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"Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein." (Albert Einstein)

Bay-PsychKHG und Autismus-Strategie-Bayern: E-Mail an die Politik

Ein Kommentar


Sehr geehrte Frau Huml (mdl@melanie-huml.de),

Sehr geehrte Frau Schreyer (mdl@kerstin-schreyer.de),

Sehr geehrter Herr Söder (edda.probst@soeder.de; markus.soeder@soeder.de),

als Autistin mit rezidivierenden depressiven Episoden habe ich die Petition von Uwe Hauck und Kristina Wilms gegen das Bay-PsychKHG unterschrieben. Ich bitte Sie, dass wenigstens einer von Ihnen als Verantwortlicher sich am Dienstag, den 24.04.2018 gegen Mittag die Zeit nimmt, um die Ergebnisse dieser Petition persönlich von den Initiatoren in Empfang zu nehmen.

Vor dem Hintergrund des derzeitig geplanten Inhaltes dieses neuen Gesetzes habe ich für mich beschlossen, aus Gründen des Selbstschutzes zukünftig mit keinem Therapeuten oder Arzt mehr über meine Depression zu sprechen. Ich muss hier abwägen, weil eine stationäre Unterbringung in einer Klinik m. E. gesundheitsschädlich für mich als Autistin wäre und mich zusätzlich stigmatisiert.

Zudem fordere ich Sie auf, mir zu erklären, weshalb für die geplante Autismus-Strategie-Bayern nur so wenig Mittel zur Verfügung gestellt werden und weitere 4 Jahre geredet, statt endlich gehandelt werden wird. Bitte vernetzen Sie sich umgehend mit Fachärzten wie Hr. Dr. Schilbach am MPI für Psychiatrie in München und den bayrischen Autismuszentren. Fördern Sie partizipative Autismusforschung und nutzen Sie bitte die bereits vorhandenen Informationsmöglichkeiten, statt weitere 4 Jahre Ressourcen zu verschwenden. Und binden Sie bitte in die Arbeitskreise unbedingt einen repräsentativen Querschnitt an Autisten als Fachkräfte in eigener Sache mit ein!

Es ist betriebswirtschaftlich und auch im Hinblick auf den Inklusionsgedanken und den Fachkräftemangel nicht zu verantworten, die Talente und Fähigkeiten von 85 % der hochfunktionalen Autisten, zu denen auch ich gehöre, zu verschwenden, indem sie nicht ausreichend dabei unterstützt werden, am ersten Arbeitsmarkt eine Arbeitsstelle zu finden und zu behalten.

Ich stellte bei der Deutschen Rentenversicherung 2016 einen Antrag auf berufliche Teilhabe am Arbeitsplatz, um Unterstützung bei der beruflichen Wiedereingliederung zu erhalten. Dieser Antrag wurde 2017 nach meinem Aufenthalt in der Tagklinik für Störungen der sozialen Interaktion wegen meiner Depression seitens der DRV in einen Rentenantrag umgedeutet. Statt Unterstützung bei der Suche nach einer neuen Stelle zu erhalten, wurde ich zwangsverrentet, obwohl ich arbeiten wollte. Das ist angesichts meines abgeschlossenen Studiums zur Erziehungswissenschaftlerin vollkommen unverständlich für mich. Ich würde gern selbst Steuern zahlen, statt von Steuergeldern leben zu müssen und das, bevor ich zu alt dafür bin. Ich habe nicht die Zeit, noch jahrelang auf eine Autismus-Strategie-Bayern zu warten. Ich fordere Sie als politisch Verantwortliche auf, Stellung zu beziehen.

In der Erwartung einer Antwort grüßt Sie

Silke Wanninger-Bachem

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Ein Kommentar zu “Bay-PsychKHG und Autismus-Strategie-Bayern: E-Mail an die Politik

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