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"Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein." (Albert Einstein)


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Autismus und Nachteilsausgleich an der FernUniversität Hagen – ein Update

Ich habe mich größtenteils bemüht, den Erwartungen soweit es mir möglich war, zu entsprechen und mich anzupassen. Einfach nur ein normales, erfolgreiches Leben zu leben, wie alle andern um mich herum, die das anscheinend ohne größere Schwierigkeiten machten. Ich habe die Welt um mich herum beobachtet und mich gefragt, wo der Zauber ist, wieso die anderen sich augenscheinlich so leicht tun und wieso ich so wenig von diesem Zauber abbekommen habe. Ich habe mich so sehr bemüht, es genauso zu machen und mich wie die anderen zu verhalten.

Ich habe studiert. Aber ein Studium zu beenden, gelang mir nur dank der Unterstützung durch meinen Ehemann und erst im Alter von 50 Jahren. Er half mir, es zu strukturieren und Termine einzuhalten. Mein jetziges Masterstudium an der FernUniversität Hagen hatte ich gewählt, weil es ein reines Online Studium ist und ausschließlich schriftliche Abschlußarbeiten verlangt werden, so dass die Belastung durch Sozialkontakte minimiert ist. Aber trotzdem musste ich überlastungsbedingt ein Jahr lang die Bearbeitung meiner Module abbrechen. Ob es mir je gelingen wird, dieses Masterstudium abzuschließen, weiß ich nicht.

Eine Möglichkeit dazu hatte ich in einem Nachteilsausgleich gesehen, der mir aber nicht gewährt wurde. Auch ein Widerspruch half nicht. Begründet wurde die Ablehnung damit, dass ich keine körperliche Beeinträchtigung habe. Meine geistige Leistungsfähigkeit selbst ist beeinträchtigt, nicht nur die technische Umsetzung meiner geistigen Leistungsfähigkeit.

Mein Autismus ist laut Prüfungsamt eine persönlichkeitsbedingte Eigenschaft, eine Veränderung der Prüfungsanforderungen würde bei einer solchen generellen Einschränkung der Leistungsfähigkeit den Aussagewert des Ergebnisses der Leistungskontrolle verfälschen. So eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit sei nicht ausgleichbar und dürfe schon wegen der Chancengleichheit nicht ausgeglichen werden. Krankheitsbedingte Beeinträchtigungen der geistigen Leistungsfähigkeit können aus Gründen der Chancengleichheit keinen Anspruch auf Schreibzeitverlängerung begründen. Solche Einschränkungen sind Mitbestandteil des durch die Prüfung zu belegenden Leistungsbildes. Wenn sich eine persönlichkeitsbedingte, generelle Einschränkung der psychischen Leistungsfähigkeit im Prüfungsergebnis negativ niederschlägt, wird dadurch der Aussagewert der Prüfung nicht verfälscht. Meine Reizfilterschwäche und meine Priorisierungsschwierigkeiten gehören ebenso zu dieser persönlichkeitsbedingten psychischen Einschränkung meiner Leistungsfähigkeit.

Das Prüfungsamt verweist darauf, dass ich diese Einschränkungen meiner Leistungsfähigkeit bereits seit der frühen Kindheit habe und trotzdem die Modulprüfungen bisher mit sehr beachtlichem Erfolg absolviert habe. Im Folgenden wird ein Nachteilsausgleich auch wegen meiner bisherigen sehr guten Noten abgelehnt, die im Einzelnen aufgelistet werden. Ich frage mich nun, ob ich dafür bestraft werden soll, so gute Noten zu haben – würde mir ein Nachteilsausgleich zustehen, wenn ich schlechte Noten hätte?

Das Prüfungsamt weist mich außerdem auf die Möglichkeit einer Verlängerung der Bearbeitungszeit auf der Grundlage einer Krankschreibung hin und einen Satz später dann darauf, dass dies eine Kulanzregelung ist. Ich verstehe das jetzt so, dass ich zwar keinen offiziellen Nachteilsausgleich in Form einer Zeitverlängerung bei bekomme, aber ich mich nur einfach krankschreiben lassen soll, um sie trotzdem inoffiziell zu erhalten. Mir würde es nicht in den Sinn kommen, mich krankschreiben zu lassen, wenn ich nicht krank bin, mal ganz abgesehen davon, dass ein Arzt das gar nicht machen darf – ich halte mich an Regeln und gehe davon aus, dass es andere auch tun. Ich frage mich, wo hier die Chancengleichheit bleibt, vielleicht kommen Nichtautisten von selbst auf diese Idee und nur ich als Autistin bin nicht darauf gekommen und muss durch das Prüfungsamt darauf hingewiesen werden?

Eine Umwandlung der mündlichen Verteidigung der Masterthesis ist laut Prüfungsamt deshalb nicht möglich, weil das Modulhandbuch explizit eine mündliche Prüfung verlangt und eine Modifizierung den Grundsatz der Chancengleichheit verletzen würde. Eine Begleitperson darf ich nicht mitbringen, weil eine mündliche Prüfung nicht öffentlich stattzufinden hat und es (schon wieder) den Grundsatz der Chancengleichheit verletzen würde, wenn ich eine Begleitperson mitbrächte, weil das zu ungleichen äußeren Prüfungsbedingungen führen würde. Auch zusätzliche Pausen werden mir in der mündlichen Prüfung nicht gewährt, weil zwischen der 15 bis 20-minütigen Präsentation der Masterarbeit und der anschließenden 10-minütigen Präsentation des E-Portfolios und den darauf folgenden Fragen der Prüfer (hier wird keine Zeitangabe gemacht – das kann also individuell unterschiedlich lange dauern) bereits kurze Pausen vorgesehen sind. Zusätzliche Pausen – insbesondere Pausen außerhalb des Prüfungsraumes würden – wen überrascht es noch? – die Sicherstellung der Chancengleichheit beeinträchtigen. Eine reizarme Prüfungssituation läge schon deshalb vor, weil ich die Modulabschlussarbeiten zu Hause schreiben kann. Die mündliche Prüfung kann auch als Videokonferenz durchgeführt werden, damit wäre sie dann auch unter reizarmen Bedingungen absolvierbar – immerhin. Ich soll mich zu gegebener Zeit an die jeweiligen Prüfer direkt wenden. Das Prüfungsamt schlägt mir für  Gruppenarbeiten und zur Anfertigung von schriftlichen Protokollen bei Videokonferenzen eine Studienassistenz vor, schreibt aber auch, dass ich ja gar keine Gruppenarbeiten mehr machen muss in den verbleibenden Modulen. Leider kann sich im Prüfungsamt offenbar keiner vorstellen, dass eine Studienassistenz bei einem Fernstudium und meinen autismusbedingten Schwierigkeiten keine Lösung meiner Probleme darstellt. Mal ganz abgesehen von der Finanzierung oder auch nur der Organisation einer Studienassistenz, die mich überfordern würde – aber dafür ist schließlich das Prüfungsamt nicht zuständig. Leider scheint die Behindertenbeauftrage ebenfalls (in meinem Fall) nicht dafür zuständig zu sein, denn sie empfahl mir in ihrer E-Mail zwar ebenfalls eine Studienassistenz, das war es aber dann auch an erfahrener Hilfestellung von dieser Seite, für die Realisierung ihres Vorschlages sei sie nicht zuständig.

Mir drängt sich insgesamt bei der Begründung des Widerspruchsbescheides die Karikatur der Chancengleichheit mit dem Prüfer auf, vor dem ein Flamingo, ein Pinguin, ein Affe, ein Elefant, ein Goldfisch im Glas und ein Hai stehen, die alle die Aufgabe bekommen, auf den nebenstehenden Baum zu klettern.

Zusammenfassend muss ich sagen: Ich empfehle keinem Autisten an der FernUniversität Hagen zu studieren, wenn er einen Nachteilsausgleich benötigt, um erfolgreich sein Studium zu absolvieren.


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Asperger im Studium – K(r)ampf um einen Nachteilsausgleich

In den Links (beispielsweise hier), auf die die Seiten der FUH verweisen, ist mehrfach explizit von Autismus und Asperger-Betroffenen als berechtigter behinderter Personenkreis für einen Nachteilsausgleich die Rede. Ich hatte in den Informationen des Studentenwerkes erfahren:

„Deshalb gilt: Studierende sollten möglichst frühzeitig Kontakt zu den Behindertenbeauftragten bzw. Beratungsstellen für Studierende mit Behinderungen und chronischenKrankheiten der Hochschulen oder Studentenwerke aufnehmen. Hier gibt es nebenallgemeinen Informationen zum Thema Nachteilsausgleich bei Bedarf Beratung zu Art und Umfang der individuell notwendigen Prüfungs- und Studiengangmodifikationen und zum Beantragungsverfahren“ (S. 97).“

Ich hatte mich zeitnah nach Kenntnis meiner Beeinträchtigung -da ich meine Diagnose erst dieses Jahr erhalten habe also erst mitten im Studium – an die Hochschulbeauftragte für Behinderte und chronisch kranke Studierende der FUH gewandt. Ich bat dort um eine solche Beratung, die meine Schwierigkeiten, mich in eigener Sache zu vertreten, berücksichtigt. Ich bat um Hilfe bei der Frage, an wen ich mich wenden sollte und um Information, was konkret und bitte in für mich nachvollziehbaren Einzelschritten ich tun sollte. Sie schickte mir als Unterstützungsmaßnahme den Leitfaden der FUH zum Nachteilsausgleich und verwies mich an meine Ärztin wegen der Möglichkeit einer Studienassistenz weiter.

Ich hatte dann einen formal korrekten Antrag auf Nachteilsausgleich gestellt. Und gestern habe ich schriftlich den Ablehnungsbescheid des Prüfungsamtes erhalten. Die Sachbearbeiterin teilte mir vorab per E-Mail mit, was die Leiterin des Prüfungsamtes entschieden hat. Eine Professorin der FUH, die sich dank einer Kommilitonin ebenfalls der Sache annahm, riet mir zuvor, dass ich mich für die Prüfungen anmelden solle, sie würde nochmal mit der Leiterin des Prüfungsamtes wegen der Ablehnung reden. Ich habe mich also rechtzeitig vor Fristende für die Module M6 und M7 zur Prüfung angemeldet. Das Reden hat aber wohl auch nichts genutzt. Jetzt habe ich also eine offizielle Ablehnung meines Antrages auf Nachteilsausgleich (mit demselben Text, wie der aus der E-Mail von der Sachbearbeiterin) mit folgendem Wortlaut als Weihnachtsgeschenk erhalten:

„nach eingehender Prüfung Ihres Antrags zum Nachteilsausgleich vom 13.12.2016 für die Module 6, 7 und die Masterarbeit mit beiliegendem Attest muss ich Ihnen mitteilen: Die fehlende oder reduzierte Filterung von Reizen sowie die Priorisierungsmängel liegen – wie auch aus dem Attest hervorgeht – in einer persönlichkeitsbedingten Eigenschaft (Asperger-Syndrom) begründet. Eine Veränderung der Prüfungsanforderungen würde bei einer solchen generellen Einschränkung der Leistungsfähigkeit den Aussagewert des Ergebnisses der Leistungskontrolle verfälschen, so dass die  Antragstellung eine Ablehnung des Antrags in der gestellten Form ergeben hat. Hausarbeiten und die Abschlussarbeit können grundsätzlich im eigenen häuslichen Umfeld bei relativ flexibler Zeiteinteilung bearbeitet werden. Sich – wie von Frau XYZ angeregt – bei der zuständigen Stelle über die Möglichkeit einer Studienassistenz zu informieren, halte ich für sinnvoll.“

Neben der Hochschulbeauftragten für Behinderte und chronisch kranke Studierende meint also auch das Prüfungsamt, dass die Lösung in einer Studienassistenz läge. Die nette Frau vom Netzwerk Autismus meinte allerdings auf meine Nachfrage, was einen Studienassistenz eigentlich wäre und inwiefern mir das nutzen könne, das käme für mich nicht in Frage. Meine Ärztin hat mich in dieser Frage an die FUH zurückverwiesen, weil ihrer Aussage nach die die zuständige Stelle sind. Ich bin ratlos. Ich werde also von A nach B geschickt und B schickt mich zurück zu A. Wer ist denn eigentlich tatsächlich die zuständige Stelle für die Beantragung einer Studienassistenz? Wieso sagt mir das keiner an der FUH, nicht mal die Hochschulbeauftragte für Behinderte und chronisch kranke Studierende weiß es? Wie und vor allem wo kann ich das überhaupt herausfinden? An wen kann ich mich jetzt eigentlich noch wenden?

Meine Ärztin, die das fachärztliche Attest schrieb, reagierte auf die Ablehnungsbegründung mit Unverständnis. Sie hat schon häufiger Atteste mit demselben Inhalt geschrieben und bisher gab es an anderen Universitäten keine Probleme, Nachteilsausgleiche konnten gewährt werden. Meine Ärztin hat mir also ihr Befremden wegen der Ablehnungsbegründung ausgedrückt, kann aber ansonsten nichts tun. Und ich frage mich (und natürlich auch gerne die FUH, falls sich doch noch jemand für zuständig erklären sollte) zum wiederholten Mal: Wer kann mir dabei helfen, Widerspruch einzulegen? Welche Begründung könnte ich anführen?

Im Moment sieht es eher nach einer Auseinandersetzung um die Anerkennung von Autismus als Behinderung bei der FernUniversität Hagen (FUH) aus. Im Prüfungsamt scheint noch nicht angekommen zu sein, dass Autismus eine Behinderung ist, deren Auswirkungen einen Nachteilsausgleich rechtfertigen würden. Warum begründet das Prüfungsamt der FUH die Ablehnung damit, in meinem Autismus eine persönlichkeitsbedingte Eigenschaft zu sehen? Irrtümlich könnte man bei der Formulierung davon ausgehen, dass Autismus als eine Persönlichkeitsstörung gesehen wird. So wie ich es verstehe, fokussiert die Begründung aber darauf, dass ich ein persönlichkeitsbedingtes Grundleiden habe, das mein Leistungsvermögen nicht behindert. Meine Leistung ist wegen meines Asperger-Syndroms immer schon so wie jetzt gewesen und ein Nachteilsausgleich würde mir ungerechtfertigte Vorteile bringen.

In einer ein Jahr alten Diskussion des Forums für Rehabilitation und Teilhaberecht der DVfR (Deutsche Vereinigung für Rehabilitation) kommt man in einem ähnlichen Fall zu dem Ergebnis, dass ein Nachteilsausgleich zugestanden hätte werden müssen. Auf meinen Fall übertragen heißt das für mich: Meine persönlichkeitsbedingte Eigenschaft (Asperger-Syndrom) ist eine anerkannten Behinderung. Die Einschätzung des Prüfungsamtes berücksichtigt nicht, dass diese Behinderung ein Recht auf Ausgleich genau der Nachteile bedingt, die durch sie entstehen. Außerdem kommt es seitens des Prüfungsamtes zusätzlich zu einer Vermischung zwischen intellektueller und psychischer Behinderung, weil mit dem Hinweis auf eine Studienassistenz meine Studierfähigkeit an sich angezweifelt wird. Aber nicht meine grundsätzliche Leistungsfähigkeit ist autismusbedingt beeinträchtigt, sondern ich benötige nur mehr Zeit, um dieselbe Leistung, wie ein Studierender ohne Behinderung erbringen zu können. Eine angemessene Zeitverlängerung als Ausgleich für die durch meine Behinderung bedingten Nachteile wäre also ganz im Sinne des Verbotes der Benachteiligung Behinderter. Diese Ablehnung kann auch nicht mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz im Prüfungsrecht begründet werden. Im Sinne einer gleichberechtigten Bildungsteilhabe sollte eine Gewährung des von mir beantragten Nachteilsausgleiches als Herstellung von gleichwertigen Prüfungsbedingungen verstanden werden, nicht als Gewährung irgendwelcher Vorteile oder als Verringerung der fachlichen-inhaltlichen Anforderungen des Studiums. Das Grundproblem liegt demnach in einer fragwürdigen Sicht auf Behinderung und einer Diskriminierung psychischer Behinderungen gegenüber körperlicher Behinderungen.

Ich muss mich bis spätestens Januar entscheiden, ob ich es überhaupt schaffe, im Moment irgendeine Prüfung an der FUH abzulegen. Ich fühle mich allein gelassen von den Verantwortlichen an der FUH. Wobei ich ja noch nichtmal von irgendwem eine zielführende Information erhalten habe, wer für was verantwortlich ist. Inklusion sieht in meiner Logik anders aus, Barrierefreiheit ebenfalls, aber ich kenne mich mit meinen Rechten und Pflichten als Behinderte nicht richtig aus, mir fehlt juristisches Fachwissen. Ich weiß gar nicht, wo ich alle für mich relevanten Informationen dazu finden kann, geschweige denn, welche Information relevant ist und bin im Moment damit überfordert. Zur Zeit kann ich meine grundlegenden Schwierigkeiten nicht mehr so gut kompensieren, wie das lange Zeit retrospektiv gesehen nach außen hin relativ gut funktioniert hat.

Eine der Folgen, die mein Autismus hat, ist, dass ich mich bei Überlastung sozial zurückziehe und ein Kernsymptom sind Schwierigkeiten in der Kommunikation. Das behindert allerdings meine Chancen, mich um meine Belange kümmern zu können. In meinen Augen ist die ganze Situation wieder mal reichlich absurd. Ich soll Dinge erledigen, die ich wegen meines Autismus gar nicht ohne Unterstützung erledigen kann und werde durch Stellen, die mich unterstützen sollten auch noch dabei behindert. Ich stehe vor einer für mich nicht mehr bewältigbaren Menge an zum Teil zeitlich befristeten Aufgaben und habe wegen meiner Behinderung Schwierigkeiten mit dem Zeitmanagement und der Priorisierung. Das Bemühen um Lösungen, Unterstützung und Hilfe kosten mich Kraft und Fähigkeiten, die ich jedoch gerade wegen meines Asperger-Syndroms und dessen Auswirkungen nicht habe.

Die Ärztin von der Diagnosestelle und die nette Frau vom Netzwerk Autismus haben mir zu weniger Belastung geraten. Ich hatte wegen meiner Fragen zur Studienassistenz und zum Nachteilsausgleich diese Woche einen Termin bei meiner? Ärztin und sprach sie darauf an, dass ich meines Wissens doch gar nicht in Behandlung bei ihr gewesen war, sondern es bei den bisherigen Terminen nur um die Diagnostik gegangen wäre. Sie erklärte mir, weshalb dem nicht so ist, demnach war und bin ich „in Behandlung“. Aus abrechnungstechnischer Sicht ist das logisch und seit dem letzten Termin gehe ich auch damit konform. Warum sie mir dringend zu einer Reduzierung meiner Belastung geraten hat, liegt daran, dass ich psychosomatische Überlastungsreaktionen zeige, die scheinbar typisch für Menschen wie mich bei zu hoher Belastung sind? Ich denke, sowohl die nette Frau im Netzwerk Autismus als auch meine Ärztin kennen mehr Autisten als ich und ich sollte ihnen besser Glauben schenken, mal abgesehen davon, dass es mich selbst erschreckt, in welchem Umfang ich inzwischen gesundheitliche Probleme habe.

Aber ich habe keine Ahnung, wie ich meine Belastung reduzieren soll. Es geht eigentlich nur in Dingen, die weder ein Fristende haben noch rechtlichen Folgen, fristgerechte Widersprüche und Antragstellungen gehören demnach nicht dazu. Ich sehe im Moment – aspergertypisches? Schwarz-Weiß-Denken – nur die Möglichkeit, aufzugeben und keinen Widerspruch einzulegen, um meine Belastungen zu reduzieren.

Die Diagnose hat mich als Mensch nicht verändert, meine Schwierigkeiten sind mein ganzes Leben lang dieselben gewesen. Und sie werden es auch bleiben. Das Wissen um die Ursache der Schwierigkeiten verändert natürlich die Schwierigkeiten an sich ebenfalls nicht. Ich habe definitiv Nachteile wegen meines Asperger-Syndroms, aber nirgendwo steht geschrieben, dass das Leben fair ist. Diese Nachteile bin ich zwar gewohnt, es macht die Schwierigkeiten aber ebenfalls nicht leichter erträglich. Ich habe bisher mein Leben ohne irgendeinen Ausgleich meiner autismusbedingten Nachteile gelebt, ich habe es alleine geschafft und ich werde es auch weiterhin alleine schaffen. Ich weiß nicht, ob es sich mit Nachteilsausgleich leichter hätte leben lassen. Wahrscheinlich aber hätte es sich für meine Gesundheit zuträglicher leben lassen. Die Folgen habe in erster Linie ich zu tragen und ich bin und bleibe behindert – aber letzten Endes werde ich derzeit zusätzlich auch noch von außen behindert, was nicht sein müsste. Meiner autistischen? Sicht nach empfinde ich die Auslegung der Regelungen zum Nachteilsausgleich als absurd und die Argumentation des Prüfungsamtes als unlogisch. Inklusion an der FUH klingt im Jahr 2016 leider nur auf dem Papier gut – in der Realität gibt es gravierende Umsetzungsprobleme. Diese Aussage hat anekdotische Evidenz und spiegelt meine Erfahrung wider.