SWB – MeiBlog

"Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein." (Albert Einstein)


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TKSI – unbedingt empfehlenswert, zumindest für mich

Ende nächster Woche ist mein Aufenthalt in der TKSI zu Ende. Inzwischen funktioniere ich im Rahmen der Tagklinikstrukturen wieder ganz gut. Ob das ein stabiler Zustand sein wird, kann nur der Alltag und die Zukunft zeigen. Da ich die Diagnose rezidivierende Depression mitnehme, ist davon auszugehen, dass mich irgendwann im Leben wieder eine schwerere Depression einholen kann. Muss ich halt schneller sein – wenn es denn so einfach wäre. Aber ich habe in der Klinik das Wissen erlernt, um mitzubekommen, wenn Gefahr im Verzug ist und ich auf mich aufpassen sollte. Dazu habe ich jetzt ein Instrumentarium, das mir hilft, meine Grenzen zu akzeptieren; mit meiner Energie achtsam umzugehen; mir genügend Zeit und Raum zur Erholung zu lassen; die Haltung: „Zuerst die Arbeit und dann (vielleicht, wenn Zeit ist) das Vergnügen“ aufzugeben; meinen Perfektionismus mit Abstand zu betrachten und zu versuchen, auch manchmal Unperfektes zuzulassen; mich für Leistungen zu belohnen – geübt habe ich das alles bereits. Jetzt muss ich das Ganze noch in meinen zukünftigen Alltag integrieren.

Dem für mich wichtigsten Ziel, der Entwicklung einer längerfristigen beruflichen Perspektive, bin ich sehr viel nähergekommen. Dank der tatkräftigen Unterstützung des Sozialdienstes der TKSI habe ich die Aussicht darauf, in absehbarer Zukunft wieder eine Arbeitsstelle auf dem ersten Arbeitsmarkt zu haben. Genauer gesagt sieht es sogar so aus, als könne ich zwischen mindestens zwei Möglichkeiten wählen. Ich bin noch am Abwägen, welcher Möglichkeit ich den Vorzug geben sollte und ob nicht sogar beide Möglichkeiten miteinander zu vereinbaren wären. Die eine Möglichkeit ist eine Anstellung bei auticon als IT-Consultant im Software-Testing Bereich. Die andere eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der LMU. Eine dritte Möglichkeit kann sich eventuell noch in Regensburg ergeben, wobei ich meine Kenntnisse aus dem Masterstudium einsetzen könnte. Was mich besonders bei allen drei Möglichkeiten begeistert ist, dass ich definitiv nichts mehr mit Verwaltung, Buchhaltung und allgemeinen Bürotätigkeiten zu tun hätte, von vornherein klar wäre, dass ich Autistin bin und die Rahmenbedingungen wesentlich passgenauer meine bisherigen autismusbedingten Schwierigkeiten am Arbeitsplatz abfedern könnten. Bei allen drei Möglichkeiten könnte ich Stärken einsetzen, die ich bisher nie umsetzen habe können. Ich scheine nämlich der geborene Fehlerfinder zu sein, Fehler im System oder in Programmen oder in Texten fallen mir schon seit jeher auf. Ich finde es lustig, dass man tatsächlich damit seinen Lebensunterhalt verdienen kann, auf alles zu klicken und dann rückzumelden, dass etwas nicht funktioniert oder falsch ist. Das mache ich sowieso ständig, hatte mir damit aber bisher eher keine Freunde gemacht. Die Überprüfung großer Datenmengen macht mir Spaß. Außerdem bin ich wirklich gut darin, passgenaue Literatur zu einem autodidaktisch zu erarbeitenden Thema zu finden, wissenschaftliche Texte zu redigieren bzw. zu schreiben und Vorträge zu gestalten – nur halten muss sie jemand anderes.

Was meine absoluten Stärken sind, wusste ich bereits als Jugendliche und damals wusste ich auch, welcher Beruf passend für mich wäre. Ich wollte Lektorin werden und irgendwann vielleicht einmal selbst Schriftstellerin. Jemand sein, der sehr viel lesen darf und damit am besten von zu Hause aus Geld verdient. Der im Hintergrund die Fehler findet, Geschriebenes besser macht, der mit Sprache umgeht, recherchiert, lebenslang eigenständig lernt. Leider scheiterte ich damals, weil ich nicht fähig war, ein Studium zu schaffen. Und in der Folge verlor ich mein Ziel aus den Augen wegen der Notwendigkeit, Geld zu verdienen. Also wurde ich mangels anderer Möglichkeiten Steuerfachangestellte. Verbrachte Jahre in diversen Büros, stets krank werdend.

Es ist schade, dass ich erst ein halbes Jahrhundert alt werden musste, um meine eigentlichen Begabungen einsetzen zu dürfen. Und erst durch die Autismus-Diagnose erkannt habe, was falsch lief und weshalb ich immer und immer wieder im Arbeitsleben scheiterte. Aber wenigstens habe ich jetzt endlich die Chance, doch noch erfolgreich zu sein. Und mir ist sehr bewusst, welchen maßgeblichen Anteil die Unterstützung in der TKSI daran hat. Für mich war mein Aufenthalt in der TKSI eine der besten Ideen, die ich in letzter Zeit hatte. Klar war nicht alles, was ich dort erlebt habe, durchgängig toll. Es gab anfangs ein gewisses organisatorisches Eröffnungs-Chaos, es gab immer wieder Termine, die kurzfristig ausfielen, weil beispielsweise Mitarbeiter erkrankten und keine Vertretung gefunden wurde. Aber was durchgängig zu spüren war: Ich wurde als Person mit all meinen individuellen Schwierigkeiten stets wertgeschätzt und es wurde mit allen verfügbaren Ressourcen versucht, mir sofort und möglichst umfassend zu helfen. Deshalb geht mein tiefempfundener Dank an die Menschen, die mich die vergangenen Wochen dort unterstützt haben und auch in Zukunft noch unterstützen wollen.


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TKSI zum Zweiten

Morgen ist der letzte Tag der ersten Woche meines zweiten sechswöchigen Durchlaufes in der TKSI. Mir wurde seitens der Klinik angeboten, meinen Aufenthalt nochmals um sechs Wochen zu verlängern. Dieses Angebot nahm ich gerne an. Ich hätte sowieso nicht gewusst, was ich nach den sechs Wochen machen soll. Die Struktur in der Klinik tut mir gut. Eine Wiederholung von Inhalten stört mich keineswegs. Das Einzige, was es richtig schwierig macht, sind die neuen Mitpatienten.

Hier bediene ich das Autistenklischee: Ich komme mit Veränderungen nicht wirklich gut klar. Aber auch das gilt nur eingeschränkt, denn trotz meiner Aussage in einem vorherigen Blogbeitrag habe ich meine Essensroutine angepasst. Nachdem ein Mitpatient vorvorletzte Woche fragte, ob ich mit Mittagessen gehen würde, versuchte ich es nochmals mit einem Kantinenbesuch, weil das Wetter so schön war, dass ich draußen essen konnte. Ich trabte hinter ihm her in eine Ecke, die mir vorher gar nicht aufgefallen war. Und siehe da: Es gab eine Salatbar zum Selbermischen nebst laktosefreiem Dressing.  Das Mitschleppen meines laktosefreien Joghurtmüslis erübrigte sich ab diesem Moment.  Seither gehe ich mit meiner großen Salatschüssel auf den Balkon der TKSI und genieße in Ruhe und alleine ein gesundes Mittagessen.

Aus einem weiteren Grund ist ein verlängerter Aufenthalt gut. Vollständig arbeitsfähig fühle ich mich derzeit nämlich definitiv noch nicht. Gestern war ich an meinem Arbeitsplatz, um Schlüssel zurückzugeben und meine Sachen abzuholen, da mein Arbeitsvertrag Anfang Juni endet. Ich habe es glaube ich geschafft, diese halbe Stunde normal zu wirken, aber es war anstrengend und ich hätte nicht mehr lang durchgehalten. Dadurch, dass mir mittlerweile die Bedeutung und der Nutzen von Smalltalk bewusst ist und ich in den letzten Wochen genügend Zeit zum Üben hatte, fiel mir auch das relativ leicht. Immerhin hat meine zukünftige Exchefin mir gegenüber geäußert, dass sie sich freut, dass es mir wieder so gutgeht. Die Außenwirkung war demnach in Ordnung, meine Fassade hatte wohl keine sichtbaren Risse. Hoffe ich, denn wissen kann ich es nicht. Ich bin darauf angewiesen zu glauben, was sie mir sagt. Ein Kollege, der ebenfalls anwesend war gab mir den Rat mit auf den Weg, mir für die Zukunft eine Arbeitsstelle zu suchen, bei der ich nicht so oft in Kontakt zu anderen Menschen komme. Er meinte, dass die Bereiche, in denen ich gut gewesen sei leider nur einen sehr kleinen Teil der Stelle ausgemacht hätten. Mir ist klar, dass er recht hat, trotzdem hörte sich das nicht schön an. Jetzt weiß ich nicht, ob die Traurigkeit wegen dieser Aussage der Depression geschuldet ist. Im Grunde ist es egal, die Rahmenbedingungen der Arbeitsstelle haben nicht gepasst, weswegen ich krank geworden bin, also muss die nächste Stelle eine sein, bei der die Rahmenbedingunen besser passen.

Autismus, Depression und alles, was damit einhergeht, wie Schlafstörungen, Reizempfindlichkeit und die psychosomatischen Reaktionen hängen miteinander zusammen. Wobei sie sich gegenseitig beeinflussen. Meine Überlegung ist: Wenn in mein Leben wieder Ruhe eingekehrt ist, ich eine Arbeitsstelle gefunden habe, genügend Zeit zum Eingewöhnen vergangen sein wird und die Unsicherheit der Probezeit oder eines befristeten Vertrages vorbei sein wird, dann wird es mir psychisch und in der Folge auch somatisch bessergehen. Die zusätzlich geschenkte Zeit in der TKSI kann ich dafür nutzen, die berufliche und die gesundheitliche Situation zu klären.

Mir wurde empfohlen, mit Hilfe eines Neuroleptikums meine Reizbarkeit und Reizsensitivität zu dämpfen. Danach hätte dann die Depression ebenfalls nochmals medikamentös behandelt werden können. Nach knapp zwei Wochen Medikamenteneinnahme hatte ich wie bei meinem ersten Versuch mit Antidepressiva etliche unschöne Nebenwirkungen. Ich war mir nicht sicher, auch eine dämpfende Wirkung zu verspüren. Wahrscheinlich wurde die jedoch von den Nebenwirkungen überdeckt. Ich empfand es als überaus positiv, dass meine Ärztin meine Bedenken und Überlegungen zu der Medikamenteneinnahme ernst nahm und auf meine Einwände und Befürchtungen einging. Sie betonte auch, dass die Entscheidung, Medikamente einzunehmen immer bei mir läge. Sie würde mich nach Kräften unterstützen. Wir kamen überein, dass ich außer Schmerzmitteln (wegen einer Schulterverletzung habe ich Schmerzen) nichts mehr nehmen werde. Denn meine Überlegung war: Ein Neuroleptikum kann ich maximal 3 Jahre lang einnehmen, währenddessen passt sich mein Gehirn über Rezeptorenvermehrung und Sensitivierung an, um den Ursprungszustand wiederherzustellen (so ganz stimmt das medizinisch scheinbar nicht, meine Ärztin sagte aber ganz offen, dass nicht klar ist, was genau im Gehirn abläuft und wie die Medikamente tatsächlich wirken). In dem Moment, wo ich die Medikamente dann absetzen muss, holt mich wegen des wiederum entstehenden chemischen Ungleichgewichtes im Gehirn die Depression vielleicht wieder ein und zusätzlich wäre ich eine Zeitlang noch reizoffener als anfangs. Eine ungute Kombination, die eventuell dann dazu führen könnte, dass ich meine Arbeitsstelle gefährde, die ich bis dahin gefunden zu haben hoffe. Weil der Nutzen durch die Medikamente für mich nur kurzfristig ersichtlich ist und ich nicht genau feststellen konnte, ob sie tatsächlich wirken, habe ich beschlossen, lieber keine zu nehmen.

Zum Glück habe ich bereits einen Psychotherapieplatz, so dass ich nach dem Klinikaufenthalt nahtlos eine Verhaltenstherapie machen kann, die mir dabei helfen wird, mit den alltäglichen Schwierigkeiten und den Problemen, die eine Depression mit sich bringt, umgehen zu können. Beides: Therapie und stabile Arbeitsstelle sollten meinem Leben so viel Struktur geben, dass die Depression abklingt, damit einhergehend die Reizoffenheit weniger wird und in der Folge Schlafstörungen und psychosomatische Stressreaktionen verschwinden.

Das klingt nach: Alles wird gut. Eine wichtige Voraussetzung ist allerdings, dass die körperlichen Probleme ebenfalls behandelt werden, denn die Schulterverletzung ist nicht von selbst ausgeheilt. Hier steht noch eine Abklärung bzw. eine erfolgreiche Behandlung an. Denn solange ich Dauerschmerzen habe, ist mein Stresslevel erhöht. Wobei die Schmerzen wiederum die Depression verstärken. Also ist ein wichtiger Schritt im Moment, die Schmerzen loszuwerden. Und eine neue Stelle oder eine finanzielle Lösung zu finden. Klingt nach einem guten kurz- bis mittelfristigen Plan, den ich die kommenden Wochen verfolgen werde. Und die neuen Mitpatienten werden in fünf Wochen gewohnte alte Mitpatienten für mich sein, genau wie beim ersten mal. Es besteht eine echte Chance auf: Alles wird gut.


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Neue Medien – Saugut Präsentieren, Entwicklung eines Vodcasts zum Thema Foliengestaltung

Ich interessiere mich schon sehr lange für Pädagogik, Psychologie und E-Learning. Deshalb studiere ich seit 2014 an der FernUniversität Hagen den Masterstudiengang Bildung und Medien: eEducation. Mein liebstes Hobby ist und bleibt studieren. Auch wenn ich jetzt ein Jahr lang überlastungsbedingt pausieren musste. Im Moment denke ich über ein neues Medienprojekt nach. Wie in etwa ein solches Projekt aussehen kann, ist am besten anhand eines Beispiels zu erklären. Ein E-Learning-Projekt, das ich im Rahmen meines Studiums bereits umgesetzt habe, ist folgender Vodcast zum Thema (PowerPoint)-Foliengestaltung mit Hilfe der Gestalttheorie:

Da die Evaluation abgeschlossen ist, kann man nicht mehr an der Umfrage teilnehmen, die am Ende erwähnt wird. Zu so einem Projekt gehört bei einem Studium natürlich auch eine ganze Menge Theorie. Das klingt jetzt für den ein oder anderen vielleicht langweilig. Mir aber macht es tatsächlich sehr viel Spaß, solche wissenschaftlichen Arbeiten zu schreiben oder Fragebögen zu konstruieren und die erhobenen Daten auszuwerten. Hier können Interessierte den theoretischen Hintergrund, die Entstehung des Fragebogens als Evaluationsinstrument und die Ergebnisse der Evaluation des Vodcasts nachlesen:

M3_Hausarbeit_SWB_oeffentlich

Am Liebsten würde ich meine ganze Zeit darauf verwenden, nur noch solche Projekte durchzuführen. Und wissenschaftliche Arbeiten in den Themengebieten, die mich interessieren zu schreiben. Oder für andere Präsentationen zu gestalten und Vorträge zu konzipieren – nur halten mag ich sie nicht selbst. Irgendwo in einem kleinen Büro sitzen, ohne Telefon und möglichst unauffindbar, so dass niemand aus Versehen bei mir anklopft. Und am besten damit dann auch noch mein Geld verdienen.


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Autismus und Nachteilsausgleich an der FernUniversität Hagen – ein Update

Ich habe mich größtenteils bemüht, den Erwartungen soweit es mir möglich war, zu entsprechen und mich anzupassen. Einfach nur ein normales, erfolgreiches Leben zu leben, wie alle andern um mich herum, die das anscheinend ohne größere Schwierigkeiten machten. Ich habe die Welt um mich herum beobachtet und mich gefragt, wo der Zauber ist, wieso die anderen sich augenscheinlich so leicht tun und wieso ich so wenig von diesem Zauber abbekommen habe. Ich habe mich so sehr bemüht, es genauso zu machen und mich wie die anderen zu verhalten.

Ich habe studiert. Aber ein Studium zu beenden, gelang mir nur dank der Unterstützung durch meinen Ehemann und erst im Alter von 50 Jahren. Er half mir, es zu strukturieren und Termine einzuhalten. Mein jetziges Masterstudium an der FernUniversität Hagen hatte ich gewählt, weil es ein reines Online Studium ist und ausschließlich schriftliche Abschlußarbeiten verlangt werden, so dass die Belastung durch Sozialkontakte minimiert ist. Aber trotzdem musste ich überlastungsbedingt ein Jahr lang die Bearbeitung meiner Module abbrechen. Ob es mir je gelingen wird, dieses Masterstudium abzuschließen, weiß ich nicht.

Eine Möglichkeit dazu hatte ich in einem Nachteilsausgleich gesehen, der mir aber nicht gewährt wurde. Auch ein Widerspruch half nicht. Begründet wurde die Ablehnung damit, dass ich keine körperliche Beeinträchtigung habe. Meine geistige Leistungsfähigkeit selbst ist beeinträchtigt, nicht nur die technische Umsetzung meiner geistigen Leistungsfähigkeit.

Mein Autismus ist laut Prüfungsamt eine persönlichkeitsbedingte Eigenschaft, eine Veränderung der Prüfungsanforderungen würde bei einer solchen generellen Einschränkung der Leistungsfähigkeit den Aussagewert des Ergebnisses der Leistungskontrolle verfälschen. So eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit sei nicht ausgleichbar und dürfe schon wegen der Chancengleichheit nicht ausgeglichen werden. Krankheitsbedingte Beeinträchtigungen der geistigen Leistungsfähigkeit können aus Gründen der Chancengleichheit keinen Anspruch auf Schreibzeitverlängerung begründen. Solche Einschränkungen sind Mitbestandteil des durch die Prüfung zu belegenden Leistungsbildes. Wenn sich eine persönlichkeitsbedingte, generelle Einschränkung der psychischen Leistungsfähigkeit im Prüfungsergebnis negativ niederschlägt, wird dadurch der Aussagewert der Prüfung nicht verfälscht. Meine Reizfilterschwäche und meine Priorisierungsschwierigkeiten gehören ebenso zu dieser persönlichkeitsbedingten psychischen Einschränkung meiner Leistungsfähigkeit.

Das Prüfungsamt verweist darauf, dass ich diese Einschränkungen meiner Leistungsfähigkeit bereits seit der frühen Kindheit habe und trotzdem die Modulprüfungen bisher mit sehr beachtlichem Erfolg absolviert habe. Im Folgenden wird ein Nachteilsausgleich auch wegen meiner bisherigen sehr guten Noten abgelehnt, die im Einzelnen aufgelistet werden. Ich frage mich nun, ob ich dafür bestraft werden soll, so gute Noten zu haben – würde mir ein Nachteilsausgleich zustehen, wenn ich schlechte Noten hätte?

Das Prüfungsamt weist mich außerdem auf die Möglichkeit einer Verlängerung der Bearbeitungszeit auf der Grundlage einer Krankschreibung hin und einen Satz später dann darauf, dass dies eine Kulanzregelung ist. Ich verstehe das jetzt so, dass ich zwar keinen offiziellen Nachteilsausgleich in Form einer Zeitverlängerung bei bekomme, aber ich mich nur einfach krankschreiben lassen soll, um sie trotzdem inoffiziell zu erhalten. Mir würde es nicht in den Sinn kommen, mich krankschreiben zu lassen, wenn ich nicht krank bin, mal ganz abgesehen davon, dass ein Arzt das gar nicht machen darf – ich halte mich an Regeln und gehe davon aus, dass es andere auch tun. Ich frage mich, wo hier die Chancengleichheit bleibt, vielleicht kommen Nichtautisten von selbst auf diese Idee und nur ich als Autistin bin nicht darauf gekommen und muss durch das Prüfungsamt darauf hingewiesen werden?

Eine Umwandlung der mündlichen Verteidigung der Masterthesis ist laut Prüfungsamt deshalb nicht möglich, weil das Modulhandbuch explizit eine mündliche Prüfung verlangt und eine Modifizierung den Grundsatz der Chancengleichheit verletzen würde. Eine Begleitperson darf ich nicht mitbringen, weil eine mündliche Prüfung nicht öffentlich stattzufinden hat und es (schon wieder) den Grundsatz der Chancengleichheit verletzen würde, wenn ich eine Begleitperson mitbrächte, weil das zu ungleichen äußeren Prüfungsbedingungen führen würde. Auch zusätzliche Pausen werden mir in der mündlichen Prüfung nicht gewährt, weil zwischen der 15 bis 20-minütigen Präsentation der Masterarbeit und der anschließenden 10-minütigen Präsentation des E-Portfolios und den darauf folgenden Fragen der Prüfer (hier wird keine Zeitangabe gemacht – das kann also individuell unterschiedlich lange dauern) bereits kurze Pausen vorgesehen sind. Zusätzliche Pausen – insbesondere Pausen außerhalb des Prüfungsraumes würden – wen überrascht es noch? – die Sicherstellung der Chancengleichheit beeinträchtigen. Eine reizarme Prüfungssituation läge schon deshalb vor, weil ich die Modulabschlussarbeiten zu Hause schreiben kann. Die mündliche Prüfung kann auch als Videokonferenz durchgeführt werden, damit wäre sie dann auch unter reizarmen Bedingungen absolvierbar – immerhin. Ich soll mich zu gegebener Zeit an die jeweiligen Prüfer direkt wenden. Das Prüfungsamt schlägt mir für  Gruppenarbeiten und zur Anfertigung von schriftlichen Protokollen bei Videokonferenzen eine Studienassistenz vor, schreibt aber auch, dass ich ja gar keine Gruppenarbeiten mehr machen muss in den verbleibenden Modulen. Leider kann sich im Prüfungsamt offenbar keiner vorstellen, dass eine Studienassistenz bei einem Fernstudium und meinen autismusbedingten Schwierigkeiten keine Lösung meiner Probleme darstellt. Mal ganz abgesehen von der Finanzierung oder auch nur der Organisation einer Studienassistenz, die mich überfordern würde – aber dafür ist schließlich das Prüfungsamt nicht zuständig. Leider scheint die Behindertenbeauftrage ebenfalls (in meinem Fall) nicht dafür zuständig zu sein, denn sie empfahl mir in ihrer E-Mail zwar ebenfalls eine Studienassistenz, das war es aber dann auch an erfahrener Hilfestellung von dieser Seite, für die Realisierung ihres Vorschlages sei sie nicht zuständig.

Mir drängt sich insgesamt bei der Begründung des Widerspruchsbescheides die Karikatur der Chancengleichheit mit dem Prüfer auf, vor dem ein Flamingo, ein Pinguin, ein Affe, ein Elefant, ein Goldfisch im Glas und ein Hai stehen, die alle die Aufgabe bekommen, auf den nebenstehenden Baum zu klettern.

Zusammenfassend muss ich sagen: Ich empfehle keinem Autisten an der FernUniversität Hagen zu studieren, wenn er einen Nachteilsausgleich benötigt, um erfolgreich sein Studium zu absolvieren.


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Autistin + Depression = Job weg – wie soll es weitergehen?

Am 18. Februar war ich in München auf einer Veranstaltung, bei der Dr. Leonhard Schilbach seine Arbeit und das Konzept seiner neuen Ambulanz / Tagklinik vor drei Autismus-Selbsthilfegruppen aus der Region (Nürnberg, Regensburg, München) vorstellte. Angesichts meines bevorstehenden Jobverlustes und der schlechten beruflichen Perspektive sprach mich besonders die dort angebotene berufsorientierte Therapie an.

Wieder zu Hause, bat ich meinen Mann, mich sofort dort anzumelden, bzw. auf die wahrscheinlich bereits vorhandene Warteliste setzen zu lassen. Eine solche Tagklinik, die Therapie für erwachsene hochfunktionale Autisten anbietet, gab es meines Wissens bisher nicht. Es erstaunte mich, dass ausgerechnet in Bayern und dann noch für mich in erreichbarer Nähe so etwas angeboten werden würde. Ich stand zwar seit meiner Diagnose auf der Warteliste der Diagnosestelle für ein ambulantes soziales Kompetenztraining, hatte aber noch keine Nachricht erhalten, wann ich dort voraussichtlich mit einem Platz rechnen konnte. Das in der Tagklinik angebotene Programm klang so, als könnte es hilfreich für die Bewältigung meiner drängendsten Probleme sein.

Da ich arbeitsvertraglich und gesetzlich verpflichtet war, mich bei einem befristeten Vertrag rechtzeitig beim Arbeitsamt zu melden, vereinbarte ich einen Termin. Das war autistenfreundlich erfreulicherweise per E-Mail möglich. Ich durfte auch meinen Mann als Begleitperson mitbringen. Meine Sachbearbeiterin hatte sich wohl umfassend vorab über Autismus informiert. Es wurde erstaunlicherweise ein sehr hilfreiches Gespräch. Sie teilte mir mit, dass ich mich besser nicht arbeitslos melden solle, weil weder jetzt noch in Zukunft mit einem passenden Jobangebot für mich zu rechnen sei. Sie halte es nicht für zielführend, mich dem vorgeschriebenen Arbeitsamtprozedere auszusetzen. Sie schlug mir vor, eine Rehabilitationsmaßnahme über die Rentenversicherung zu beantragen und/oder eine Erwerbsminderungsrente. Ich war positiv überrascht, weil ich damit gerechnet hatte, mich wieder einmal erfolglos für meine Schwierigkeiten rechtfertigen zu müssen und auf kein Verständnis wegen meiner Einschränkungen zu stoßen. Statt dessen traf ich auf ein kompetentes, sehr gut informiertes und an meinem Wohl interessiertes Gegenüber – nochmals ein herzliches Danke an dieser Stelle. Zu Hause musste ich dann all die Informationen und Eindrücke erst einmal ein paar Tage lang sortieren. Ich stellte den Antrag auf Teilhabe am Arbeitsamt (berufliche Reha) bei der Rentenversicherung.

Aber eine Rente kann ich mir nicht vorstellen. Bei all meinen Qualifikationen und meiner akademischen Ausbildung muss es doch irgendwo einen Arbeitgeber geben, der meine fachlichen Fähigkeiten im Blick hat, statt sich auf die allseits geforderten Softskills und die „Team“passung – sprich der Fähigkeit, in der Kaffeeecke per Smalltalk zu netzwerken – zu fokussieren. Zugegeben, darin bin ich eher schlecht. Aber ich behaupte, dass ich keineswegs teamunfähig bin und auch nicht keine sozialen Kompetenzen habe. Ich kann und will arbeiten – allerdings kann ich mich nur innerhalb gewisser Grenzen im Büroalltag anpassen und ungünstige Rahmenbedingungen nicht längerfristig aushalten oder mich daran gewöhnen.

Ich bin einfach eine ganz normale, demnächst leider arbeitslose, mittlerweile auch deshalb depressive, hochfunktionale 52 jährige Autistin, die einen Platz in dieser für Autisten leider überwiegend unpassenden Arbeitswelt sucht.

Ich weiß nicht, wie es ab Juni beruflich für mich weitergehen soll. Im Moment bin ich noch krank geschrieben. Da das Krankengeld jedoch nicht so hoch ist wie mein bisheriges Arbeitsentgelt, fehlen jeden Monat ca. 30% meines bisherigen Einkommens in der Familienkasse. Das geht nicht lange gut. Die Unsicherheit, nicht zu wissen, was ich ab Juni tun werde und die Tatsache, dass meine Arbeitslosigkeit spätestens dann existenzbedrohend wird, wenn ich kein Krankengeld mehr erhalte und/oder nach einem Jahr Arbeitslosengeld überhaupt kein Geld mehr von irgendeiner Institution im sozialen Wohlfahrtsstaat, trägt ganz bestimmt nicht dazu bei, aus dem Depressionsloch zu kommen. Eine Perspektive muss her und das möglichst bald.


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Depression und Autismus

Das besonders Fiese an einer Depression ist, dass man nicht mehr so gut denken kann wie sonst. Zumindest ist das meine subjektives Empfinden. Daneben stören mich die schnelle Erschöpfbarkeit und der fehlende Antrieb. Immerhin haben die aber den Vorteil, dass man die mangelnde Denkfähigkeit nicht so mitbekommt, weil man nichts tut oder erledigt, und es einem vielleicht gar nicht auffällt.

Jetzt scheint es aber wohl bei mir so zu sein, dass ich mit einer mittel bis schweren Depression (sagt der Oberarzt) trotzdem Dinge erledigen kann, was nicht jedem Depressionskranken möglich ist. Ich habe es in den letzten zwei Wochen dann doch noch geschafft, mich aufzuraffen, eine Modulabschlussarbeit für mein Fernstudium zu schreiben. Und dabei konnte ich diese kognitiven Einschränkungen leider ziemlich gut beobachten. Gleichzeitig halfen mir die Fokussierung auf das Thema und das Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit  aus dem Depressionsloch herauszukommen. Arbeit hilft – es muss nicht nur körperliche Arbeit oder Sport sein. Allerdings war das Schreiben diesmal ein wirklich mühsames Unterfangen. Obwohl ich das Studium als mein Hobby bezeichnen würde und ich bisher sehr gerne studiert hatte. Ich hatte neben den großen Schwierigkeiten überhaupt anzufangen zu schreiben, ein riesen Problem mit logischem Denken. Als ich dann endlich Text verfasste, speicherte ich jeden Tag die neueste Version der Arbeit ab. So war es mir möglich, nachzuvollziehen wie gut oder besser gesagt schlecht meine Denkleistung war.

Und ich muss sagen: Es ist einfach nur frustrierend, sich beim „Nichtdenken-Können“ selbst zuzusehen. Es gab in den früheren Versionen keinen roter Faden, keine durchgängig schlüssige Argumentation und sehr sprunghafte Gedankengänge. Außerdem konnte ich kein stilsicheres Deutsch mehr, machte Grammatikfehler und mehr Rechtschreibfehler als sonst. Dadurch, dass ich im Lauf der zwei Wochen immer „wacher“ wurde, konnte ich das auch selbst bewerten. Zum Glück hatte ich Korrekturleserinnen, die mich auf all meine Fehler aufmerksam machten, so dass ich letzten Endes eine abgabereife Arbeit hatte.

Meine Folgerung: Eine Depression ist ein tückischer Zustand, in dem man sich am besten nicht mehr auf die eigene Denkleistung verlassen sollte. Wahrscheinlich wird das die schlechteste Note meiner Masterlaufbahn, aber egal. Hauptsache, ich habe es trotz Depression überhaupt geschafft, sie abzugeben, darüber bin ich sehr froh.

Ich klettere derweilen zwar langsam, aber stetig weiter aus meinem Loch. Und erledige ein Ding nach dem anderen – lieber schneckös als gar nicht.


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Depression – wenn nichts mehr geht

Das fasst das Ganze zusammen. Und trifft es nicht ganz. Denn etwas geht immer, immerhin stehe ich jeden Tag auf, um das Cappucino-Zeitung-Sudoku-Morgenritual zu zelebrieren. Und ich lese, exzessiv – wie früher, und wieder und wieder dieselben Bücher. Immerhin. Aber sonst geht eben nichts mehr.

Noch vor einem Jahr schaffte ich für mich jetzt unvorstellbare Höchstleistungen. Und heute geht nahezu gar nichts mehr. Schleichend zuerst, es wurde immer weniger, was ich noch erledigte an Haushaltspflichten. Immer öfter lag ich auf der Couch, gut ging es mir am Ende nur noch, wenn ich schlief. Leider wachte ich immer wieder auf.

Jetzt bin ich sogar seit mehreren Wochen krank geschrieben, gehe nicht in die Arbeit, das heißt, der Hauptbelastungsfaktor ist weg. Eigentlich müsste es jetzt doch besser geworden sein. Ich dachte, die Überlastung wegen der Rahmenbedingungen der Arbeitsstelle wäre der Grund für meinen Zustand. Nach meiner Logik sollte ich wieder funktionieren, wenn ich dieser andauernden Überlastung nicht mehr ausgesetzt bin. Es ist aber nicht so, ich kann aus irgendeinem Grund nicht wieder anfangen, zu funktionieren. Obwohl ich mir seit Wochen täglich vornehme, mich an den Schreibtisch zu setzen und etwas für mein Hobby, das Studium zu tun, tue ich nichts, Tag für Tag. Es wäre schön, nicht nur zu denken, ich müsste dringend saugen, sondern den Staubsauger tatsächlich zu holen und in Gang zu setzen. Aber es geht nicht. Ich weiß nicht warum. Ich verstehe es nicht. Es kann doch nicht sein, dass einfach so nichts mehr geht.

Ein Medikament dämpfte kurzfristig ein wenig den empfundenen Schmerz, meine arbeitsstellenbefreite Zeit nicht nutzen zu können, brachte aber zusätzlich so unangenehme Nebenwirkungen, dass ich wieder aufhören musste, es zu nehmen. Ich denke, ich habe dem Medikament eine faire Chance gegeben. Stellt sich die Frage, wie vielen anderen dieser Sorte Medikament ich eine Chance geben muss – und was sie mir neben einer Vielleichtwirkung an Wirkungen bringen werden.

Schön wäre, wenn mir jemand sagen könnte, dieser Zustand dauert durchschnittlich soundsoviele Wochen, dann wird es besser. Denn es wird nicht besser, ich habe eher den Eindruck, es wird schlechter. Wenn mein Mann nicht da ist, stehe ich nicht einmal mehr von der Couch auf. Wenn er da ist, wechsle ich abends wenigstens ins Bett. Und nur er schafft es noch, mich zu überzeugen, mich von dort ab und an doch noch wegzubewegen. Zu einer Veranstaltung zu gehen, zu der ich eigentlich gerne gehen wollte, als ich vor Monaten von ihr erfuhr. Dort angekommen, wusste ich seltsamerweise nicht, was ich dort sollte, wollte nicht dort sein, war jedoch zu erschöpft, um wieder zu fahren. Also blieb ich, und versuchte, mich zu motivieren. Aber es ging nicht. Mich interessiert nichts mehr so richtig.

Sogar Sachen, die mich früher sehr interessierten, motivieren mich nicht mehr. Ich schaffe es nicht, mich aufzuraffen, obwohl ich es mir fest vornehme. Der Gedanke: „Aber heute fange ich wirklich an“, kommt, verweilt bis kurz nach dem Aufstehen und verblasst spätestens nach dem Cappucino-Zeitung-Sudoku-Morgenritual. Ich schaffe es nicht, weiter als bis zur Couch zu gehen. Jeder Versuch, etwas zu beginnen, scheitert, bevor er richtig begonnen hat. Sofort meldet sich eine unglaubliche Erschöpfung – obwohl ich im Grunde Tag für Tag nur das Gleiche mache: Aufstehen, Cappucino-Zeitung-Sudoku-Morgenritual, auf der Couch liegen und lesen. Und das schlechte Gewissen immer leiser werdend murmelt: Wieder ein Tag, der vorübergeht, in einer mittlerweile sehr lang erscheinenden Aneinanderreihung an Tagen verschwindet.

Manchmal bäumt noch etwas in mir sich auf, aber sogar die Wut auf mein Unvermögen ist schwach geworden. Warum ist das so? Ich verstehe es einfach nicht. Bisher ging es doch auch. Ich habe früher so unglaublich Vieles geschafft, Tag für Tag. Ich hoffe so sehr, dass morgen endlich der Tag ist, an dem dieser Zustand ein Ende hat. Ich will mein altes Leistungsvermögen zurück. Ich empfinde meinen jetzigen Zustand als zutiefst unfair. Ich habe im Moment genügend andere, wichtige Dinge, um die ich mich kümmern müsste, die bearbeitet werden wollen. Eine Depression passt gerade jetzt gar nicht – aber, wann passt eine Depression schon?