SWB – MeiBlog

"Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein." (Albert Einstein)


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Neue Medien – Saugut Präsentieren, Entwicklung eines Vodcasts zum Thema Foliengestaltung

Ich interessiere mich schon sehr lange für Pädagogik, Psychologie und E-Learning. Deshalb studiere ich seit 2014 an der FernUniversität Hagen den Masterstudiengang Bildung und Medien: eEducation. Mein liebstes Hobby ist und bleibt studieren. Auch wenn ich jetzt ein Jahr lang überlastungsbedingt pausieren musste. Im Moment denke ich über ein neues Medienprojekt nach. Wie in etwa ein solches Projekt aussehen kann, ist am besten anhand eines Beispiels zu erklären. Ein E-Learning-Projekt, das ich im Rahmen meines Studiums bereits umgesetzt habe, ist folgender Vodcast zum Thema (PowerPoint)-Foliengestaltung mit Hilfe der Gestalttheorie:

Da die Evaluation abgeschlossen ist, kann man nicht mehr an der Umfrage teilnehmen, die am Ende erwähnt wird. Zu so einem Projekt gehört bei einem Studium natürlich auch eine ganze Menge Theorie. Das klingt jetzt für den ein oder anderen vielleicht langweilig. Mir aber macht es tatsächlich sehr viel Spaß, solche wissenschaftlichen Arbeiten zu schreiben oder Fragebögen zu konstruieren und die erhobenen Daten auszuwerten. Hier können Interessierte den theoretischen Hintergrund, die Entstehung des Fragebogens als Evaluationsinstrument und die Ergebnisse der Evaluation des Vodcasts nachlesen:

M3_Hausarbeit_SWB_oeffentlich

Am Liebsten würde ich meine ganze Zeit darauf verwenden, nur noch solche Projekte durchzuführen. Und wissenschaftliche Arbeiten in den Themengebieten, die mich interessieren zu schreiben. Oder für andere Präsentationen zu gestalten und Vorträge zu konzipieren – nur halten mag ich sie nicht selbst. Irgendwo in einem kleinen Büro sitzen, ohne Telefon und möglichst unauffindbar, so dass niemand aus Versehen bei mir anklopft. Und am besten damit dann auch noch mein Geld verdienen.


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Autismus und Nachteilsausgleich an der FernUniversität Hagen – ein Update

Ich habe mich größtenteils bemüht, den Erwartungen soweit es mir möglich war, zu entsprechen und mich anzupassen. Einfach nur ein normales, erfolgreiches Leben zu leben, wie alle andern um mich herum, die das anscheinend ohne größere Schwierigkeiten machten. Ich habe die Welt um mich herum beobachtet und mich gefragt, wo der Zauber ist, wieso die anderen sich augenscheinlich so leicht tun und wieso ich so wenig von diesem Zauber abbekommen habe. Ich habe mich so sehr bemüht, es genauso zu machen und mich wie die anderen zu verhalten.

Ich habe studiert. Aber ein Studium zu beenden, gelang mir nur dank der Unterstützung durch meinen Ehemann und erst im Alter von 50 Jahren. Er half mir, es zu strukturieren und Termine einzuhalten. Mein jetziges Masterstudium an der FernUniversität Hagen hatte ich gewählt, weil es ein reines Online Studium ist und ausschließlich schriftliche Abschlußarbeiten verlangt werden, so dass die Belastung durch Sozialkontakte minimiert ist. Aber trotzdem musste ich überlastungsbedingt ein Jahr lang die Bearbeitung meiner Module abbrechen. Ob es mir je gelingen wird, dieses Masterstudium abzuschließen, weiß ich nicht.

Eine Möglichkeit dazu hatte ich in einem Nachteilsausgleich gesehen, der mir aber nicht gewährt wurde. Auch ein Widerspruch half nicht. Begründet wurde die Ablehnung damit, dass ich keine körperliche Beeinträchtigung habe. Meine geistige Leistungsfähigkeit selbst ist beeinträchtigt, nicht nur die technische Umsetzung meiner geistigen Leistungsfähigkeit.

Mein Autismus ist laut Prüfungsamt eine persönlichkeitsbedingte Eigenschaft, eine Veränderung der Prüfungsanforderungen würde bei einer solchen generellen Einschränkung der Leistungsfähigkeit den Aussagewert des Ergebnisses der Leistungskontrolle verfälschen. So eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit sei nicht ausgleichbar und dürfe schon wegen der Chancengleichheit nicht ausgeglichen werden. Krankheitsbedingte Beeinträchtigungen der geistigen Leistungsfähigkeit können aus Gründen der Chancengleichheit keinen Anspruch auf Schreibzeitverlängerung begründen. Solche Einschränkungen sind Mitbestandteil des durch die Prüfung zu belegenden Leistungsbildes. Wenn sich eine persönlichkeitsbedingte, generelle Einschränkung der psychischen Leistungsfähigkeit im Prüfungsergebnis negativ niederschlägt, wird dadurch der Aussagewert der Prüfung nicht verfälscht. Meine Reizfilterschwäche und meine Priorisierungsschwierigkeiten gehören ebenso zu dieser persönlichkeitsbedingten psychischen Einschränkung meiner Leistungsfähigkeit.

Das Prüfungsamt verweist darauf, dass ich diese Einschränkungen meiner Leistungsfähigkeit bereits seit der frühen Kindheit habe und trotzdem die Modulprüfungen bisher mit sehr beachtlichem Erfolg absolviert habe. Im Folgenden wird ein Nachteilsausgleich auch wegen meiner bisherigen sehr guten Noten abgelehnt, die im Einzelnen aufgelistet werden. Ich frage mich nun, ob ich dafür bestraft werden soll, so gute Noten zu haben – würde mir ein Nachteilsausgleich zustehen, wenn ich schlechte Noten hätte?

Das Prüfungsamt weist mich außerdem auf die Möglichkeit einer Verlängerung der Bearbeitungszeit auf der Grundlage einer Krankschreibung hin und einen Satz später dann darauf, dass dies eine Kulanzregelung ist. Ich verstehe das jetzt so, dass ich zwar keinen offiziellen Nachteilsausgleich in Form einer Zeitverlängerung bei bekomme, aber ich mich nur einfach krankschreiben lassen soll, um sie trotzdem inoffiziell zu erhalten. Mir würde es nicht in den Sinn kommen, mich krankschreiben zu lassen, wenn ich nicht krank bin, mal ganz abgesehen davon, dass ein Arzt das gar nicht machen darf – ich halte mich an Regeln und gehe davon aus, dass es andere auch tun. Ich frage mich, wo hier die Chancengleichheit bleibt, vielleicht kommen Nichtautisten von selbst auf diese Idee und nur ich als Autistin bin nicht darauf gekommen und muss durch das Prüfungsamt darauf hingewiesen werden?

Eine Umwandlung der mündlichen Verteidigung der Masterthesis ist laut Prüfungsamt deshalb nicht möglich, weil das Modulhandbuch explizit eine mündliche Prüfung verlangt und eine Modifizierung den Grundsatz der Chancengleichheit verletzen würde. Eine Begleitperson darf ich nicht mitbringen, weil eine mündliche Prüfung nicht öffentlich stattzufinden hat und es (schon wieder) den Grundsatz der Chancengleichheit verletzen würde, wenn ich eine Begleitperson mitbrächte, weil das zu ungleichen äußeren Prüfungsbedingungen führen würde. Auch zusätzliche Pausen werden mir in der mündlichen Prüfung nicht gewährt, weil zwischen der 15 bis 20-minütigen Präsentation der Masterarbeit und der anschließenden 10-minütigen Präsentation des E-Portfolios und den darauf folgenden Fragen der Prüfer (hier wird keine Zeitangabe gemacht – das kann also individuell unterschiedlich lange dauern) bereits kurze Pausen vorgesehen sind. Zusätzliche Pausen – insbesondere Pausen außerhalb des Prüfungsraumes würden – wen überrascht es noch? – die Sicherstellung der Chancengleichheit beeinträchtigen. Eine reizarme Prüfungssituation läge schon deshalb vor, weil ich die Modulabschlussarbeiten zu Hause schreiben kann. Die mündliche Prüfung kann auch als Videokonferenz durchgeführt werden, damit wäre sie dann auch unter reizarmen Bedingungen absolvierbar – immerhin. Ich soll mich zu gegebener Zeit an die jeweiligen Prüfer direkt wenden. Das Prüfungsamt schlägt mir für  Gruppenarbeiten und zur Anfertigung von schriftlichen Protokollen bei Videokonferenzen eine Studienassistenz vor, schreibt aber auch, dass ich ja gar keine Gruppenarbeiten mehr machen muss in den verbleibenden Modulen. Leider kann sich im Prüfungsamt offenbar keiner vorstellen, dass eine Studienassistenz bei einem Fernstudium und meinen autismusbedingten Schwierigkeiten keine Lösung meiner Probleme darstellt. Mal ganz abgesehen von der Finanzierung oder auch nur der Organisation einer Studienassistenz, die mich überfordern würde – aber dafür ist schließlich das Prüfungsamt nicht zuständig. Leider scheint die Behindertenbeauftrage ebenfalls (in meinem Fall) nicht dafür zuständig zu sein, denn sie empfahl mir in ihrer E-Mail zwar ebenfalls eine Studienassistenz, das war es aber dann auch an erfahrener Hilfestellung von dieser Seite, für die Realisierung ihres Vorschlages sei sie nicht zuständig.

Mir drängt sich insgesamt bei der Begründung des Widerspruchsbescheides die Karikatur der Chancengleichheit mit dem Prüfer auf, vor dem ein Flamingo, ein Pinguin, ein Affe, ein Elefant, ein Goldfisch im Glas und ein Hai stehen, die alle die Aufgabe bekommen, auf den nebenstehenden Baum zu klettern.

Zusammenfassend muss ich sagen: Ich empfehle keinem Autisten an der FernUniversität Hagen zu studieren, wenn er einen Nachteilsausgleich benötigt, um erfolgreich sein Studium zu absolvieren.


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Depression und Autismus

Das besonders Fiese an einer Depression ist, dass man nicht mehr so gut denken kann wie sonst. Zumindest ist das meine subjektives Empfinden. Daneben stören mich die schnelle Erschöpfbarkeit und der fehlende Antrieb. Immerhin haben die aber den Vorteil, dass man die mangelnde Denkfähigkeit nicht so mitbekommt, weil man nichts tut oder erledigt, und es einem vielleicht gar nicht auffällt.

Jetzt scheint es aber wohl bei mir so zu sein, dass ich mit einer mittel bis schweren Depression (sagt der Oberarzt) trotzdem Dinge erledigen kann, was nicht jedem Depressionskranken möglich ist. Ich habe es in den letzten zwei Wochen dann doch noch geschafft, mich aufzuraffen, eine Modulabschlussarbeit für mein Fernstudium zu schreiben. Und dabei konnte ich diese kognitiven Einschränkungen leider ziemlich gut beobachten. Gleichzeitig halfen mir die Fokussierung auf das Thema und das Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit  aus dem Depressionsloch herauszukommen. Arbeit hilft – es muss nicht nur körperliche Arbeit oder Sport sein. Allerdings war das Schreiben diesmal ein wirklich mühsames Unterfangen. Obwohl ich das Studium als mein Hobby bezeichnen würde und ich bisher sehr gerne studiert hatte. Ich hatte neben den großen Schwierigkeiten überhaupt anzufangen zu schreiben, ein riesen Problem mit logischem Denken. Als ich dann endlich Text verfasste, speicherte ich jeden Tag die neueste Version der Arbeit ab. So war es mir möglich, nachzuvollziehen wie gut oder besser gesagt schlecht meine Denkleistung war.

Und ich muss sagen: Es ist einfach nur frustrierend, sich beim „Nichtdenken-Können“ selbst zuzusehen. Es gab in den früheren Versionen keinen roter Faden, keine durchgängig schlüssige Argumentation und sehr sprunghafte Gedankengänge. Außerdem konnte ich kein stilsicheres Deutsch mehr, machte Grammatikfehler und mehr Rechtschreibfehler als sonst. Dadurch, dass ich im Lauf der zwei Wochen immer „wacher“ wurde, konnte ich das auch selbst bewerten. Zum Glück hatte ich Korrekturleserinnen, die mich auf all meine Fehler aufmerksam machten, so dass ich letzten Endes eine abgabereife Arbeit hatte.

Meine Folgerung: Eine Depression ist ein tückischer Zustand, in dem man sich am besten nicht mehr auf die eigene Denkleistung verlassen sollte. Wahrscheinlich wird das die schlechteste Note meiner Masterlaufbahn, aber egal. Hauptsache, ich habe es trotz Depression überhaupt geschafft, sie abzugeben, darüber bin ich sehr froh.

Ich klettere derweilen zwar langsam, aber stetig weiter aus meinem Loch. Und erledige ein Ding nach dem anderen – lieber schneckös als gar nicht.


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Autismus, Depressionen, Belastbarkeit und der Zusammenhang mit Strukturen

Sind Belastbarkeit und Kompensationsfähigkeiten bei Autisten altersabhängig? Früher war ich wesentlich belastungs- und damit leistungsfähiger. Es frustriert mich, dass ich zunehmend nicht mehr funktioniere. Immer mehr Aufgaben und Tätigkeiten schaffe ich nur noch mit größter Anstrengung oder sie bleiben sogar ganz liegen. Ich laufe im Notprogramm und das mittlerweile seit eineinhalb Jahren. Das ist kein schöner Zustand und ich wünsche mir dringend, dass es mir irgendwann auch einmal wieder besser geht. Seit einem Jahr gehört auch mein Studium zu den Dingen, für die ich keine Kraft mehr habe. Das ist besonders frustrierend, weil es sich dabei um mein Hobby handelt. Ich bin aber stolz darauf, es größtenteils doch noch hinzubekommen, in die Arbeit zu gehen, leider macht mein Körper mir zunehmend Schwierigkeiten, er zeigt mir wahrscheinlich die Grenzen. Ich bin mir inzwischen ziemlich sicher, dass all die Erkrankungen in der letzten Zeit psychosomatische Reaktionen sind.

Es ist nicht schön, dass die Hausarbeit seit Monaten größtenteils liegenbleibt, aber das hat außer einem mittlerweile riesengroßen schlechten Gewissen keine gravierenden Folgen. Ich fühle mich nur ziemlich unwohl, weil ich es einfach nicht mehr schaffe zu saugen oder zu putzen. Ordnung ist eigentlich sehr wichtig für mich, dass sich hier alles in ein Chaos verwandelt, belastet mich. Wenn ich es nicht schaffe, nach der Arbeit noch einkaufen zu gehen und die Vorratshaltung schwierig geworden ist, dann hat das nur bedingt Auswirkungen, wegen ständiger Magen-Darm Probleme brauche ich sowieso wenig zu essen. Dass seit einigen Monaten die Einkäufe meistens mein Mann erledigen muss, um selbst noch etwas im Kühlschrank zu haben, tut mir sehr Leid und entspricht auch nicht unserer Aufgabenverteilung. Ich leide darunter, meine Pflichten nicht zu erledigen und es belastet mich. Die größten Schwierigkeiten macht aber das tiefe Gefühl der Erschöpfung. Im reinen Überlebensmodus macht das Leben nämlich nicht wirklich Freude.

Ich habe jetzt mal gründlich darüber nachgedacht, wo das Problem eigentlich liegt. Ich vermute, viele Dinge hatten früher, nicht nur weil ich jünger, belastbarer und kompensationsfähiger war, gut funktioniert, sondern weil es einen festen, von außen vorgegebenen Stundenplan gab. Als ich in erster Linie noch Muttertier war, hatte ich wegen der fixen Termine, die die Schule und die Aktivitäten der Kinder vorgaben, einen sehr strukturierten Tagesablauf. Nachdem alle ausgezogen waren, habe ich es nicht geschafft, mir eine neue Struktur selbst vorzugeben.

Dazu kam zeitgleich eine neue Arbeitsstelle, die bis dato unbekannte soziale Anforderungen an mich stellte. Diese Stelle gibt mir zwar einerseits eine äußere Struktur vor, was sehr hilfreich ist, weil es zu meinem Tagesablauf gehört, zu einer bestimmten Zeit aufzustehen und nach dem Cappu-Zeitungs-Morgenritual in die Arbeit zu fahren. Das ist auch der Grund, weshalb ich es an vielen Tagen trotz einer Depression, die ich laut meinem Psychotherapeut habe, überhaupt noch schaffe, aufzustehen. Andererseits sind aber die Bedingungen dieser Arbeitsstelle ein Hauptbelastungsfaktor und ein Grund, weshalb es mir schlecht geht. Ich bin nach jedem Tag in der Arbeit so dermaßen erschöpft, dass ich direkt nach Hause fahre, meine Verkleidung abwerfe und mich nur noch auf die Couch legen kann. Mal abgesehen von der Hausarbeit habe ich auch für Freizeitaktivitäten, wie im Garten arbeiten oder Sport treiben, einfach keine Kraft mehr.

Ich weiß, dass regelmäßige sportliche Aktivitäten mir gut tun würden. Früher gehörten sie zu meinem Tagesablauf und es ging mir gut dabei. Nur kann ich im Moment leider nichts dagegen tun. Es liegt an den fehlenden Möglichkeiten, bzw. an meiner fehlenden Energie, neben meinen Arbeitskollegen beispielsweise im Schwimmbad oder Fitnessraum auch noch mit weiteren Menschen Kontakt haben zu wollen. Wobei ich das eher mit schizoider Paranoia verbinde, die natürlich auch damit zu tun haben mag, älter und erfahrener zu werden. Früher empfand ich viele andere Menschen zwar auch als Belastung, habe es aber leichter ertragen und habe zum Teil auch Sozialkontakte aktiv gesucht. Aber je älter ich werde, desto mehr schlechte Erfahrungen sammelten sich an. Mit jeder neuen Erfahrung des Scheiterns in sozialen Interaktionsversuchen resignierte ich mehr und wollte mich dem Ganzen am Liebsten gar nicht mehr aussetzen.

Seit ich weiß, dass ich Autistin bin, habe ich neu angefangen, den sozialen Kram besser zu bewältigen. Ich bin in eine Selbsthilfegruppe gegangen und habe mich wieder einmal mit dem Training sozialer Kompetenzen, Kommunikation und Smalltalk beschäftigt. Inzwischen ist es mir aber die Mühe oft nicht mehr wert und ich überlege immer, ob sich der Aufwand lohnt oder ich besser Energie spare, indem ich allein daheim bleibe. Ich weiß auch, dass mir das Ausüben meiner Hobbys sehr gut tut. Ich ärgere mich über mich selbst, weil ich es nicht schaffe, im Studium weiterzumachen. Es wäre toll, wenn ich die Energie hätte, mich mit dem zu beschäftigen, was mich wirklich interessiert. Ich habe zusätzlich ein fürchterlich schlechtes Gewissen, weil ich es zu Hause nicht fertigbringe, seit Monaten liegengebliebene Arbeiten zu erledigen, die ich früher problemlos geschafft habe. Mittlerweile türmt sich ein so hoher Berg an unerledigten Dingen hier auf, dass allein der Gedanke daran, das alles abarbeiten zu müssen, mir eine riesige Angst macht. Aber alle Dinge, die eine Frist haben und solche, die in kurzen regelmäßigen Abständen zu erledigen sind, die schaffe ich. Erklären kann ich mir das damit, dass sie eben regelmäßig sind, also Routine. Und damit, dass ich verbindliche Regeln in jedem Fall einhalte, wozu Fristen ja gehören.

Mir ist natürlich klar, dass die Erwerbsarbeit die höchste Priorität hat und ganz sicher wichtiger ist als jedes Hobby. Aber irgendwo ärgert es mich auch, dass mein Leben sich nur noch darum dreht, in die Arbeit zu gehen. Ich sehne mich bereits am Montag nachmittag nach dem Wochenende. In den letzten Wochen ging es mir häufiger bereits Mitte der Woche gesundheitlich so schlecht, dass ich vom Arzt krank geschrieben wurde. Und dann brauchte ich das komplette Wochenende, um mich bis Montag soweit erholt zu haben, wieder in die Arbeit fahren zu können. Ich wünsche mir eine Arbeitsstelle, wo ich meine Stärken einbringen kann und die ich am Allerliebsten bis zur Rente behalten kann. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, wie so eine Stelle aussehen könnte und wo ich sie finde. Außerdem habe ich Angst davor Bewerbungsprozesse durchlaufen zu müssen. Dazu kommt, dass ich ein ausgesprochener Gewohnheitsmensch bin und aus lauter Angst vor Veränderungen lieber in ungesunden Situationen verharre, die kenne ich wenigstens. Das hat sehr wahrscheinlich mit Autismus oder auch mit Depressionen zu tun, weil es erstaunlich ist, wie schwer es mir tatsächlich fällt, mich auf etwas Neues einzulassen und die notwendigen Schritte aktiv dafür zu tun. Eigentlich bin ich also sehr belastbar, ich halte solche Situationen nämlich trotz hoher Belastung lange Zeit aus.

Mein soziales Leben war immer schon sehr überschaubar, aber es war nicht überhaupt nicht vorhanden. Wobei darunter mein Mann natürlich mehr leidet als ich. Ich hatte von jeher wesentlich weniger Bedürfnisse, mich mit anderen zu treffen oder auf Veranstaltungen zu gehen. Lieber verbringe ich meine Freizeit mit Lesen und zu Hause sein, wo es meiner Ansicht nach eh am Schönsten ist. Trotzdem habe ich viele Termine im Kalender stehen. Jetzt könnte man auf die Idee kommen, dass mich solche zusätzlichen Termine zu sehr belasten, weil ich sowieso dermaßen erschöpft bin. Einige sind Informationsveranstaltungstermine zu Themen, die mich interessieren, andere sind Arzttermine oder jetzt neu meine regelmäßigen Psychotherapietermine. Der Vorteil dieser Termine im Kalender ist, dass sie für mich absolut verbindlich sind und mir eben die dringend notwendige Struktur geben. Das ist wie früher, egal, wie es mir geht, Termin ist Termin – ich gehe dann sicher dort hin, sie machen, dass ich funktioniere. Für mich als Autistin haben diese vielen Termine neben der Belastung auch eine heilsame Wirkung.

Irgendwo hatte ich gelesen, dass es Autisten mit zunehmendem Alter besser geht, weil die Kompensationsfähigkeiten durch lebenslanges Lernen so ausgereift sind, dass sie immer besser mit den Schwierigkeiten zurechtkommen. Mich selbst als Beispiel nehmend, scheint es aber so zu sein, dass meine Kompensationsfähigkeiten umso besser sind, je besser es mir geht. Und das wiederum hängt mit den äußeren Bedingungen zusammen. Das Fatale ist: Das Ganze ist ein Zirkel, je schlechter es mir geht, desto weniger bin ich in der Lage, die Rahmenbedingungen aufrecht zu erhalten, mit denen es mir so gut geht, dass ich problemlos funktioniere. Je schlechter es mir geht, desto weniger belastbar bin ich und umgekehrt.

Ist das alles jetzt ein Problem des Alters, meines spezifischen Autismus, einer Depression oder vielleicht eine Kombination daraus und dass ich selbst nicht fähig bin, mir verbindliche Strukturen vorzugeben und exekutive Dysfunktionen habe? Oder ist es banal ein hausgemachtes Problem wegen meiner Neigung zu Prokrastination, die mit dem Alter leider nicht besser geworden ist? Was auch immer der Grund ist, ich wünsche mir, dass es aufhört, ich möchte mich wieder besser fühlen und nicht mehr so deprimiert sein. Strukturen helfen, andernfalls würde ich wahrscheinlich schon lange nicht mehr morgens aufstehen, sondern depressiv im Bett liegenbleiben. Dazu kommt, dass sich bei jedem Gedanken daran, einfach nicht mehr aufzustehen, sofort mein Hirn einschaltet und fragt: Ok, verstehe, du bist zutiefst erschöpft, der Gedanke, im Bett liegen zu bleiben ist verlockend. Aber: Was machst du dann da? Morgen auch noch darin liegen? Und übermorgen?

Mein Psychotherapeut glaubt, dass es zwei Dinge braucht, damit es mir besser geht: Eine Therapie und Medikamente. Er hat mir gesagt, dass ich mich dringend an meine Ärztin wenden soll. Den Teil mit der Therapie erledige ich ja jetzt, seit ich ihn gefunden habe, die Hälfte habe ich demnach geschafft. Und weil es so, wie es derzeit ist, einfach nicht mehr weitergehen soll, überlege ich trotz meiner inneren Widerstände, ob Antidepressiva tatsächlich eine Lösung wären. Wobei ich glaube, dass ich einfach nur ganz, ganz dringend eine mit meinem eigenen Autismus vereinbare Arbeit und einen Stundenplan brauche. Früher ging es doch auch. Ich möchte wirklich gerne meinen Teich fertigbauen und mein Studium beenden, bevor ich im Rentenalter bin.


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Asperger im Studium – K(r)ampf um einen Nachteilsausgleich

In den Links (beispielsweise hier), auf die die Seiten der FUH verweisen, ist mehrfach explizit von Autismus und Asperger-Betroffenen als berechtigter behinderter Personenkreis für einen Nachteilsausgleich die Rede. Ich hatte in den Informationen des Studentenwerkes erfahren:

„Deshalb gilt: Studierende sollten möglichst frühzeitig Kontakt zu den Behindertenbeauftragten bzw. Beratungsstellen für Studierende mit Behinderungen und chronischenKrankheiten der Hochschulen oder Studentenwerke aufnehmen. Hier gibt es nebenallgemeinen Informationen zum Thema Nachteilsausgleich bei Bedarf Beratung zu Art und Umfang der individuell notwendigen Prüfungs- und Studiengangmodifikationen und zum Beantragungsverfahren“ (S. 97).“

Ich hatte mich zeitnah nach Kenntnis meiner Beeinträchtigung -da ich meine Diagnose erst dieses Jahr erhalten habe also erst mitten im Studium – an die Hochschulbeauftragte für Behinderte und chronisch kranke Studierende der FUH gewandt. Ich bat dort um eine solche Beratung, die meine Schwierigkeiten, mich in eigener Sache zu vertreten, berücksichtigt. Ich bat um Hilfe bei der Frage, an wen ich mich wenden sollte und um Information, was konkret und bitte in für mich nachvollziehbaren Einzelschritten ich tun sollte. Sie schickte mir als Unterstützungsmaßnahme den Leitfaden der FUH zum Nachteilsausgleich und verwies mich an meine Ärztin wegen der Möglichkeit einer Studienassistenz weiter.

Ich hatte dann einen formal korrekten Antrag auf Nachteilsausgleich gestellt. Und gestern habe ich schriftlich den Ablehnungsbescheid des Prüfungsamtes erhalten. Die Sachbearbeiterin teilte mir vorab per E-Mail mit, was die Leiterin des Prüfungsamtes entschieden hat. Eine Professorin der FUH, die sich dank einer Kommilitonin ebenfalls der Sache annahm, riet mir zuvor, dass ich mich für die Prüfungen anmelden solle, sie würde nochmal mit der Leiterin des Prüfungsamtes wegen der Ablehnung reden. Ich habe mich also rechtzeitig vor Fristende für die Module M6 und M7 zur Prüfung angemeldet. Das Reden hat aber wohl auch nichts genutzt. Jetzt habe ich also eine offizielle Ablehnung meines Antrages auf Nachteilsausgleich (mit demselben Text, wie der aus der E-Mail von der Sachbearbeiterin) mit folgendem Wortlaut als Weihnachtsgeschenk erhalten:

„nach eingehender Prüfung Ihres Antrags zum Nachteilsausgleich vom 13.12.2016 für die Module 6, 7 und die Masterarbeit mit beiliegendem Attest muss ich Ihnen mitteilen: Die fehlende oder reduzierte Filterung von Reizen sowie die Priorisierungsmängel liegen – wie auch aus dem Attest hervorgeht – in einer persönlichkeitsbedingten Eigenschaft (Asperger-Syndrom) begründet. Eine Veränderung der Prüfungsanforderungen würde bei einer solchen generellen Einschränkung der Leistungsfähigkeit den Aussagewert des Ergebnisses der Leistungskontrolle verfälschen, so dass die  Antragstellung eine Ablehnung des Antrags in der gestellten Form ergeben hat. Hausarbeiten und die Abschlussarbeit können grundsätzlich im eigenen häuslichen Umfeld bei relativ flexibler Zeiteinteilung bearbeitet werden. Sich – wie von Frau XYZ angeregt – bei der zuständigen Stelle über die Möglichkeit einer Studienassistenz zu informieren, halte ich für sinnvoll.“

Neben der Hochschulbeauftragten für Behinderte und chronisch kranke Studierende meint also auch das Prüfungsamt, dass die Lösung in einer Studienassistenz läge. Die nette Frau vom Netzwerk Autismus meinte allerdings auf meine Nachfrage, was einen Studienassistenz eigentlich wäre und inwiefern mir das nutzen könne, das käme für mich nicht in Frage. Meine Ärztin hat mich in dieser Frage an die FUH zurückverwiesen, weil ihrer Aussage nach die die zuständige Stelle sind. Ich bin ratlos. Ich werde also von A nach B geschickt und B schickt mich zurück zu A. Wer ist denn eigentlich tatsächlich die zuständige Stelle für die Beantragung einer Studienassistenz? Wieso sagt mir das keiner an der FUH, nicht mal die Hochschulbeauftragte für Behinderte und chronisch kranke Studierende weiß es? Wie und vor allem wo kann ich das überhaupt herausfinden? An wen kann ich mich jetzt eigentlich noch wenden?

Meine Ärztin, die das fachärztliche Attest schrieb, reagierte auf die Ablehnungsbegründung mit Unverständnis. Sie hat schon häufiger Atteste mit demselben Inhalt geschrieben und bisher gab es an anderen Universitäten keine Probleme, Nachteilsausgleiche konnten gewährt werden. Meine Ärztin hat mir also ihr Befremden wegen der Ablehnungsbegründung ausgedrückt, kann aber ansonsten nichts tun. Und ich frage mich (und natürlich auch gerne die FUH, falls sich doch noch jemand für zuständig erklären sollte) zum wiederholten Mal: Wer kann mir dabei helfen, Widerspruch einzulegen? Welche Begründung könnte ich anführen?

Im Moment sieht es eher nach einer Auseinandersetzung um die Anerkennung von Autismus als Behinderung bei der FernUniversität Hagen (FUH) aus. Im Prüfungsamt scheint noch nicht angekommen zu sein, dass Autismus eine Behinderung ist, deren Auswirkungen einen Nachteilsausgleich rechtfertigen würden. Warum begründet das Prüfungsamt der FUH die Ablehnung damit, in meinem Autismus eine persönlichkeitsbedingte Eigenschaft zu sehen? Irrtümlich könnte man bei der Formulierung davon ausgehen, dass Autismus als eine Persönlichkeitsstörung gesehen wird. So wie ich es verstehe, fokussiert die Begründung aber darauf, dass ich ein persönlichkeitsbedingtes Grundleiden habe, das mein Leistungsvermögen nicht behindert. Meine Leistung ist wegen meines Asperger-Syndroms immer schon so wie jetzt gewesen und ein Nachteilsausgleich würde mir ungerechtfertigte Vorteile bringen.

In einer ein Jahr alten Diskussion des Forums für Rehabilitation und Teilhaberecht der DVfR (Deutsche Vereinigung für Rehabilitation) kommt man in einem ähnlichen Fall zu dem Ergebnis, dass ein Nachteilsausgleich zugestanden hätte werden müssen. Auf meinen Fall übertragen heißt das für mich: Meine persönlichkeitsbedingte Eigenschaft (Asperger-Syndrom) ist eine anerkannten Behinderung. Die Einschätzung des Prüfungsamtes berücksichtigt nicht, dass diese Behinderung ein Recht auf Ausgleich genau der Nachteile bedingt, die durch sie entstehen. Außerdem kommt es seitens des Prüfungsamtes zusätzlich zu einer Vermischung zwischen intellektueller und psychischer Behinderung, weil mit dem Hinweis auf eine Studienassistenz meine Studierfähigkeit an sich angezweifelt wird. Aber nicht meine grundsätzliche Leistungsfähigkeit ist autismusbedingt beeinträchtigt, sondern ich benötige nur mehr Zeit, um dieselbe Leistung, wie ein Studierender ohne Behinderung erbringen zu können. Eine angemessene Zeitverlängerung als Ausgleich für die durch meine Behinderung bedingten Nachteile wäre also ganz im Sinne des Verbotes der Benachteiligung Behinderter. Diese Ablehnung kann auch nicht mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz im Prüfungsrecht begründet werden. Im Sinne einer gleichberechtigten Bildungsteilhabe sollte eine Gewährung des von mir beantragten Nachteilsausgleiches als Herstellung von gleichwertigen Prüfungsbedingungen verstanden werden, nicht als Gewährung irgendwelcher Vorteile oder als Verringerung der fachlichen-inhaltlichen Anforderungen des Studiums. Das Grundproblem liegt demnach in einer fragwürdigen Sicht auf Behinderung und einer Diskriminierung psychischer Behinderungen gegenüber körperlicher Behinderungen.

Ich muss mich bis spätestens Januar entscheiden, ob ich es überhaupt schaffe, im Moment irgendeine Prüfung an der FUH abzulegen. Ich fühle mich allein gelassen von den Verantwortlichen an der FUH. Wobei ich ja noch nichtmal von irgendwem eine zielführende Information erhalten habe, wer für was verantwortlich ist. Inklusion sieht in meiner Logik anders aus, Barrierefreiheit ebenfalls, aber ich kenne mich mit meinen Rechten und Pflichten als Behinderte nicht richtig aus, mir fehlt juristisches Fachwissen. Ich weiß gar nicht, wo ich alle für mich relevanten Informationen dazu finden kann, geschweige denn, welche Information relevant ist und bin im Moment damit überfordert. Zur Zeit kann ich meine grundlegenden Schwierigkeiten nicht mehr so gut kompensieren, wie das lange Zeit retrospektiv gesehen nach außen hin relativ gut funktioniert hat.

Eine der Folgen, die mein Autismus hat, ist, dass ich mich bei Überlastung sozial zurückziehe und ein Kernsymptom sind Schwierigkeiten in der Kommunikation. Das behindert allerdings meine Chancen, mich um meine Belange kümmern zu können. In meinen Augen ist die ganze Situation wieder mal reichlich absurd. Ich soll Dinge erledigen, die ich wegen meines Autismus gar nicht ohne Unterstützung erledigen kann und werde durch Stellen, die mich unterstützen sollten auch noch dabei behindert. Ich stehe vor einer für mich nicht mehr bewältigbaren Menge an zum Teil zeitlich befristeten Aufgaben und habe wegen meiner Behinderung Schwierigkeiten mit dem Zeitmanagement und der Priorisierung. Das Bemühen um Lösungen, Unterstützung und Hilfe kosten mich Kraft und Fähigkeiten, die ich jedoch gerade wegen meines Asperger-Syndroms und dessen Auswirkungen nicht habe.

Die Ärztin von der Diagnosestelle und die nette Frau vom Netzwerk Autismus haben mir zu weniger Belastung geraten. Ich hatte wegen meiner Fragen zur Studienassistenz und zum Nachteilsausgleich diese Woche einen Termin bei meiner? Ärztin und sprach sie darauf an, dass ich meines Wissens doch gar nicht in Behandlung bei ihr gewesen war, sondern es bei den bisherigen Terminen nur um die Diagnostik gegangen wäre. Sie erklärte mir, weshalb dem nicht so ist, demnach war und bin ich „in Behandlung“. Aus abrechnungstechnischer Sicht ist das logisch und seit dem letzten Termin gehe ich auch damit konform. Warum sie mir dringend zu einer Reduzierung meiner Belastung geraten hat, liegt daran, dass ich psychosomatische Überlastungsreaktionen zeige, die scheinbar typisch für Menschen wie mich bei zu hoher Belastung sind? Ich denke, sowohl die nette Frau im Netzwerk Autismus als auch meine Ärztin kennen mehr Autisten als ich und ich sollte ihnen besser Glauben schenken, mal abgesehen davon, dass es mich selbst erschreckt, in welchem Umfang ich inzwischen gesundheitliche Probleme habe.

Aber ich habe keine Ahnung, wie ich meine Belastung reduzieren soll. Es geht eigentlich nur in Dingen, die weder ein Fristende haben noch rechtlichen Folgen, fristgerechte Widersprüche und Antragstellungen gehören demnach nicht dazu. Ich sehe im Moment – aspergertypisches? Schwarz-Weiß-Denken – nur die Möglichkeit, aufzugeben und keinen Widerspruch einzulegen, um meine Belastungen zu reduzieren.

Die Diagnose hat mich als Mensch nicht verändert, meine Schwierigkeiten sind mein ganzes Leben lang dieselben gewesen. Und sie werden es auch bleiben. Das Wissen um die Ursache der Schwierigkeiten verändert natürlich die Schwierigkeiten an sich ebenfalls nicht. Ich habe definitiv Nachteile wegen meines Asperger-Syndroms, aber nirgendwo steht geschrieben, dass das Leben fair ist. Diese Nachteile bin ich zwar gewohnt, es macht die Schwierigkeiten aber ebenfalls nicht leichter erträglich. Ich habe bisher mein Leben ohne irgendeinen Ausgleich meiner autismusbedingten Nachteile gelebt, ich habe es alleine geschafft und ich werde es auch weiterhin alleine schaffen. Ich weiß nicht, ob es sich mit Nachteilsausgleich leichter hätte leben lassen. Wahrscheinlich aber hätte es sich für meine Gesundheit zuträglicher leben lassen. Die Folgen habe in erster Linie ich zu tragen und ich bin und bleibe behindert – aber letzten Endes werde ich derzeit zusätzlich auch noch von außen behindert, was nicht sein müsste. Meiner autistischen? Sicht nach empfinde ich die Auslegung der Regelungen zum Nachteilsausgleich als absurd und die Argumentation des Prüfungsamtes als unlogisch. Inklusion an der FUH klingt im Jahr 2016 leider nur auf dem Papier gut – in der Realität gibt es gravierende Umsetzungsprobleme. Diese Aussage hat anekdotische Evidenz und spiegelt meine Erfahrung wider.