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"Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein." (Albert Einstein)


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TKSI – Emotionserkennung-Update

Mittlerweile trainiere ich seit einigen Wochen mit Hilfe einer Trainings-Software (SCOTT) das Erkennen von Emotionen. Inzwischen habe ich bei allen drei Spielen das Level 3 erreicht. In einem vorherigen Blogbeitrag hatte ich mich über vermeintliche Bugs im Programm ausgelassen.

In der vergangenen Woche ist mir aufgefallen, dass ich mich geirrt habe. Ziemlich peinlich, das hier schreiben zu müssen, aber ich habe scheinbar die Anleitung bei dem Spiel Stimme zu Gesicht und Emotion zuordnen falsch verstanden. Immer noch fällt mir dieses Spiel am Schwersten. Letzte Woche hatte ich dann ein Aha-Erlebnis: Es kommt gar nicht auf den Inhalt des Gesagten an – die Anleitung stimmt insofern, als dass man den Inhalt sogar aktiv ausblenden muss, weil die Lösung sonst zu absurd ist. Einzig wichtig für die korrekte Lösung sind Mimik und Tonfall der Stimme, der Inhalt ist teilweise sogar irreführend. Ich komme mir jetzt ziemlich doof vor, weil ich Wochen dafür gebraucht habe, die Erkenntnis, dass Tonfall, Inhalt und Mimik nicht zusammenpassen, auch tatsächlich umzusetzen und zu begreifen, was das für die richtige Lösung bedeutet. Und weil ich die Spielanweisung, man soll den richtigen Emotionsausdruck zur Stimme wählen so gründlich missverstanden habe. Ich dachte bei Stimme nur an den Inhalt des Gesagten. Auch jetzt fällt es mir unglaublich schwer, den Inhalt auszublenden. Es ist und bleibt komisch, wenn der korrekte Emotionsbegriff zu dem Satz: „Die Wohnung liegt im zweiten Stock und hat einen Aufzug“ wehmütig ist.

Beim Gesichter Puzzle habe ich es inzwischen geschafft, die 5400 Punktehürde zu meistern. Allerdings nicht, weil ich mich tatsächlich darin verbesserte, die Mimik zu erkennen. Nach fortwährendem Frustrationserleben stand ich vor der Entscheidung, aufzugeben und zu akzeptieren, dass ich hier scheinbar nicht weiter lernfähig bin oder eine andere Lösung zu finden. Also schaute ich mir die jeweiligen Gesichtsober- und -unterteile nochmals genauer an. Sie unterschieden sich beispielsweise in der Ausleuchtung und damit in der Gesichtsfarbe. Falls das nicht der Fall war, behalf ich mir mit dem Vergleich, wieviel vom Ohrläppchen zu sehen war oder wie die Kopfneigung der jeweiligen Sequenz verlief. So war es relativ einfach, die passenden Einzelteile zusammenzusetzen. Das hat natürlich überhaupt nichts mit Emotionserkennung zu tun.

Auf der Bestenliste rangiere ich immer noch nur im Mittelfeld. Scheinbar habe ich wieder die Grenze meiner derzeitigen Fähigkeiten erreicht. Auch bei den Filmsequenzen erreiche ich keine höhere Punktzahl mehr. Im Moment bin ratlos und weiß nicht, was ich noch tun kann außer wieder und wieder zunehmend frustriert die Spiele auf Level 3 zu spielen und zu hoffen, dass ich nochmals eine Eingebung haben werde oder es doch noch zu einer Verbesserung meiner Fähigkeiten durch die Übung kommt.

Manchmal kann ich mir ein Lachen während der eineinhalb Stunden KTT (kognitive Testung und Training) einfach nicht verkneifen, weil die richtigen Lösungen in meinem Augen seltsam bzw. absurd erscheinen. Gleichzeitig bin ich traurig, weil mir durch das Training sehr deutlich vor Augen geführt wird, wo genau ein Teil meiner Defizite liegt. Einesteils freue ich mich darüber, endlich zu wissen, woran es liegt, dass sich fortwährend kommunikative Missverständnisse durch mein Leben ziehen. Aber ich vermisse andernteils auch den selbstzufriedenen Zustand der Unwissenheit vor der Diagnose. Es war so viel einfacher davon auszugehen, meine Mitmenschen verstünden mich deshalb nicht, weil sie größtenteils anscheinend begriffstutzig sind und nicht genau hinhören. Die Erkenntnis, dass nicht meine Mitmenschen doofer als ich sind, sondern es gerade umgekehrt ist, mir wegen meiner Defizite in der Wahrnehmung nonverbaler Kommunikation wichtige Informationen fehlen, die sie haben, ist immer noch bitter.


Ein Kommentar

TKSI – Emotionserkennung

Das kognitive Training am PC zur Emotionserkennung, das ich seit zwei Wochen mache, ist interessant und erstaunlich anstrengend. Dieses Tool wird dazu verwendet: http://www.scott-training.de/#  Es scheint ein Trainingsprogramm zu sein das nach einer Evaluation überarbeitet wurde. Demnächst soll es in einer neuen Version erscheinen. Grundsätzlich scheint es die Emotionserkennung bei Autismus positiv beeinflussen zu können – zumindest innerhalb meiner autistischen Begrenzungen.

Es gibt jeweils drei Level in jedem der drei angebotenen Spiele. Ein höheres Level schaltet man nach dem Erreichen von fünf Prämien frei. Ein Spiel beinhaltet zwischen fünf und zehn Durchgänge. Das Spiel ist durch relativ unlangweilig und der „pädagogische Zeigefinger“ ist wenig sichtbar. Was mich stört, sind die grafische Aufmachung und die immer wieder eingeblendeten „hilfreichen Hinweise“. Ich denke wirklich nicht daran, nach zweimaligem Lesen der Hilfefunktion diese noch ein weiteres mal aufzurufen. Und es ärgert mich, wenn ich immer wieder von einem Männchen mit Baseballkappe betont jugendfrisch lässig freundlich dazu aufgefordert werde, das in einem Fenster in mehr oder minder regelmäßigen Abständen erscheint. Ich müsste  mitzählen, wie oft dieses Fenster aufpoppt, meiner Vermutung nach passiert es nach fünf Fehlversuchen. Neben der Hilfe gibt es noch die Möglichkeit, Tipps zu erhalten oder einen Joker einzusetzen, was jedoch zu Punktabzug führt. Da ich Spiele grundsätzlich ohne solche Cheatmöglichkeiten spiele, setze ich sie nicht ein. Abgesehen von der nicht unbedingt zielgruppengerechten Aufmachung und den irritierenden Kommentaren, die nicht zur Leistung passen, finde ich dieses Serious Gaming Tool zur Emotionserkennung ziemlich gut umgesetzt.

Anfangs hatte ich nur geraten, inzwischen muss ich aber nur noch bei neuen Spielen und differenzierteren Emotionen die Lösung durch Versuch und Irrtum herausfinden. Emotionale Bezeichnungen wie heiter und angeekelt oder traurig und überrascht kann ich mittlerweile ziemlich gut auseinander halten und korrekt dem Gesichtsausdruck zuordnen. Weil sich die Aufgaben wiederholen, habe ich spätestens nach dem dritten Durchgang die richtigen Lösungen auswendig gelernt. Meine Punktzahl hat sich so nach nur einer Woche verdoppelt. Ich hoffe jetzt, dass trotzdem ein Lerneffekt einsetzt und etwas hängenbleiben wird bei den vielen bewegten Bildern von Gesichtern, die Emotionen ausdrücken. Wenig Verbesserung ist immerhin mehr als gar keine Verbesserung. Ich bin dankbar für jeden Fortschritt.

Immerhin habe ich bereits gelernt, relativ sicher die Basisgefühle Angst, Freude, Ekel, Trauer, Wut, Verachtung und Überraschung anhand der Unterschiede bei Augen- und Mundpartie auseinanderzuhalten. Meine Strategie des Auswendiglernens und die Tatsache, dass die Darsteller im Spiel alles Schauspieler sind, die die Emotionen übertrieben darstellen, dürfte meine Transferleistung aber ziemlich einschränken. Ich vermute nämlich, dass die Leute in der realen Welt nicht genau dieselben Gesichtsausdrücke haben, schon weil es nicht dieselben Gesichter sind. Die Wahrscheinlichkeit, genau diesen Schauspielern zu begegnen, schätze ich als sehr gering ein. Und jedesmal, wenn im Spiel neue Gesichter kamen, hatte ich zuerst, bis auf zufällige Treffer so ziemlich alles falsch.

Beim Gesichter Puzzle habe ich jetzt immerhin Level 3 erreicht – aber seither stagniert es, ich komme einfach nicht über die Punktehürde. Vier verschiedene Gesichtsoberteile zu den jeweiligen Unterteilen zusammenzusetzen plus danach noch die zugehörigen Gefühle korrekt zuzuordnen, und das über fünf Durchgänge pro Spiel mit insgesamt maximal 10 Fehlversuchen ist wirklich schwierig. Besonders, weil sich bei Level 3 die Gesichtsausdrücke nicht mehr diametral unterscheiden. Die Unterschiede zwischen sehnsüchtig, wehmütig, melancholisch, vergebend und verliebt sind nämlich wirklich nicht einfach zu erkennen. Wenn man es geschafft hat, die Gesichter passend zusammenzusetzen, gucken die Schauspieler aber häufig auch dermaßen ähnlich oder die angebotenen Emotionskärtchen passen meines Erachtens so gar nicht zu den Gesichtsausdrücken, dass ich zu viele Fehler mache und bisher im dritten Level noch keinmal ein komplettes Spiel lösen konnte. In Level 1 muss man das Ganze nur mit zwei Gesichtern und drei angebotenen Emotionen machen, in Level 2 dann mit drei Gesichtern und fünf Emotionen und ab Level 3 dann mit vier Gesichtern und sieben Emotionsbegriffen. In Level 1 hat man also die meisten Chancen, die Aufgabe durch pures Glück oder per Ausschlussverfahren zu lösen. Wie gesagt, seit Level 3 komme ich nicht mehr weiter, ich scheitere an der 5400 Punkte Hürde und an den maximal erlaubten Fehlversuchen.

Das demotiviert mich inzwischen ziemlich. Außerdem stört mich, dass die dargestellten Emotionen bei den vier Gesichtern nicht synchron jeweils von vorne abgespielt werden. Am Ende einer Sequenz erscheint immer ein Pixelmuster, das demnach zeitversetzt über alle vier Gesichter läuft. Da die Gesichter auf dem Bildschirm relativ nah nebeneinander positioniert sind, irritiert mich das unglaublich, weil ich es nicht schaffe, konzentriert nur ein Gesicht zu betrachten. Leider kann man das Fenster auch nicht vergrößern. Dazu kommt, dass die Emotionskarte ganz rechts bei sieben Karten abgeschnitten dargestellt wird und sich mit der Maus nicht in das Feld des Gesichts ganz rechts ziehen lässt, was zu etlichen ungewollten Fehlversuchen führt, wenn man die linke Maustaste zu früh loslässt. Diese Fehler beeinträchtigen den Spielspaß und die Konzentration nicht unerheblich und strengen mich sehr an.

Die Filmsequenzen, die man zusammensetzen muss werden ebenfalls im Level 2 – weiter habe ich es nicht geschafft – anzahlmäßig mehr und außerdem gibt es im zweiten Level Filmchen komplett ohne Text, das macht die Bestimmung der richtigen Reihenfolge echt schwer, weil ich mich nicht mehr am Inhalt des Gesagten orientieren kann. Außerdem wiederholen sich die Filme und man muss für die Lösung der Aufgabe stets von Neuem alle Filmsequenzen in kompletter Länge von vorn ansehen, damit das Schlosssymbol verschwindet und man die Aufgabe lösen darf. Das nervt spätestens nach dem zweitenmal ziemlich – zumindest mich, weil es unnötig aufhält – ich weiß ja bereits, wie es weitergeht und außerdem langweilt es mich. Bei diesem Spiel ist es für mich noch einfacher, mir die richtige Lösung zu merken. Die Regel für die Auswahl der korrekten Abschlussfrage ist, immer die abgeschwächte Version mit weniger Adjektiven zu wählen und die zwei Möglichkeiten auszuschließen, die im Film nicht erwähnte Details beinhalten oder sichtlich abwegig sind.

Beim Spiel Stimme zu Gesicht zuordnen habe ich ebenfalls nur das Level 2 erreicht. Dieses Spiel fällt mir am Schwersten. Ich muss die Stimmen mehrfach anklicken und anhören, weil ich mir weder das Gesagte noch den emotionalen Ausdruck im Tonfall merken kann. Ich erkläre mir das damit, dass ich von jeher Schwierigkeiten habe, auditiv etwas zu lernen oder mir mündliche Arbeitsanweisungen zu merken, ich scheine ein rein visueller Lerner zu sein. Im ersten Level konnte ich anhand des Inhaltes des Gesagten den passenden Emotionsbegriff zuordnen. Aber ab Level 2 haben die Entwickler des Games Bugs eingebaut – manche Gesichtsausdrücke passen meines Erachtens wirklich nicht zum Inhalt oder Tonfall des Gesagten und dann soll ich Emotionen zuordnen, die überhaupt nicht zum Inhalt des Satzes passen? Die Spielanweisung lautet, man soll die den richtigen Emotionsausdruck zur Stimme wählen. Erstaunlicherweise war die korrekte Lösung hier jedoch, den Emotionsbegriff passend zum Gesichtsausdruck zu wählen und den Inhalt des Gesagten zu ignorieren, der sowieso weder zum einen noch zum anderen passte. Ich verstehe hier nicht, warum. Denn in der Spielanleitung steht eindeutig, man solle Stimme und Emotion richtig einander zuordnen.

Bei Unklarheiten sollten wir die anderen Gruppenmitglieder fragen. Aber alle, die laut Rangliste besser sind oder ein höheres Level erreicht hatten, gaben an, genau wie ich nur noch zu raten und sich die Lösungen zu merken. Also hat mich diese Nachfrage nicht weitergebracht. Auch einem anderen Gruppenmitglied zuzusehen, das wesentlich höhere Punktzahlen erreicht, demnach also jemand sein dürfte, von dem ich etwas lernen kann, war nicht hilfreich. Ich weiß jetzt noch nicht, wie ich nächste Woche weiter vorgehen werde, um beim Gesichter Puzzle weiterzukommen. Mir bleibt eigentlich nur noch, Tipps oder den Joker zu verwenden, was aber meinen Grundsätzen widerspricht. Ansonsten kann ich die Punktzahl erhöhen, indem ich schneller werde. Mein Ziel für die nächste Woche ist es, überall das Level 3 zu erreichen.