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"Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein." (Albert Einstein)

Verschwiegene Tatsachen

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Morgen endet die Maßnahme Unterstützte Beschäftigung. Der Kostenträger hat im Rahmen des Anhörungsverfahrens nach meiner Stellungnahme eine erneute Stellungnahme vom IFD angefordert. In meinem letzten Beitrag zum Thema lag ich falsch, der IFD hat sich dann doch etwas mehr Mühe gegeben als nur ein paar Sätze marginal zu verändern. Laut der mir inzwischen vorliegenden Dokumentation meiner ehemaligen Qualifizierungstrainerin (QT) – sie arbeitet inzwischen nicht mehr bei diesem IFD – hatte diese mir bewusst nicht die richtige zweite Stellungnahme zugesendet.

In dieser hat sich die Bereichsleitung des IFD auf den letzten Metern noch einmal so richtig an mir abgearbeitet. Wohl um mich doch noch irgendwie loszuwerden, meine ich. Wie ich nach wie vor vermute, aus gekränkter Eitelkeit oder Neid, denn ein längerer Absatz in dieser Stellungnahme beschäftigt sich ausgiebig mit den beruflichen Qualifikationen, die insbesondere sie selbst hat. Die aber nicht an mein Studium der Erziehungswissenschaft heranreichen.

Eine befreundete, ebenfalls bloggende Autistin fasst das, was in dieser Stellungnahme getan wurde, sehr schön zusammen: „Man kann Klienten bewusst schlecht aussehen lassen, wenn man signifikante Tatsachen verschweigt“.

Ich hätte etliche QT, alle selbstverständlich sehr gut geeignet und erfahren im Umgang mit Autisten, verschlissen und es stelle sich die Frage, ob die Ursache tatsächlich in den Personen der QT zu suchen seien. Nicht sonderlich subtil. Leider fehlt signifikanter Kontext. Weil ich – wie auch in ihrer Stellungnahme an die DRV explizit von der Verfasserin bestätigt wird – ein sehr gutes Gedächtnis habe und mich an jedes Wort erinnern kann und deshalb mein Umfeld auch regelmäßig auf fehlerhafte Äußerungen hinweise, reiche ich den gerne noch nach.

Die Unmengen an kompetenten QTn, die mir zur Seite gestellt wurden, waren zwei. Plus sie selbst als Krankheitsvertretung und, nachdem sie es innerhalb kürzester Zeit geschafft hatte, die Vertretung „vollkommen an die Wand“ zu fahren, woraufhin sie offenbar intern beschloss, dass eine weitere Krankheitsvertretung versuchen sollte „das Kind aus dem Brunnen zu holen“ (Quellenangabe für die beiden wörtlichen Zitate: ebendiese Vertretung zu mir am 02.04.2020), noch eine QT. Eine nicht unerhebliche signifikante Tatsache ist, dass ausgerechnet diese von der Bereichsleitung installierte QT zwar die kompetenteste war, jedoch laut ihrer eigene Aussage mir gegenüber gar nicht in dem Bereich Unterstützte Beschäftigung arbeitete und sagte, dass sie mich nicht wirklich unterstützen könne, schon weil sie keine Entscheidungen treffen dürfe. Keine Ahnung, wie das gegenüber dem Kostenträger argumentativ vertreten worden wäre. In der Stellungnahme wurde diese Tatsache jedenfalls nicht erwähnt.

Beim Punkt unzureichende Flexibilität, die daran festgemacht wird, dass ich nicht außerhalb der vereinbarten Maßnahmezeiten für den IFD jederzeit erreichbar gewesen bin, weil ich E-Mails an mich nur innerhalb dieser Zeiten las, reiche ich für die im Arbeitsrecht offenbar Nachhilfebedarf habende Bereichsleitung gerne Folgendes nach: Die Frage der Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit hängt zum einen von der Berufsgruppe ab und zum anderen von der Position im Unternehmen. Als Teilnehmerin der Maßnahme Unterstützte Beschäftigung bin ich weder bei der Feuerwehr noch habe ich Bereitschaftsdienst noch bin ich eine Angestellte mit hoher Verantwortung und entsprechend hoher Vergütung. Ich muss also weder in meiner Freizeit noch im Urlaub erreichbar sein. Wenn es dem IFD nicht möglich war, mir zeitkritische Nachrichten während der vereinbarten Maßnahmezeiten zukommen zu lassen, dann hat meiner Ansicht nach eher der IFD ein organisatorisches Problem als ich das Problem unzureichende Flexibilität.

Dazu kommt die ja nun wirklich offensichtliche Unlogik der Argumentation. In ihrem Erstlingswerk werfen sie mir noch vor, meine Belastungsgrenzen nicht zu kennen. Ja was denn nu? Nicht rund um die Uhr erreichbar zu sein bzw. seine E-Mails zu lesen ist meiner Ansicht nach eine sinnvolle Möglichkeit, sich nicht zu überlasten, also ein gelungener Akt der Selbstfürsorge. Aber geschenkt – Logik ist schließlich eine autistische Stärke, es wäre vermessen von mir, diese Fähigkeit bei einer nichtautistischen Fachkraft vorauszusetzen. Insbesondere, da es mir ja laut dieser gesundheitsbedingt nicht möglich ist, auch in einem geschützten und begleiteten Rahmen so zu agieren, dass meine Talente gleichzeitig verwertbar und jedoch auch tragbar für den Arbeitgeber sind. Hach ja. Ich armes behindertes Hascherl.

Noch kurz zum Punkt Telefonate: Ich kann telefonieren und ich telefoniere auch – wenn es keine andere Möglichkeit gibt. Dem Kostenträger gegenüber zu behaupten, ich würde hier falsche Angaben machen und als Beweis dafür ein Telefonat anzugeben, bei dem der IFD wegen des (wieder einmal – meine zweite QT war häufiger krankgeschrieben als ich) krankheitsbedingten Ausfalles meiner QT einen vereinbarten Termin 10 Minuten nach Beginn des Termins telefonisch absagte, verschweigt dann doch, wie ich meine, diese für das Verständnis sehr signifikante Tatsachen. Mal ganz abgesehen davon, dass in dieser gesamten erneuten Stellungnahme frappierend die Tatsache fehlt, dass in irgendeiner Weise Bezug auf mich als Autistin genommen wurde.

Naja, sie ist offensichtlich wirklich sehr kompetent und erfahren in der Betreuung von Autisten – der Blogbeitrag kann Spuren von Ironie enthalten. Aber sei es drum. Ändern kann ich es nicht, dass sie sich so verhält. Also lache ich darüber.

Bildquelle: geralt (12. Juni 2017) URL https://pixabay.com/de/illustrations/frage-wirklich-fragezeichen-zweifel-2392158/

Autor: SWB

Erziehungswissenschaftlerin / Steuerfachangestellte mit Montessoridiplom, ich studiere an der FernUni Hagen den Masterstudiengang Bildung und Medien eEducation. Ich bin eine viellesende Autistin und Aspie-Muttertier. Ich äußere mich zwar am liebsten schriftlich, halte aber trotzdem und gerne Vorträge über das Thema Autismus.

3 Kommentare zu “Verschwiegene Tatsachen

  1. Ich hoffe mal, dass das jetzt nicht noch ein Beitrag ist, den ich gewissen Leuten zum unbedingten Lesen weitergeben muss. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ein Autist, der zum Glück keine zusätzlichen Erkrankungen und Beeinträchtigungen hat, hier im Hilfe-System ein unbekanntes Wesen ist. Ich bin noch keine 30 und schon mit dem Hilfesystem durch. Meine Hoffnung ist jetzt, dass die Einschränkungen langsam mal ein Ende finden – und ich jenseits des Hilfe-Systems Unterstützung.

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    • Meine Hoffnung, im Hilfesystem Unterstützung zu finden, ist nach der Erfahrung, von einem Integrationsfachdienst exkludiert zu werden, gen Null gesunken. Ich kann aus persönlicher Erfahrung diesen IFD definitiv nicht empfehlen. Ich habe den zunehmenden Eindruck, dass nichtautistische Fachkräfte, die sich wirklich mit Autismus auskennen UND gewillt sind, auf Augenhöhe mit ihren Klienten umzugehen, ein äußerst rares Gut sind. Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass Deine Hoffnungen erfüllt werden.

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      • Ich fürchte, dass du da leider recht hast. Auch nur der ernstzunehmende Ansatz eines Versuchs, auf meine Bedürfnisse zugeschnitten helfen zu wollen, auch nur das ehrliche Bemühen, eine wirklich passende Lösung zu finden, hat leider Seltenheitswert. Ganz grundsätzlich.

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