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"Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein." (Albert Einstein)


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Mein Autismus in den Medien

In den Wochen nach meinem Aufenthalt in der TKSI wurde ich gefragt, ob ich mich für einen Beitrag in Bayern 5 interviewen lassen würde und als Fallbeispiel in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung genannt werden darf. Die SZ wollte allerdings keine Klarnamen verwenden. Wie bereits im vorherigen Blogbeitrag geschrieben, habe ich mich dazu entschlossen, offen mit meinem Autismus und generell mit psychischen Diagnosen umzugehen. Außerdem empfand ich Dr. Schilbachs Konzept der TKSI als hilfreich und denke, dass es gut wäre, wenn einer breiteren Öffentlichkeit diese Therapiemöglichkeit für Erwachsene bekannt wären. Weil beide Medien meiner Ansicht nach nicht dem unseriösen Sektor angehören, ließ ich mich interviewen und schrieb ein paar Daten für das Fallbeispiel zusammen.

Aus dem einstündigen Interview, das ein interessierter und engagierter Reporter mit Dr. Leonhard Schilbach und mir führte, wurde letztendlich der fünfminütige Beitrag innerhalb der Sendung B5-Gesundheitsmagazin „Leben mit Behinderung“ vom 10.09.2017. Bei Minute 9:40 beginnt der Kurzbeitrag in der Sendung, die man hier als Podcast anhören oder herunterladen kann. Ich finde es schade, dass nur so wenig von dem, was insgesamt besprochen wurde, für den eigentlichen Beitrag verwendet wurde, der damit sehr an der Oberfläche des Themas Autismus bleibt. Wobei der Schwerpunkt des Beitrags auf der Therapie von hochfunktionalem Autismus und damit auf der Tagklinik liegt. Klar, dass damit keineswegs ein vollständiges Bild von Autismus verbunden ist. Als positiv empfinde ich die Sachlichkeit, die mir in vielen Beiträgen zum Thema Autismus fehlt. Allerdings darf ich eine seriöse Berichterstattung in einem Beitrag eines öffentlich-rechtlichen Senders auch erwarten.

In dem am 22. August erschienenen SZ Artikel bemüht sich der Autor ebenfalls größtenteils um sachliche Formulierungen. Nach meinem Empfinden wird aber einmal zu oft das Adjektiv „brutal“ eingeflochten. Davon hatte ich nichts geschrieben, ich habe zwar Mobbing erlebt, als brutal würde ich das jedoch nicht bezeichnen. Die restlichen Informationen wurden aber korrekt wiedergegeben, so dass insgesamt ein Artikel entstanden ist, der insbesondere in Hinsicht auf Komorbiditäten und berufliche Situation ein nach meiner Erfahrung realistisches Bild von hochfunktionalem Autismus im Erwachsenenalter wiedergibt.

Ich hoffe, dass sich mit jedem um Sachlichkeit bemühten Artikel und Beitrag zur Thematik rund um Autismus mit der Zeit bei Nichtautisten ein größeres Verständnis und mehr Akzeptanz für Neurodiversität herstellen lässt und Mythen oder Vorurteile langsam verschwinden.

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