamt (berufliche Reha) bei der Rentenversicherung.

Aber eine Rente kann ich mir nicht vorstellen. Bei all meinen Qualifikationen und meiner akademischen Ausbildung muss es doch irgendwo einen Arbeitgeber geben, der meine fachlichen Fähigkeiten im Blick hat, statt sich auf die allseits geforderten Softskills und die „Team“passung – sprich der Fähigkeit, in der Kaffeeecke per Smalltalk zu netzwerken – zu fokussieren. Zugegeben, darin bin ich eher schlecht. Aber ich behaupte, dass ich keineswegs teamunfähig bin und auch nicht keine sozialen Kompetenzen habe. Ich kann und will arbeiten – allerdings kann ich mich nur innerhalb gewisser Grenzen im Büroalltag anpassen und ungünstige Rahmenbedingungen nicht längerfristig aushalten oder mich daran gewöhnen.

Ich bin einfach eine ganz normale, demnächst leider arbeitslose, mittlerweile auch deshalb depressive, hochfunktionale 52 jährige Autistin, die einen Platz in dieser für Autisten leider überwiegend unpassenden Arbeitswelt sucht.

Ich weiß nicht, wie es ab Juni beruflich für mich weitergehen soll. Im Moment bin ich noch krank geschrieben. Da das Krankengeld jedoch nicht so hoch ist wie mein bisheriges Arbeitsentgelt, fehlen jeden Monat ca. 30% meines bisherigen Einkommens in der Familienkasse. Das geht nicht lange gut. Die Unsicherheit, nicht zu wissen, was ich ab Juni tun werde und die Tatsache, dass meine Arbeitslosigkeit spätestens dann existenzbedrohend wird, wenn ich kein Krankengeld mehr erhalte und/oder nach einem Jahr Arbeitslosengeld überhaupt kein Geld mehr von irgendeiner Institution im sozialen Wohlfahrtsstaat, trägt ganz bestimmt nicht dazu bei, aus dem Depressionsloch zu kommen. Eine Perspektive muss her und das möglichst bald.


Hinterlasse einen Kommentar

Autismus, Depressionen, Belastbarkeit und der Zusammenhang mit Strukturen

Sind Belastbarkeit und Kompensationsfähigkeiten bei Autisten altersabhängig? Früher war ich wesentlich belastungs- und damit leistungsfähiger. Es frustriert mich, dass ich zunehmend nicht mehr funktioniere. Immer mehr Aufgaben und Tätigkeiten schaffe ich nur noch mit größter Anstrengung oder sie bleiben sogar ganz liegen. Ich laufe im Notprogramm und das mittlerweile seit eineinhalb Jahren. Das ist kein schöner Zustand und ich wünsche mir dringend, dass es mir irgendwann auch einmal wieder besser geht. Seit einem Jahr gehört auch mein Studium zu den Dingen, für die ich keine Kraft mehr habe. Das ist besonders frustrierend, weil es sich dabei um mein Hobby handelt. Ich bin aber stolz darauf, es größtenteils doch noch hinzubekommen, in die Arbeit zu gehen, leider macht mein Körper mir zunehmend Schwierigkeiten, er zeigt mir wahrscheinlich die Grenzen. Ich bin mir inzwischen ziemlich sicher, dass all die Erkrankungen in der letzten Zeit psychosomatische Reaktionen sind.

Es ist nicht schön, dass die Hausarbeit seit Monaten größtenteils liegenbleibt, aber das hat außer einem mittlerweile riesengroßen schlechten Gewissen keine gravierenden Folgen. Ich fühle mich nur ziemlich unwohl, weil ich es einfach nicht mehr schaffe zu saugen oder zu putzen. Ordnung ist eigentlich sehr wichtig für mich, dass sich hier alles in ein Chaos verwandelt, belastet mich. Wenn ich es nicht schaffe, nach der Arbeit noch einkaufen zu gehen und die Vorratshaltung schwierig geworden ist, dann hat das nur bedingt Auswirkungen, wegen ständiger Magen-Darm Probleme brauche ich sowieso wenig zu essen. Dass seit einigen Monaten die Einkäufe meistens mein Mann erledigen muss, um selbst noch etwas im Kühlschrank zu haben, tut mir sehr Leid und entspricht auch nicht unserer Aufgabenverteilung. Ich leide darunter, meine Pflichten nicht zu erledigen und es belastet mich. Die größten Schwierigkeiten macht aber das tiefe Gefühl der Erschöpfung. Im reinen Überlebensmodus macht das Leben nämlich nicht wirklich Freude.

Ich habe jetzt mal gründlich darüber nachgedacht, wo das Problem eigentlich liegt. Ich vermute, viele Dinge hatten früher, nicht nur weil ich jünger, belastbarer und kompensationsfähiger war, gut funktioniert, sondern weil es einen festen, von außen vorgegebenen Stundenplan gab. Als ich in erster Linie noch Muttertier war, hatte ich wegen der fixen Termine, die die Schule und die Aktivitäten der Kinder vorgaben, einen sehr strukturierten Tagesablauf. Nachdem alle ausgezogen waren, habe ich es nicht geschafft, mir eine neue Struktur selbst vorzugeben.

Dazu kam zeitgleich eine neue Arbeitsstelle, die bis dato unbekannte soziale Anforderungen an mich stellte. Diese Stelle gibt mir zwar einerseits eine äußere Struktur vor, was sehr hilfreich ist, weil es zu meinem Tagesablauf gehört, zu einer bestimmten Zeit aufzustehen und nach dem Cappu-Zeitungs-Morgenritual in die Arbeit zu fahren. Das ist auch der Grund, weshalb ich es an vielen Tagen trotz einer Depression, die ich laut meinem Psychotherapeut habe, überhaupt noch schaffe, aufzustehen. Andererseits sind aber die Bedingungen dieser Arbeitsstelle ein Hauptbelastungsfaktor und ein Grund, weshalb es mir schlecht geht. Ich bin nach jedem Tag in der Arbeit so dermaßen erschöpft, dass ich direkt nach Hause fahre, meine Verkleidung abwerfe und mich nur noch auf die Couch legen kann. Mal abgesehen von der Hausarbeit habe ich auch für Freizeitaktivitäten, wie im Garten arbeiten oder Sport treiben, einfach keine Kraft mehr.

Ich weiß, dass regelmäßige sportliche Aktivitäten mir gut tun würden. Früher gehörten sie zu meinem Tagesablauf und es ging mir gut dabei. Nur kann ich im Moment leider nichts dagegen tun. Es liegt an den fehlenden Möglichkeiten, bzw. an meiner fehlenden Energie, neben meinen Arbeitskollegen beispielsweise im Schwimmbad oder Fitnessraum auch noch mit weiteren Menschen Kontakt haben zu wollen. Wobei ich das eher mit schizoider Paranoia verbinde, die natürlich auch damit zu tun haben mag, älter und erfahrener zu werden. Früher empfand ich viele andere Menschen zwar auch als Belastung, habe es aber leichter ertragen und habe zum Teil auch Sozialkontakte aktiv gesucht. Aber je älter ich werde, desto mehr schlechte Erfahrungen sammelten sich an. Mit jeder neuen Erfahrung des Scheiterns in sozialen Interaktionsversuchen resignierte ich mehr und wollte mich dem Ganzen am Liebsten gar nicht mehr aussetzen.

Seit ich weiß, dass ich Autistin bin, habe ich neu angefangen, den sozialen Kram besser zu bewältigen. Ich bin in eine Selbsthilfegruppe gegangen und habe mich wieder einmal mit dem Training sozialer Kompetenzen, Kommunikation und Smalltalk beschäftigt. Inzwischen ist es mir aber die Mühe oft nicht mehr wert und ich überlege immer, ob sich der Aufwand lohnt oder ich besser Energie spare, indem ich allein daheim bleibe. Ich weiß auch, dass mir das Ausüben meiner Hobbys sehr gut tut. Ich ärgere mich über mich selbst, weil ich es nicht schaffe, im Studium weiterzumachen. Es wäre toll, wenn ich die Energie hätte, mich mit dem zu beschäftigen, was mich wirklich interessiert. Ich habe zusätzlich ein fürchterlich schlechtes Gewissen, weil ich es zu Hause nicht fertigbringe, seit Monaten liegengebliebene Arbeiten zu erledigen, die ich früher problemlos geschafft habe. Mittlerweile türmt sich ein so hoher Berg an unerledigten Dingen hier auf, dass allein der Gedanke daran, das alles abarbeiten zu müssen, mir eine riesige Angst macht. Aber alle Dinge, die eine Frist haben und solche, die in kurzen regelmäßigen Abständen zu erledigen sind, die schaffe ich. Erklären kann ich mir das damit, dass sie eben regelmäßig sind, also Routine. Und damit, dass ich verbindliche Regeln in jedem Fall einhalte, wozu Fristen ja gehören.

Mir ist natürlich klar, dass die Erwerbsarbeit die höchste Priorität hat und ganz sicher wichtiger ist als jedes Hobby. Aber irgendwo ärgert es mich auch, dass mein Leben sich nur noch darum dreht, in die Arbeit zu gehen. Ich sehne mich bereits am Montag nachmittag nach dem Wochenende. In den letzten Wochen ging es mir häufiger bereits Mitte der Woche gesundheitlich so schlecht, dass ich vom Arzt krank geschrieben wurde. Und dann brauchte ich das komplette Wochenende, um mich bis Montag soweit erholt zu haben, wieder in die Arbeit fahren zu können. Ich wünsche mir eine Arbeitsstelle, wo ich meine Stärken einbringen kann und die ich am Allerliebsten bis zur Rente behalten kann. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, wie so eine Stelle aussehen könnte und wo ich sie finde. Außerdem habe ich Angst davor Bewerbungsprozesse durchlaufen zu müssen. Dazu kommt, dass ich ein ausgesprochener Gewohnheitsmensch bin und aus lauter Angst vor Veränderungen lieber in ungesunden Situationen verharre, die kenne ich wenigstens. Das hat sehr wahrscheinlich mit Autismus oder auch mit Depressionen zu tun, weil es erstaunlich ist, wie schwer es mir tatsächlich fällt, mich auf etwas Neues einzulassen und die notwendigen Schritte aktiv dafür zu tun. Eigentlich bin ich also sehr belastbar, ich halte solche Situationen nämlich trotz hoher Belastung lange Zeit aus.

Mein soziales Leben war immer schon sehr überschaubar, aber es war nicht überhaupt nicht vorhanden. Wobei darunter mein Mann natürlich mehr leidet als ich. Ich hatte von jeher wesentlich weniger Bedürfnisse, mich mit anderen zu treffen oder auf Veranstaltungen zu gehen. Lieber verbringe ich meine Freizeit mit Lesen und zu Hause sein, wo es meiner Ansicht nach eh am Schönsten ist. Trotzdem habe ich viele Termine im Kalender stehen. Jetzt könnte man auf die Idee kommen, dass mich solche zusätzlichen Termine zu sehr belasten, weil ich sowieso dermaßen erschöpft bin. Einige sind Informationsveranstaltungstermine zu Themen, die mich interessieren, andere sind Arzttermine oder jetzt neu meine regelmäßigen Psychotherapietermine. Der Vorteil dieser Termine im Kalender ist, dass sie für mich absolut verbindlich sind und mir eben die dringend notwendige Struktur geben. Das ist wie früher, egal, wie es mir geht, Termin ist Termin – ich gehe dann sicher dort hin, sie machen, dass ich funktioniere. Für mich als Autistin haben diese vielen Termine neben der Belastung auch eine heilsame Wirkung.

Irgendwo hatte ich gelesen, dass es Autisten mit zunehmendem Alter besser geht, weil die Kompensationsfähigkeiten durch lebenslanges Lernen so ausgereift sind, dass sie immer besser mit den Schwierigkeiten zurechtkommen. Mich selbst als Beispiel nehmend, scheint es aber so zu sein, dass meine Kompensationsfähigkeiten umso besser sind, je besser es mir geht. Und das wiederum hängt mit den äußeren Bedingungen zusammen. Das Fatale ist: Das Ganze ist ein Zirkel, je schlechter es mir geht, desto weniger bin ich in der Lage, die Rahmenbedingungen aufrecht zu erhalten, mit denen es mir so gut geht, dass ich problemlos funktioniere. Je schlechter es mir geht, desto weniger belastbar bin ich und umgekehrt.

Ist das alles jetzt ein Problem des Alters, meines spezifischen Autismus, einer Depression oder vielleicht eine Kombination daraus und dass ich selbst nicht fähig bin, mir verbindliche Strukturen vorzugeben und exekutive Dysfunktionen habe? Oder ist es banal ein hausgemachtes Problem wegen meiner Neigung zu Prokrastination, die mit dem Alter leider nicht besser geworden ist? Was auch immer der Grund ist, ich wünsche mir, dass es aufhört, ich möchte mich wieder besser fühlen und nicht mehr so deprimiert sein. Strukturen helfen, andernfalls würde ich wahrscheinlich schon lange nicht mehr morgens aufstehen, sondern depressiv im Bett liegenbleiben. Dazu kommt, dass sich bei jedem Gedanken daran, einfach nicht mehr aufzustehen, sofort mein Hirn einschaltet und fragt: Ok, verstehe, du bist zutiefst erschöpft, der Gedanke, im Bett liegen zu bleiben ist verlockend. Aber: Was machst du dann da? Morgen auch noch darin liegen? Und übermorgen?

Mein Psychotherapeut glaubt, dass es zwei Dinge braucht, damit es mir besser geht: Eine Therapie und Medikamente. Er hat mir gesagt, dass ich mich dringend an meine Ärztin wenden soll. Den Teil mit der Therapie erledige ich ja jetzt, seit ich ihn gefunden habe, die Hälfte habe ich demnach geschafft. Und weil es so, wie es derzeit ist, einfach nicht mehr weitergehen soll, überlege ich trotz meiner inneren Widerstände, ob Antidepressiva tatsächlich eine Lösung wären. Wobei ich glaube, dass ich einfach nur ganz, ganz dringend eine mit meinem eigenen Autismus vereinbare Arbeit und einen Stundenplan brauche. Früher ging es doch auch. Ich möchte wirklich gerne meinen Teich fertigbauen und mein Studium beenden, bevor ich im Rentenalter bin.


3 Kommentare

Krank durch Büroarbeit – kann das tatsächlich sein?

Im Büro kam es zu einer eskalierenden Diskussion mit einer Kollegin, die mir vorwarf, eine kooperative Zusammenarbeit sei mit mir wegen meiner Verschlossenheit und meines unmöglichen Sozialverhaltens nicht möglich. Ich fühlte mich in der Sache ungerecht behandelt. Das einzige, was ich meiner Ansicht nach in der Arbeit und auch in dieser Diskussion gezeigt hatte, war mein ganz normales Verhalten. Ich war schon immer introvertiert und beobachtete neue Situationen und Menschen erst einmal, bevor ich mit den Menschen interagierte. Außerdem löse ich Probleme grundsätzlich alleine, bitte selten um Hilfe und lerne seit jeher autodidaktisch. Ich hatte immer schon Schwierigkeiten im sozialen Miteinander und insbesondere in Gruppen. Ich hatte leider auch schon immer ein besonderes Talent, undiplomatisch zu sein oder Dinge laut zu sagen, die man besser nicht nicht ausspricht. Ich war bereits als Kind stur, hatte oft Wutanfälle und meine Mutter ermahnt mich bis heute wegen meines offenbar häufig aggressiven Tonfalls, den ich selbst aber nicht so wahrnehme. Ich hatte mehrfach die Rückmeldung erhalten, zu offensiv in Diskussionen aufzutreten und arrogant zu sein, obwohl ich mich selbst als defensiv und selbstunsicher beschreiben würde. Ich verstand nicht, woher diese Diskrepanz zwischen Fremd- und Selbstwahrnehmung kam. Dies alles bedenkend, verbuchte ich die Auseinandersetzung mit der Kollegin auf meiner langen Erfahrungsliste als weiteren fehlgeschlagenen Kommunikationsversuch.

In der nächsten Zeit bemühte ich mich, offener auf die Kollegen zuzugehen und mich zu unterhalten. Ich nahm an gemeinsamen Mittagspausen teil, obwohl ich überwiegend stumm am Rand saß, nicht wissend und unsicher, was ich beitragen sollte. Anschließend benötigte ich zurückgezogen in meinem Büro jedesmal eine längere Erholungspause von den mit Kollegen verbrachten Mittagspausen. Ich litt unter der Absurdität des Ganzen und darunter, dass sich meine unproduktiven Zeiten im Büro proportional zu meiner Angst vermehrten.

Ich begann Angst davor zu haben, wenn die Türe zu meinem Büro aufging und ich musste zunehmend dagegen ankämpfen, weinend aus der Arbeit zu fliehen. Ich war trotz Teilzeitstelle nach jedem Arbeitstag so erschöpft, dass ich zu Hause nur noch auf dem Sofa zusammenbrach. Ich litt neben meiner gestiegenen Geräuschempfindlichkeit zusätzlich unter einem Tinnitus. Ich hatte Rücken- und heftige Kopfschmerzen, ich vermutete Bandscheibenprobleme, aber eine fachärztliche Abklärung ergab außer massiven Muskelverspannungen keinen Befund. Seit Jahren trug ich nachts eine Schiene wegen meines Zähneknirschens, innerhalb eines halben Jahres hatte ich zur Verwunderung meiner Zahnärztin diese Schiene zweimal durchgeknirscht. Ich bekam zusätzlich zunehmend Magenschmerzen und Magen- Darmprobleme, seit Beginn der Angstsymptome hatte ich mehr als 20 Kilo abgenommen und ich hatte Angst, dass ich erneut eine Essstörung entwickelt haben könnte.  Ich ließ alle denkbaren Ursachen meiner Beschwerden bei diversen Fachärzten abklären, heraus kam, dass ich körperlich nicht ernsthaft erkrankt war.

Ich versuchte, eine plausible Erklärung dafür zu finden, weshalb ich anscheinend seltsamerweise jedesmal krank wurde, wenn ich eine Arbeitsstelle hatte.  Ich versuchte erfolglos, mir selbst, meinem Hausarzt und meinen nächsten Familienangehörigen zu erklären, weshalb ich einen gewöhnlichen Büroalltag als so ungemein belastend erlebte, dass ich Angst hatte, irgendwann in naher Zukunft gar nicht mehr funktionieren zu können. Mir war klar, dass mit mir psychisch etwas ganz und gar nicht stimmte. Mich wieder einmal in psychologisch versierte Hände zu begeben, schien unausweichlich, respektive alternativlos.


Hinterlasse einen Kommentar

Psychotherapieresistenz? – oder die Geschichte von der Kunst, den passenden Therapeuten zu finden #Teil4

Nach acht Jahren Arbeit in einem Büro mit einer allmählichen Steigerung der Arbeitszeit von acht auf letztlich fünfzehn Wochenstunden, einer Steigerung der Arbeitnehmerzahl von einer (mir) auf drei Mitarbeiter und einer Steigerung der Diskussionen um meine soziale Kompetenz von wenig auf die Behauptung, ich hätte überhaupt keine, bekam ich Anfang 2015 überraschend und unverhofft ein Angebot für eine andere Büroarbeitsstelle. Mein Hausarzt hatte mir seit längerem geraten, mir eine neue Arbeit zu suchen, ich war immer öfter krank und hatte seit zwei Jahren Schlafstörungen. Trotz der mich mittlerweile sehr belastenden Situation im Büro nahm ich dieses Angebot erst nach längerem Zögern an.

Wegen fehlender Parkmöglichkeiten am neuen Arbeitsort war mein gewohnter Weg in die Arbeit mit dem Auto nicht mehr möglich. Ich fuhr deshalb fortan mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu der neuen Arbeitsstelle mit 20 Stunden Wochenarbeitszeit und 11 Mitarbeitern. Ich hatte nach ein paar Wochen zusätzlich zu den massiver werdenden Schlafstörungen für mich neue und mir unerklärliche Panikattacken, weshalb ich zu meiner ehemaligen Gesprächstherapeutin Kontakt aufnehmen wollte. Nach einem mich verunsichernden Telefonanruf, bei dem eine Stimme behauptete, diese Nummer sei nicht vergeben, ergab eine Google-Recherche auf der vierten Seite dann endlich die Information, sie sei 2014 verstorben – woraufhin ich eine so heftige Panikattacke hatte, dass ich umgehend zu einer Arztpraxis mit angegliedertem Psychologen flüchtete, der mich zu einer Neurologin weiterverwies. Dort hatte ich Weinkrämpfe und versuchte, zu erklären, warum ich Angst hatte, nicht mehr zu funktionieren. Das Ergebnis war, dass sie mich wegen Selbstgefährdung zur Sicherheit ins nächstgelegene BKH einweisen wollte. Was mich in noch größere Panik versetzte. Mein Versuch, zu argumentieren, ich sei nicht selbstgefährdet, darum ginge es doch gar nicht, ich sein im Übrigen mit meinem eigenen Auto in die Praxis gefahren und es sei schon deshalb völlig unmöglich, sofort in ein Krankenhaus zu gehen, ich müsse erst mein Auto nach Hause bringen, brachte sie nicht von ihrem Entschluß ab. Unfähig zu weiterer Kommunikation bat ich darum, meinen Mann zu verständigen. Er sammelte mich dort ein und wir fuhren mit zwei Autos nach Hause. Am nächsten Tag brachte er mich zu unserem Hausarzt und erklärte ihm die Situation. Ich war nach wie vor nicht in der Lage zu kommunizieren und einfach nur froh, dass mein Mann das für mich übernommen hatte. Mein Hausarzt war nicht der Meinung, dass ich in einem BKH gut aufgehoben wäre. Er schrieb mich erst einmal drei Wochen lang krank.

Mein Mann nahm sehr kurzfristig noch am selben Tag Urlaub und packte mich in unser Wohnmobil. Er hatte vom Hausarzt dieselben Beruhigungsmittel, die ich vor Jahren bereits genommen hatte, plus ein Antidepressivum für mich mitbekommen. 300 km weit weg von meiner Panik, an einem ruhigen Stellplatz am von mir so geliebten Wasser, las ich die Beipackzettel komplett durch, besprach anschließend mit meinem Mann, lieber noch bis zum Morgen mit der Medikamenteneinnahme zu warten – und hatte während dieser paar Tage fortan keinerlei Beschwerden. Gut ausgeschlafen wieder zu Hause, begleitete mich mein Mann wieder zum Hausarzt und erklärte ihm, dass wir beschlossen hatten, es ohne Medikamente zu versuchen. Er übernahm jegliche Kommunikation nach außen für mich und verhinderte, dass irgend jemand zu mir Kontakt aufnehmen konnte. Während der Zeit allein zu Hause ging es mir bis auf die Schlafstörungen gut. Ich verdrängte die aufkommenden Gedanken darüber, dass meine Arbeit der Grund für die Panik und meine sonstigen gesundheitlichen Probleme sein könnte.

Nach der Krankschreibung kämpfte ich in der Folgezeit in der Arbeit von Wochenende zu Wochenende gegen einen erneuten Zusammenbruch. In regelmäßigen Abständen nahm ich Kurzurlaube und nutzte die Feiertage, um mehrere Tage am Stück frei zu haben und mich so weit zu erholen, dass ich überhaupt wieder in die Arbeit gehen konnte. Mir war erschreckend bewusst, dass mich diese Strategie nur so lange retten würde, bis mein Urlaub aufgebraucht war.

Der Hausarzt vermittelte mir kurzfristig einen Termin bei einer Verhaltenstherapeutin, die mich nach dem Erstgespräch fragte, wie ich den Termin empfunden hätte. Ich verstand nicht, was sie genau von mir wissen wollte? Es war anstrengend für mich, ich hatte ihr eine Stunde lang monologisierend und immer mehr in Einzelheiten gehend meine Lebensgeschichte erzählt, wozu sie mich mit den einleitenden Worten „Erzählen sie mal, was Sie herführt“ aufgefordert hatte. Ihre Reaktionen während meines Berichtes erschöpften sich in diversen Oh Gotts, der Bemerkung, ich könne ein Buch über mein Leben schreiben und der rätselhaften Aussage, sie verstünde ihre therapeutische Funktion als Katalysator, wie Gold oder Platin. Sie sagte mir zum Abschied, ich solle das Gespräch erst einmal sitzen lassen und gründlich darüber schlafen, sie werde das ebenfalls tun. Einen weiteren Termin könne ich dann per Mail vereinbaren. Nach drei Tagen schrieb ich ihr eine Mail, in der ich fragte, ob dreimal schlafen in ihren Augen gründlich genug sei. Und ich fragte nach, ob sie sich als positiven oder negativen Katalysator verstünde, weshalb sie ausgerechnet Gold oder Platin gewählt habe und ob sie tatsächlich davon überzeugt sei, dass sie sich durch den Kontakt zu ihren Patienten nicht verändern würde. Falls ja, wäre ich sehr interessiert daran, ihre Methode der Abgrenzung zu lernen. Außerdem bat ich sie um einen weiteren Termin.

Mehrere Wochen später antwortete die Therapeutin mir per Mail mit einer Absage, die mich in einem weiteren Kurzurlaub unvermutet traf, keine meiner Nachfragen beantwortete und meine Motivation, mich um einen Therapieplatz zu bemühen, erst einmal auf Null reduzierte. Meine Angstsymptome in der Arbeit verschwanden jedoch nicht, ich hatte, wie gewohnt, weiter Schwierigkeiten mit Kollegen. Ungewohnt war nur die Menge an Kollegen und damit stieg auch die Menge an Schwierigkeiten. Ich glaubte, mich in einer Zeitschleife zu befinden, weil sich augenscheinlich meine sozialen Probleme in und mit Teams aus meiner Schulzeit und der Zeit an der Universität wiederholten. Es kam zu eklatanten Missverständnissen und ich begann, zunehmend Fehler in der Arbeit zu machen.


2 Kommentare

Asperger am Arbeitsplatz: Wie zeigt sich mein Autismus von A bis Z

Arbeitsorganisation

  • Ich bevorzuge konkrete, strukturierte und klar formulierte Arbeitsanweisungen mit genügend Zeit für mich, um sie aufzuschreiben.
  • Arbeitsanweisungen in Schriftform haben für mich den Vorteil, dass nichts vergessen wird und ich sicher sein kann, auch alle relevanten Punkte gehört zu haben, deshalb schreibe ich nach Möglichkeit sofort alles mit. Der Vorteil daran ist, dass ich mir so nach und nach eine Wissensdatenbank aufbaue, in der ich immer wieder nachlesen kann. So muss ich langfristig gesehen weniger nachfragen.
  • Wenn ich eine für mich neue Aufgabe erledigen soll, ist es besser, sie mir möglichst mit Zwischenschritten und relevanten Hintergrundinformationen oder Erklärungen mitzuteilen. Der Grund dafür ist meine Art der sequentiellen Informationsverarbeitung, bei der unter ungünstigen Umständen Teile einer Anweisung untergehen können.
  • Ich muss alles erst einmal sortieren und strukturieren, um es für mich überschaubar zu machen. Aus diesem Grund arbeite ich sehr gerne mit Excel-Listen.
  • Es kann bei mir zu Schwierigkeiten in der Handlungsplanung kommen. Es mangelt mir nicht am Willen, der ist da, sondern mitunter an der Fähigkeit, meine Vorhaben auch in die Tat umzusetzen.

Aufmerksamkeitssteuerung

  • Ich bin leicht ablenkbar, beispielsweise lenkt mich viel Gestik bei anderen so vom Gesprächsinhalt ab, so dass ich nur die Hälfte mitbekomme, deshalb schaue ich nach Möglichkeit gar nicht hin.
  • Ich bin nur sehr begrenzt multitaskingfähig.
  • Ich habe eine fragmentierte Wahrnehmung der Umwelt, so entgehen mir viele Dinge. Ich nehme zwar viele Details wahr, kann aber schwer beurteilen, welche Details gerade relevant sind.
  • Ich kann mit interessanten Dingen schwer aufhören. Ich merke beispielsweise dann nicht rechtzeitigt, wenn ich hungrig/durstig bin oder friere.

Belastungsfähigkeit

  • Meine Stresstoleranz ist niedrig.
  • Bei einer Überlastung kann es zu Einschränkungen meiner Handlungsfähigkeit oder zu unbeabsichtigter Unhöflichkeit kommen.
  • Unerwarteter Lärm stresst mich so, dass ich bewegungs- und handlungsunfähig werde. Erst wenn der Lärm vorbei ist, kann ich wieder denken und normal handeln.
  • Wenn etwas Unvorhergesehenes passiert, erschrecke ich mich. Beispielsweise kann es passieren, dass ich zusammenzucke, wenn ich nicht damit rechne, jemandem auf dem Weg zur Toilette zu begegnen.
  • Optische Ordnung ist für mich sehr wichtig. Ich habe das Bedürfnis, Briefumschläge im Papierkorb nach Farbe und Größe zu sortieren, wenn sie wild durcheinander dort liegen, kann ich keinen Überblick bewahren, was mich belastet.
  • Spezielle Geräusche oder Gerüche empfinde ich wegen meiner sensorischen Hypersensitivität als so unerträglich, dass ich sofort aus der Situation flüchten muss.

Empathie / Emotionen

  • Ich bin emotional sehr empfindsam, auch wenn ich das nach außen nicht ausdrücke.
  • Ich habe Schwierigkeiten mit der Steuerung und dem Ausdrücken von Emotionen.
  • Ich habe Schwierigkeiten, mich abzugrenzen.
  • Wenn ich eine Situation aus eigener Erfahrung kenne, fällt es mir leichter, empathisch zu reagieren.

Flexibilität

  • Ich bin wenig spontan (Spontaneität muss gut geplant sein).
  • Ich habe Schwierigkeiten beim schnellen Wechsel zwischen unterschiedlichen Tätigkeiten, deshalb mache ich lieber erst eine Sache zu Ende, bevor ich mich etwas Neuem widmen kann.
  • Ich mache Dinge immer wieder auf dieselbe Weise oder auf meine Art, obwohl eine andere evtl. einfacher wäre.
  • Es irritiert mich sehr, wenn die Gegenstände auf meinem Schreibtisch nicht dort stehen, wo sie stehen sollten, weshalb ich Markierungen angebracht habe. Wenn jemand meinen Schreibtisch während meiner Abwesenheit benutzt, wäre es schön, wenn der Schreibtisch so hinterlassen werden könnte, wie er vorgefunden wurde.
  • Weil ich länger brauche, um alle Aspekte einer Sache für mich zu durchdenken, kann ich mich oft nicht besonders schnell entscheiden.
  • Ich plane gern alles im Voraus. Bei kurzfristigen Planänderungen reagiere ich zuerst einmal ablehnend. Ich brauche ein paar Minuten, um mich darauf einzustellen. Es würde mich freuen, wenn ich rechtzeitig über Planänderungen informiert werden könnte.
  • Ich wehre mich erst einmal gegen größere Veränderungen bei Gewohntem, weil sie mich verunsichern. Nachdem ich Zeit hatte, darüber nachzudenken, kann ich mich leichter darauf einlassen.
  • Ich kann Unzuverlässigkeit und Nichteinhalten von Vereinbarungen schwer verkraften.

Kommunikation

  • Ich habe Schwierigkeiten, Gespräche in Gang zu bringen und aufrecht zu erhalten.
  • Ich antworte auch auf rhetorische Fragen.
  • Ich nehme Gesagtes oftmals wörtlich, was zu Missverständnissen führen kann.
  • Ich erkenne in Gesprächen nicht, wenn mein Gegenüber desinteressiert ist, oder keine Zeit für ein längeres Gespräch hat. Am besten ist es, wenn man mir das direkt sagt.
  • Ich kann einem Gespräch mit mehreren Leuten schwer länger folgen, weil ich zu lange für die Informationsverarbeitung benötige.
  • Ich kann die Stimme eines Gesprächspartners bei zu vielen Nebengeräuschen nicht mehr verstehen, das wird dann ein einziger Klangbrei.
  • In Gesprächen mit mehr als zwei Personen verpasse ich häufig den richtigen Zeitpunkt, mich zum Thema zu äußern, weil ich zu lange brauche, bis ich mir meinen Beitrag überlegt habe.
  • Ich weiß oft nicht, ohne intensiver darüber nachzudenken, was ich auf Bemerkungen anderer erwidern kann/darf/soll.
  • Mir passiert es häufig, dass ich in Fettnäpfchen trete, weil ich die sozialen Konsequenzen meiner Worte nicht vorher beachte.
  • Ich interessiere mich nicht für Mainstream und fernsehe beispielsweise nicht. Dadurch wirke ich in Gesprächssituationen oft sozial naiv oder auch unnahbar und arrogant.
  • Ich neige zu starker Ich-Bezogenheit in Gesprächen und zum Monologisieren, wenn es um meine Interessensgebiete geht.
  • Ich sage genau das, was ich meine. Falls etwas unklar sein sollte, ist es besser, mich direkt darauf anzusprechen, statt in meine Worte etwas hineinzuinterpretieren und davon auszugehen, dass ich dies oder jenes gemeint haben könnte.
  • Ich telefoniere nicht sehr gerne, weil ich oft nicht erkenne, wann ich dran bin mit Sprechen. Lieber schreibe ich E-Mails, auch weil ich da genügend Zeit habe, mir zu überlegen, wie ich etwas formuliere.
  • Ich nutze Sprache überwiegend zum Austausch von Informationen. Ich kommuniziere meistens rein auf der Sachebene, ohne die soziale Komponente zu beachten.
  • Ich verstehe unausgesprochene Erwartungen nicht. Ich kann nicht zwischen den Zeilen lesen, ich sehe da nichts.
  • Nonverbale Kommunikation bereitet mir Schwierigkeiten. Mir fällt es schwer, nichtsprachliche Signale im Kontext richtig zu deuten und angemessen darauf zu reagieren. Die Gestik und Mimik anderer erscheint mir oft rätselhaft. Außerdem kann ich meine eigenen verbalen und nonverbalen Äußerungen schlecht synchronisieren. Meine eigene Mimik und Gestik ist sparsam oder kann unpassend wirken und fehlinterpretiert werden.
  • Ich habe entweder zu wenig oder zu viel Blickkontakt. Mimik lenkt mich vom Gesprächsinhalt ab und braucht zu viel Aufmerksamkeit. Je wichtiger der Inhalt ist, desto weniger schaue ich jemandem ins Gesicht.

Kontakt zu Kollegen

  • Ich habe Schwierigkeiten damit, Kontakte zu knüpfen. Es liegt nicht daran, dass ich generell Kontakt zu anderen ablehne, sondern daran, dass ich mich dabei oft ungeschickt verhalte.
  • Ohne äußere Impulse bin ich eher passiv oder reaktiv als aktiv.
  • Ich treffe mich lieber nur zu zweit mit jemandem, statt in einer Gruppe etwas zu unternehmen.
  • Es fällt mir nicht leicht, Kontakte zu pflegen. Ich vergesse es, mich regelmäßig zu melden und habe in den Augen anderer viel zu selten das Bedürfnis, mich mit jemandem zu treffen.

Konzentrationsfähigkeit

  • Bei Hyperfokussierung kann ich alles andere um mich herum über einen sehr langen Zeitraum komplett ausblenden.
  • Wenn ich mich stärker konzentriere, wirke ich manchmal geistig abwesend oder desinteressiert. Ich schließe beispielsweise die Augen, damit mich visuelle Reize nicht vom Gesprächsinhalt ablenken, nicht, weil das Gespräch mich langweilt.

Kritikfähigkeit

  • Der Umgang mit direktem Lob fällt mir schwer. Ich weiß nicht, wie ich richtig darauf reagieren kann und was ich darauf sagen kann/soll/darf. Außerdem gibt es nach meiner Ansicht immer eine bessere Lösung oder Leistung.
  • Direkte, unmissverständlich geäußerte, berechtigte, möglichst sachliche und konstruktive Kritik ist sehr wichtig für mich. Eine Kritik, die versteckt oder implizit geäußert wird, erkenne ich unter Umständen erst zu spät oder gar nicht. Eine unberechtigte Kritik verletzt mein Gerechtigkeitsempfinden, was zu einer heftigen Gegenreaktion führt.
  • Ich habe Schwierigkeiten bei der Selbsteinschätzung eigener Fähigkeiten. Ich kann nicht einschätzen, ob ich gut oder schlecht bin in dem, was ich tue. Selbstbild und Fremdbild klaffen oftmals auseinander. Feedback hilft und motiviert mich.
  • Meistens kritisiere ich andere direkt und ohne soziale Abmilderungsformulierungen. Ich tue das nicht, weil ich bewusst andere verletzen will, sondern weil ich nicht die Fähigkeit habe, Fehler und Probleme euphemistisch zu beschönigen.

Lernfähigkeit

  • Am effektivsten lerne ich autodidaktisch.
  • Bei Dingen, die mich interessieren, habe ich einen unerschöpflichen Wissensdurst. Das kann dazu führen, dass ich mich exzessiv über einen langen Zeitraum nur noch dem zu lösenden Problem widme.
  • Ich tue mir trotz überdurchschnittlicher Intelligenz sehr schwer, Dinge zu lernen, wenn sie mich nicht interessieren.
  • Ich gehe häufig irrtümlich davon aus, dass andere dasselbe Wissen und dieselbe Wahrnehmung haben, wie ich.
  • Manchmal fällt mir Kompliziertes leicht und ich habe unverständlicherweise Probleme mit eigentlich leichten Dingen.
  • Ich merke mir sehr viele Dinge. Besonders, wenn es darum geht, was wer wo geäußert hat. Ich habe die komplette Situation mit Bild und Ton im Gedächtnis.

Sonstiges

  • Ich bin sehr gut im mir Sorgen machen.
  • Es fällt mir schwer, eigene Bedürfnisse zu erkennen und diese geltend zu machen.
  • Ich habe visuomotorischen Probleme, die beispielsweise zu einer krakeligen ungleichmäßigen Schrift führen. Außerdem kann es passieren, dass ich ohne erkennbaren Anlass umkippe, stolpere, irgendwo hängenbleibe, dagegen laufe o.ä.
  • Ich mag keinen Körperkontakt, außer er kann von mir gesteuert und initiiert werden.
  • Ich neige zu polarisiertem Verhalten: Ganz oder gar nicht.
  • Ich habe einen eigenen, speziellen Kleidungsstil, der sich nicht an Moden orientiert und trage gern immer dieselbe Kleidung in der ich mich wohlfühle, wobei sie dann manchmal nicht zum Anlass passt.

Soziales Miteinander

  • Auf Belastungen reagiere ich mit sozialem Rückzug.
  • Weil ich durch die meisten Konventionen unbeeinflusst bin, neige ich zu unkonventionellem Denken, bin aber wegen meiner Veränderungsresistenz konservativ im Handeln, was als widersprüchlich und irritierend wahrgenommen werden kann.
  • Ich bin unempfindlich gegenüber Gruppendynamik, weil ich diese oft erst nach längerem Nachdenken oder über Hinweise durch andere wahrnehme.
  • Hierarchien beeindrucken mich nicht, weil ich sie nicht realisiere. Autoritäten erkenne ich nicht automatisch, man muss mich explizit darauf hinweisen.
  • Ich erzähle sehr selten private Dinge. Das liegt nicht daran, dass ich Geheimnisse hätte, die Kollegen nicht erfahren dürfen, sondern daran, dass ich kein intuitives Bedürfnis habe, Erlebnisse mit anderen zu teilen.
  • Ich nehme Fehler und Widersprüche wahr, die andere nicht sehen oder auch nicht für wichtig erachten. Ich berichtige / hinterfrage andere, weil ich das tiefe Bedürfnis habe, Fehler zu korrigieren und Widersprüche aufzulösen, nicht um meine Kollegen zu demütigen oder weil ich querulatorisch veranlagt bin.
  • Wenn ich nicht gemeinsam mit den Kollegen Mittag esse, bedeutet das nicht: „Ich habe etwas gegen euch“, sondern „Ich schütze mich vor Überlastung“. Ich brauche, nachdem ich an einem gemeinsamen Mittagessen teilgenommen habe, meistens erst einmal eine Pause alleine in meinem Büro, um mich zu erholen.
  • Wenn ich jemanden nicht grüße, insbesondere keine Leute auf der Straße, liegt das daran, dass ich sie da meistens gar nicht wahrnehme, geschweige denn zuordnen kann. Zusätzlich habe ich ein schlechtes Namens- und Personengedächtnis. Personen außerhalb ihres gewohnten Umfeldes oder Personen, denen ich eher selten begegne, erkenne ich schwer wieder.

Stärken

  • Bei mir weiß jeder, woran er ist. Ich sage direkt und ehrlich genau das, was ich meine.
  • Klare, direkte Kommunikation ist im Grunde sehr wünschenswert und erleichtert allen das Miteinander.
  • Ich habe ein Auge für Fehler. Insbesondere fällt es mir sehr leicht, Korrektur zu lesen. Orthografische Fehler fallen mir in der Regel sofort auf und bei Zahlen finde ich schnell den Fehler im Muster.
  • Meine detaillierte Wahrnehmung bringt es mit sich, dass Aufgaben und Probleme sehr gründlich und von allen Seiten von mir durchdacht werden.
  • Ich arbeite genau und mache wenig Fehler.
  • Oberste Priorität hat bei mir stets die Lösung eines Problems, ich denke nicht primär daran, die sozialen Bedürfnisse anderer zu befriedigen.
  • Ich bin ziemlich zuverlässig.
  • Ich habe ein hohes Erinnerungsvermögen, insbesondere für Daten und Fakten.
  • In meinen Interessensgebieten habe ich ein breites und umfassendes Wissen, das ich ständig aktualisiere und erweitere. Da auch IT, Psychologie und Pädagogik zu meinen bevorzugten Interessen zählen, habe ich neben meiner Qualifikation als Verwaltungskraft zusätzliche, für meine Arbeitsstelle relevante und vertiefte Kenntnisse.
  • Wegen meiner Wahrnehmungsbesonderheiten sehe ich manchmal Verbindungen zwischen Sachverhalten, die niemandem sonst auffallen.
  • Ich kann außergewöhnlich lange Routinetätigkeiten hochkonzentriert erledigen, bei denen jeder andere in Gedanken abschweifen würde.
  • Meine strukturierte Arbeitsweise hat den Vorteil, dass Ordnung vorherrscht.
  • Zusätzlich herrscht auch optische Ordnung. Outlook Kalendereinträge sehen beispielsweise immer gleich aus, wodurch sie auch für andere übersichtlicher sind. Dasselbe gilt für alle Listen, die ich erstelle.
  • In meinem Wirkungskreis ist alles dokumentiert und somit leicht nachvollziehbar und wiederfindbar.
  • Eine reizarme Arbeitsumgebung mit weniger Lärm und weniger optischem Chaos wirkt sich auf alle stressreduzierend aus.

Teamarbeit

  • Am liebsten arbeite ich alleine als mein eigenes Team.
  • Ich habe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Ich neige zu rigidem Gegensteuern bei Verletzung meines Gerechtigkeitsempfindens, ohne die sozialen Konsequenzen zu bedenken.
  • Ich kann mich und meine Ideen in einer Gruppensituation nicht gut verkaufen.
  • Probleme versuche ich stets erst einmal alleine zu lösen.

Zeitmanagement

  • Ich habe Schwierigkeiten bei der Zeiteinteilung.
  • Ich neige zu Perfektionismus, so dass Arbeitsergebnisse nicht abgegeben werden, bevor sie in meinen Augen perfekt sind. Wenn die Erledigung von Aufgaben jemandem zu lange dauern sollte, wäre es gut, wenn derjenige mich darauf anspricht und mir eine Frist setzt.
  • Meine Prioritätensetzung unterscheidet sich oft von der Erwartung anderer. Deshalb wäre es gut, wenn mir direkt gesagt wird, was zuerst erledigt werden soll.
  • Rechtzeitig um Hilfe zu bitten, fällt mir meistens einfach nicht ein.