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"Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein." (Albert Einstein)

16. Bundestagung Autismus – Stärke oder Störung

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Ich war die letzten Tage auf der 16. Bundestagung Autismus – Stärke oder Störung, die der Bundesverband Autismus Deutschland e.V. diesmal vom 06. bis 08. März in Lübeck veranstaltet hat.

Es waren erstaunlich viele Autisten da, auch unter den Vortragenden. Es gab viele interessante Vorträge, aktuelle Inhalte, verschiedene Blickwinkel, sowohl von Autisten als auch von Nichtautisten. Auch kritischen Stimmen zu hochkontroversen Themen wurde Raum gegeben.

Ich denke, dass es schwierig ist, eine solch große Tagung so zu gestalten, dass inklusive Teilhabe für alle Autisten gegeben ist. Selbst wenn es sich um eine Autismustagung handelt, bei der ich davon ausgehe, dass sich die Verantwortlichen gut genug mit dem Thema Autismus auskennen sollten, um die Tagung autistenfreundlich zu organisieren, aber m.A.n. gab es hier noch Luft nach oben, wobei es illusorisch ist, so eine große Veranstaltung für wirklich alle Teilnehmer passend zu organisieren.

Es waren – zumindest bis Samstagmittag – einfach zu viele Teilnehmer da. Es kam dadurch zu ein paar chaotischen Vorfällen. Ich kann die Wut und die Enttäuschung nachvollziehen, wenn man geplante Vorträge nicht besuchen konnte, weil der Raum schon zu voll war, der Vortrag ausfiel oder die Wege zwischen den Gebäuden zu weit, so dass man zu spät kam, um noch einen Platz zu bekommen. Mich hat das ebenfalls betroffen.

Es gab auf Evaluationsbögen die Möglichkeit, seine Anmerkungen aufzuschreiben. Das habe ich und viele andere gemacht. Ich habe zusätzlich direkt mit einem Verantwortlichen des Organisationsteams gesprochen und meine Lösungsvorschläge für die Situation mit dem überfüllten Gang mitgeteilt, in dem ich große Probleme bekam. Ich hoffe, dass alle konstruktiven Anregungen nach Möglichkeit beim nächsten Mal umgesetzt werden.

Aber eine der Schwierigkeiten ist, dass diese Tagung jedes Mal woanders stattfindet. Und die Organisatoren dann viele Rückmeldungen beim nächsten Mal gar nicht umsetzen können. Außerdem kommen zusätzliche Dinge dazu, wie z.B. eine kurzfristige Absage von Referenten, die die Verantwortlichen einfach nicht in der Hand haben. Das kann man ihnen meiner Ansicht nach nicht zum Vorwurf machen.

Das Problem mit den zu vielen Teilnehmern hätte man lösen können, indem die Organisatoren im Vorfeld schon bei der Anmeldung Interessierte frühzeitig abgewiesen hätten, weil die Veranstaltung ausgebucht war. Ich vermute, dass das ebenfalls zu Unmut geführt hätte. Jetzt wirft man den Organisatoren halt vor, dass diejenigen mit dem Hausrecht (was nicht deckungsgleich mit den Organisatoren der Veranstaltung war) Teilnehmer wegen Brandschutzvorschriften aus Räumen warfen oder gar nicht erst hineinließen. Was zeigt: Wie man es macht/gemacht hätte, ist/wäre es falsch gewesen.

Die Bilanz meines Besuches in Lübeck. Auf der Minusseite stehen: eine Panikattacke inklusive Überlastungsreaktion – leider öffentlich – gehabt zu haben, weil ich nicht rechtzeitig wegkam. Vier geplante Vorträge am Samstag nicht besucht haben zu können. Einen enormen Energieaufwand für die Anreise und den Aufenthalt selbst gehabt zu haben. Auf der Plusseite stehen: interessante Vorträgen mit zum Teil für mich neuen Inhalten besucht zu haben. Für mich persönlich und auch für mein ehrenamtliches Engagement relevante Informationen erhalten zu haben. Erfolgreich genetzwerkt, gute Unterhaltungen gehabt und nette Leute getroffen zu haben – ich habe sogar vier neue Kontakte knüpfen können. Vier Nächte lang vom Bett aus die Ostsee sehen, hören und riechen zu können. Vier Tage lang frischen Fisch gegessen zu haben.

Insgesamt würde ich sagen, dass es eine positive Bilanz ist.


Noch eine Anmerkung zum Schluss: Was ich nicht in Ordnung finde ist, wenn jetzt in (a)sozialen Medien über einzelne Personen oder den Bundesverband geschimpft wird. Indem man das öffentlich abhandelt und auf Protagonisten einhackt, werden die Gräben immer breiter, weil ständig neue Verletzungen bei den Personen dazukommen. Denn alle, egal ob Autisten oder Nichtautisten, sind nur Menschen, die vermutlich genau wie jeder, dem das passiert, verletzt sind durch das, was sie über sich lesen müssen. Es verhärtet nur die sowieso schon bestehenden Fronten und macht die Lage insgesamt nicht besser.

Autor: SWB

Erziehungswissenschaftlerin / Steuerfachangestellte mit Montessoridiplom, ich studiere an der FernUni Hagen den Masterstudiengang Bildung und Medien eEducation. Ich bin eine viellesende Autistin und Aspie-Muttertier. Ich äußere mich zwar am liebsten schriftlich, halte aber trotzdem und gerne Vorträge über das Thema Autismus.

2 Kommentare zu “16. Bundestagung Autismus – Stärke oder Störung

  1. War schön, Dich dort in Lübeck persönlich kennengelernt zu haben.

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