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"Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein." (Albert Einstein)

Krank durch Büroarbeit – kann das tatsächlich sein?

3 Kommentare


Im Büro kam es zu einer eskalierenden Diskussion mit einer Kollegin, die mir vorwarf, eine kooperative Zusammenarbeit sei mit mir wegen meiner Verschlossenheit und meines unmöglichen Sozialverhaltens nicht möglich. Ich fühlte mich in der Sache ungerecht behandelt. Das einzige, was ich meiner Ansicht nach in der Arbeit und auch in dieser Diskussion gezeigt hatte, war mein ganz normales Verhalten. Ich war schon immer introvertiert und beobachtete neue Situationen und Menschen erst einmal, bevor ich mit den Menschen interagierte. Außerdem löse ich Probleme grundsätzlich alleine, bitte selten um Hilfe und lerne seit jeher autodidaktisch. Ich hatte immer schon Schwierigkeiten im sozialen Miteinander und insbesondere in Gruppen. Ich hatte leider auch schon immer ein besonderes Talent, undiplomatisch zu sein oder Dinge laut zu sagen, die man besser nicht nicht ausspricht. Ich war bereits als Kind stur, hatte oft Wutanfälle und meine Mutter ermahnt mich bis heute wegen meines offenbar häufig aggressiven Tonfalls, den ich selbst aber nicht so wahrnehme. Ich hatte mehrfach die Rückmeldung erhalten, zu offensiv in Diskussionen aufzutreten und arrogant zu sein, obwohl ich mich selbst als defensiv und selbstunsicher beschreiben würde. Ich verstand nicht, woher diese Diskrepanz zwischen Fremd- und Selbstwahrnehmung kam. Dies alles bedenkend, verbuchte ich die Auseinandersetzung mit der Kollegin auf meiner langen Erfahrungsliste als weiteren fehlgeschlagenen Kommunikationsversuch.

In der nächsten Zeit bemühte ich mich, offener auf die Kollegen zuzugehen und mich zu unterhalten. Ich nahm an gemeinsamen Mittagspausen teil, obwohl ich überwiegend stumm am Rand saß, nicht wissend und unsicher, was ich beitragen sollte. Anschließend benötigte ich zurückgezogen in meinem Büro jedesmal eine längere Erholungspause von den mit Kollegen verbrachten Mittagspausen. Ich litt unter der Absurdität des Ganzen und darunter, dass sich meine unproduktiven Zeiten im Büro proportional zu meiner Angst vermehrten.

Ich begann Angst davor zu haben, wenn die Türe zu meinem Büro aufging und ich musste zunehmend dagegen ankämpfen, weinend aus der Arbeit zu fliehen. Ich war trotz Teilzeitstelle nach jedem Arbeitstag so erschöpft, dass ich zu Hause nur noch auf dem Sofa zusammenbrach. Ich litt neben meiner gestiegenen Geräuschempfindlichkeit zusätzlich unter einem Tinnitus. Ich hatte Rücken- und heftige Kopfschmerzen, ich vermutete Bandscheibenprobleme, aber eine fachärztliche Abklärung ergab außer massiven Muskelverspannungen keinen Befund. Seit Jahren trug ich nachts eine Schiene wegen meines Zähneknirschens, innerhalb eines halben Jahres hatte ich zur Verwunderung meiner Zahnärztin diese Schiene zweimal durchgeknirscht. Ich bekam zusätzlich zunehmend Magenschmerzen und Magen- Darmprobleme, seit Beginn der Angstsymptome hatte ich mehr als 20 Kilo abgenommen und ich hatte Angst, dass ich erneut eine Essstörung entwickelt haben könnte.  Ich ließ alle denkbaren Ursachen meiner Beschwerden bei diversen Fachärzten abklären, heraus kam, dass ich körperlich nicht ernsthaft erkrankt war.

Ich versuchte, eine plausible Erklärung dafür zu finden, weshalb ich anscheinend seltsamerweise jedesmal krank wurde, wenn ich eine Arbeitsstelle hatte.  Ich versuchte erfolglos, mir selbst, meinem Hausarzt und meinen nächsten Familienangehörigen zu erklären, weshalb ich einen gewöhnlichen Büroalltag als so ungemein belastend erlebte, dass ich Angst hatte, irgendwann in naher Zukunft gar nicht mehr funktionieren zu können. Mir war klar, dass mit mir psychisch etwas ganz und gar nicht stimmte. Mich wieder einmal in psychologisch versierte Hände zu begeben, schien unausweichlich, respektive alternativlos.

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3 Kommentare zu “Krank durch Büroarbeit – kann das tatsächlich sein?

  1. Ich bin bis dato bei jeder neuen Arbeitsstelle krank geworden, einmal sogar im Probemonat 2x … die Umstellung auf etwas Neues eben, und dann wenn’s wieder losgeht mit dem Kranksein weiß ich, es ist Zeit zu kündigen weil alles zu viel wird… in Bürojobs hatte ich bis dato meist weibliche Kollegen, wenn man zum Thema Fingernägel außer „Ich bin froh, wenn ich sie nicht abbeiße“ nichts zu sagen hat, ist man (bzw bin ich) nach einer gewissen Zeit permanent gestresst: alle möglichen Gesprächsthemen zu umschiffen bzw permanent konzentriert/beschäftigt ausschauen gepaart mit der „Angst“ angesprochen zu werden strengt einfach an…
    Derzeit arbeite ich alleine in der Nachtschicht und bei Dienstübergabe frage ich wie’s den Katzen geht, das funktioniert grad halbwegs… :-/

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    • Dein Kommentar tröstet mich. Ich dachte sehr lange, dass ich die Einzige bin, der es so geht. Jemand, der das Leben irgendwie nicht hinbekommt, eine labile psychische Verfassung hat und „allergisch“ auf die Arbeit ist. Lachen musste ich bei deiner Beschreibung zum Thema Fingernägel, mir geht es ebenso. Ich habe inzwischen täglich „Angst“ davor, dass das Telefon läutet oder die Bürotüre aufgeht und jemand etwas von mir will. Die Kraft, an gemeinsamen Mittagessen mit den Kollegen teilzunehmen, habe ich nicht mehr. Nachtschicht kann ich mir jedoch nicht vorstellen, weil das meine Abendroutinen stören würde, die ich nicht aufgeben möchte. Aber die Idee, mir eine Stelle zu suchen, bei der ich keine Kollegen habe, ist eventuell eine Lösung meines Arbeitsplatzproblems. Danke dir dafür.

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