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"Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein." (Albert Einstein)

Autistin + Depression = Job weg – wie soll es weitergehen?

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Am 18. Februar war ich in München auf einer Veranstaltung, bei der Dr. Leonhard Schilbach seine Arbeit und das Konzept seiner neuen Ambulanz / Tagklinik vor drei Autismus-Selbsthilfegruppen aus der Region (Nürnberg, Regensburg, München) vorstellte. Angesichts meines bevorstehenden Jobverlustes und der schlechten beruflichen Perspektive sprach mich besonders die dort angebotene berufsorientierte Therapie an.

Wieder zu Hause, bat ich meinen Mann, mich sofort dort anzumelden, bzw. auf die wahrscheinlich bereits vorhandene Warteliste setzen zu lassen. Eine solche Tagklinik, die Therapie für erwachsene hochfunktionale Autisten anbietet, gab es meines Wissens bisher nicht. Es erstaunte mich, dass ausgerechnet in Bayern und dann noch für mich in erreichbarer Nähe so etwas angeboten werden würde. Ich stand zwar seit meiner Diagnose auf der Warteliste der Diagnosestelle für ein ambulantes soziales Kompetenztraining, hatte aber noch keine Nachricht erhalten, wann ich dort voraussichtlich mit einem Platz rechnen konnte. Das in der Tagklinik angebotene Programm klang so, als könnte es hilfreich für die Bewältigung meiner drängendsten Probleme sein.

Da ich arbeitsvertraglich und gesetzlich verpflichtet war, mich bei einem befristeten Vertrag rechtzeitig beim Arbeitsamt zu melden, vereinbarte ich einen Termin. Das war autistenfreundlich erfreulicherweise per E-Mail möglich. Ich durfte auch meinen Mann als Begleitperson mitbringen. Meine Sachbearbeiterin hatte sich wohl umfassend vorab über Autismus informiert. Es wurde erstaunlicherweise ein sehr hilfreiches Gespräch. Sie teilte mir mit, dass ich mich besser nicht arbeitslos melden solle, weil weder jetzt noch in Zukunft mit einem passenden Jobangebot für mich zu rechnen sei. Sie halte es nicht für zielführend, mich dem vorgeschriebenen Arbeitsamtprozedere auszusetzen. Sie schlug mir vor, eine Rehabilitationsmaßnahme über die Rentenversicherung zu beantragen und/oder eine Erwerbsminderungsrente. Ich war positiv überrascht, weil ich damit gerechnet hatte, mich wieder einmal erfolglos für meine Schwierigkeiten rechtfertigen zu müssen und auf kein Verständnis wegen meiner Einschränkungen zu stoßen. Statt dessen traf ich auf ein kompetentes, sehr gut informiertes und an meinem Wohl interessiertes Gegenüber – nochmals ein herzliches Danke an dieser Stelle. Zu Hause musste ich dann all die Informationen und Eindrücke erst einmal ein paar Tage lang sortieren. Ich stellte den Antrag auf Teilhabe am Arbeitsamt (berufliche Reha) bei der Rentenversicherung.

Aber eine Rente kann ich mir nicht vorstellen. Bei all meinen Qualifikationen und meiner akademischen Ausbildung muss es doch irgendwo einen Arbeitgeber geben, der meine fachlichen Fähigkeiten im Blick hat, statt sich auf die allseits geforderten Softskills und die „Team“passung – sprich der Fähigkeit, in der Kaffeeecke per Smalltalk zu netzwerken – zu fokussieren. Zugegeben, darin bin ich eher schlecht. Aber ich behaupte, dass ich keineswegs teamunfähig bin und auch nicht keine sozialen Kompetenzen habe. Ich kann und will arbeiten – allerdings kann ich mich nur innerhalb gewisser Grenzen im Büroalltag anpassen und ungünstige Rahmenbedingungen nicht längerfristig aushalten oder mich daran gewöhnen.

Ich bin einfach eine ganz normale, demnächst leider arbeitslose, mittlerweile auch deshalb depressive, hochfunktionale 52 jährige Autistin, die einen Platz in dieser für Autisten leider überwiegend unpassenden Arbeitswelt sucht.

Ich weiß nicht, wie es ab Juni beruflich für mich weitergehen soll. Im Moment bin ich noch krank geschrieben. Da das Krankengeld jedoch nicht so hoch ist wie mein bisheriges Arbeitsentgelt, fehlen jeden Monat ca. 30% meines bisherigen Einkommens in der Familienkasse. Das geht nicht lange gut. Die Unsicherheit, nicht zu wissen, was ich ab Juni tun werde und die Tatsache, dass meine Arbeitslosigkeit spätestens dann existenzbedrohend wird, wenn ich kein Krankengeld mehr erhalte und/oder nach einem Jahr Arbeitslosengeld überhaupt kein Geld mehr von irgendeiner Institution im sozialen Wohlfahrtsstaat, trägt ganz bestimmt nicht dazu bei, aus dem Depressionsloch zu kommen. Eine Perspektive muss her und das möglichst bald.

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