SWB – MeiBlog

"Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein." (Albert Einstein)


Hinterlasse einen Kommentar

Psychotherapie – oder die Geschichte von der Kunst, endlich einen passenden Therapeuten zu finden #Teil3

Über eine Bekannte hatte ich den Tipp bekommen, bei ihrem eigenen tiefenpsychologisch orientierten Therapeuten anzurufen. Als pragmatischer Mensch hatte ich ein paar Tage später dann ein Erstgespräch bei diesem. Er verabschiedete mich nach genau 19 Minuten mit den Worten: „Ich meine, dass Sie sehr zeitnah wöchentliche Therapiegespräche brauchen, die kann ich Ihnen leider nicht anbieten, wenden Sie sich doch zur Überbrückung an das BKH. Die Frau, die gerade eben vorher bei mir war, der kann ich sporadisch Termine anbieten, bis sie einen festen Platz bei mir erhält, bei Ihnen halte ich das nicht für sinnvoll, es tut mir leid“. Als weitere Rückmeldung erhielt ich den Hinweis, dass es für den Erhalt eines Therapieplatzes besser wäre, wenn ich einem Therapeuten erst im Lauf einer Therapie vorsichtig von meinen Diagnosen erzählen würde, weil eine sofortige Mitteilung abschrecken würde. Ah ja. Und ich dachte, eine Therapie basiere auf größtmöglicher Offenheit. Ich dachte, die umfassendste Antwort auf die Frage, weshalb ich einen Therapieplatz suche, wäre, dem Therapeuten den Arztbrief auszuhändigen. Irgend etwas hatte ich da wohl wieder falsch verstanden, wie scheinbar so viele andere Dinge auch.

Meine deprimierte Folgerung war: Es scheiterte offenbar an mir und meiner Person. Nicht nur mit sehr vielen nicht psychologisch geschulten Nichtfachleuten, sogar mit Therapeuten aller Fachrichtungen kommt es bei mir zu Verständigungsproblemen und zu Ablehnung. Ich hatte keine Ahnung, was so falsch an mir war, ich war nur leider nach nunmehr 58 Therapeutenkontakten, die meisten davon telefonisch, und inzwischen 37 Absagen, etliche davon explizit wegen der Autismus-Diagnose, ratlos, was ich noch machen sollte. Die Therapieplatzsuche entwickelte sich zu einer immensen Belastung. Ich hatte keine Kraft mehr, das gesamte Prozedere nochmals zu erledigen und neue Therapeuten zu kontaktieren. Aber ich hatte noch drei weitere offene Termine, also auch noch drei potentielle Chancen, einen Therapeuten zu finden.


3 Kommentare

Krank durch Büroarbeit – kann das tatsächlich sein?

Im Büro kam es zu einer eskalierenden Diskussion mit einer Kollegin, die mir vorwarf, eine kooperative Zusammenarbeit sei mit mir wegen meiner Verschlossenheit und meines unmöglichen Sozialverhaltens nicht möglich. Ich fühlte mich in der Sache ungerecht behandelt. Das einzige, was ich meiner Ansicht nach in der Arbeit und auch in dieser Diskussion gezeigt hatte, war mein ganz normales Verhalten. Ich war schon immer introvertiert und beobachtete neue Situationen und Menschen erst einmal, bevor ich mit den Menschen interagierte. Außerdem löse ich Probleme grundsätzlich alleine, bitte selten um Hilfe und lerne seit jeher autodidaktisch. Ich hatte immer schon Schwierigkeiten im sozialen Miteinander und insbesondere in Gruppen. Ich hatte leider auch schon immer ein besonderes Talent, undiplomatisch zu sein oder Dinge laut zu sagen, die man besser nicht nicht ausspricht. Ich war bereits als Kind stur, hatte oft Wutanfälle und meine Mutter ermahnt mich bis heute wegen meines offenbar häufig aggressiven Tonfalls, den ich selbst aber nicht so wahrnehme. Ich hatte mehrfach die Rückmeldung erhalten, zu offensiv in Diskussionen aufzutreten und arrogant zu sein, obwohl ich mich selbst als defensiv und selbstunsicher beschreiben würde. Ich verstand nicht, woher diese Diskrepanz zwischen Fremd- und Selbstwahrnehmung kam. Dies alles bedenkend, verbuchte ich die Auseinandersetzung mit der Kollegin auf meiner langen Erfahrungsliste als weiteren fehlgeschlagenen Kommunikationsversuch.

In der nächsten Zeit bemühte ich mich, offener auf die Kollegen zuzugehen und mich zu unterhalten. Ich nahm an gemeinsamen Mittagspausen teil, obwohl ich überwiegend stumm am Rand saß, nicht wissend und unsicher, was ich beitragen sollte. Anschließend benötigte ich zurückgezogen in meinem Büro jedesmal eine längere Erholungspause von den mit Kollegen verbrachten Mittagspausen. Ich litt unter der Absurdität des Ganzen und darunter, dass sich meine unproduktiven Zeiten im Büro proportional zu meiner Angst vermehrten.

Ich begann Angst davor zu haben, wenn die Türe zu meinem Büro aufging und ich musste zunehmend dagegen ankämpfen, weinend aus der Arbeit zu fliehen. Ich war trotz Teilzeitstelle nach jedem Arbeitstag so erschöpft, dass ich zu Hause nur noch auf dem Sofa zusammenbrach. Ich litt neben meiner gestiegenen Geräuschempfindlichkeit zusätzlich unter einem Tinnitus. Ich hatte Rücken- und heftige Kopfschmerzen, ich vermutete Bandscheibenprobleme, aber eine fachärztliche Abklärung ergab außer massiven Muskelverspannungen keinen Befund. Seit Jahren trug ich nachts eine Schiene wegen meines Zähneknirschens, innerhalb eines halben Jahres hatte ich zur Verwunderung meiner Zahnärztin diese Schiene zweimal durchgeknirscht. Ich bekam zusätzlich zunehmend Magenschmerzen und Magen- Darmprobleme, seit Beginn der Angstsymptome hatte ich mehr als 20 Kilo abgenommen und ich hatte Angst, dass ich erneut eine Essstörung entwickelt haben könnte.  Ich ließ alle denkbaren Ursachen meiner Beschwerden bei diversen Fachärzten abklären, heraus kam, dass ich körperlich nicht ernsthaft erkrankt war.

Ich versuchte, eine plausible Erklärung dafür zu finden, weshalb ich anscheinend seltsamerweise jedesmal krank wurde, wenn ich eine Arbeitsstelle hatte.  Ich versuchte erfolglos, mir selbst, meinem Hausarzt und meinen nächsten Familienangehörigen zu erklären, weshalb ich einen gewöhnlichen Büroalltag als so ungemein belastend erlebte, dass ich Angst hatte, irgendwann in naher Zukunft gar nicht mehr funktionieren zu können. Mir war klar, dass mit mir psychisch etwas ganz und gar nicht stimmte. Mich wieder einmal in psychologisch versierte Hände zu begeben, schien unausweichlich, respektive alternativlos.