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"Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein." (Albert Einstein)

Psychotherapieresistenz? – oder die Geschichte von der Kunst, den passenden Therapeuten zu finden #Teil2

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Ab 1999 ging es mir psychisch längere Zeit richtig schlecht und bis Ende 2001 hatte ich dann streckenweise hochfrequent mit Psychotherapeuten zu tun. Unter anderem in einer psychosomatischen Klinik und in einer ambulanten Verhaltenstherapie. Die ambulante Therapeutin sortierte mit mir bei den wöchentlichen Terminen eine Stunde lang mein Leben und ich schöpfte Kraft, um die Zeit bis zum nächsten Termin zu überstehen.

Stationäre Einzeltherapie brachte mir die Erkenntnis, dass mit mir tatsächlich etwas grundlegend nicht stimmte. Sie gab mir dafür auch eine Erklärung in Form einer Diagnose an die Hand, mit der ich mich in der Folgezeit nach Kräften zu identifizieren versuchte. Und den Plan, ein Jahr darauf den stationären Aufenthalt zu wiederholen. Die stationären Gruppentherapien lehrten mich,

  • dass sich an der Tatsache, dass ich künstlerisch nicht sonderlich begabt bin, seit meiner Schulzeit nichts geändert hatte.
  • dass es für meine Partnerin vorteilhafter gewesen wäre, wenn ich nicht versucht hätte, die Aufgabe „Bilden Sie Zweiergruppen und bauen sie Aggressionen ab, indem sie miteinander kämpfen“ ernsthaft zu erfüllen.
  • dass Autogenes Training mich stets einschlafen ließ. Nicht zuletzt, um der Diskrepanz zwischen dem, was die Stimme des Anleiters mir zu suggerieren versuchte und der mir viel zu deutlich präsenten Realität zu entkommen.
  • dass die Aufgabe „Lassen sie sich fallen“ bestenfalls dazu führte, in den verschwitzten Armen eines Fremden, in meinem Fall jedoch immer, zu zweit am Boden zu landen.
  • dass das interessant klingende Therapieangebot Kundalini leider nur ein äußerst befremdliches Verhalten von zu vielen Menschen in einer Sporthalle bedeutete, wobei mir auch die Musik nicht gefiel.
  • dass es ganz sicher 21 Methoden gibt, wie man sich nicht umbringen kann. Wobei mich die erzählten Methoden ob der Kreativität teilweise echt verblüfften. Die Schilderungen brachten mir die Erkenntnis, dass Suizidversuche sehr gut geplant werden sollten und es anscheinend erstaunlich viele Mythen in der Literatur darüber gibt.
  • dass Alkohol weder die positiven Seiten eines Mitmenschen sichtbar macht, noch Perspektiven eröffnet, was nicht nur die Verweildauer eines Patienten anschaulich demonstrierte.
  • dass es verschreibungspflichtige Beruhigungsmittel gibt. Wieder zu Hause, setzte mein Hausarzt diese Möglichkeit für mich um und ich lernte, dass es zwar Medikamentenmissbrauch bedeutet, wenn ich mehr als verschrieben davon nehme, sie mich aber tatsächlich enorm beruhigten.
  • dass Magersüchtigen, obwohl oder gerade weil sie deutlich erkennbar krank aussahen, stets zugewandt, verständnisvoll und fürsorglich begegnet wurde. Meine Transferleistung bestand in der logischen Überlegung, dass eine Essstörung nicht nur mich leichter machen würde, sondern auch meine Sozialkontakte.

Mein zweiter Klinikaufenthalt, der ärztlicherseits dringend angeraten schien, weil sich meine Essstörung mittlerweile verselbständigt hatte, brachte mir endgültig das Wissen, dass ein stationärer Aufenthalt die Dinge für mich nicht besser machte. Kurz danach musste ich umziehen. Ich fuhr noch ein paarmal zu meiner ambulanten Verhaltenstherapeutin, weil ich sie mochte, obwohl ich häufig den Eindruck gehabt hatte, dass sie mich einfach nicht verstand. An meinem grundlegenden Verhalten hatte sich bis dato auch bei wohlwollender Betrachtung nichts geändert. Logistisch, kinderbetreuungs-, versicherungstechnisch und finanziell waren die Therapiestunden dann nicht mehr langfristig organisierbar, ich musste mein Leben also zukünftig ohne Therapeutin sortieren. Einen nochmaligen Klinikaufenthalt schloss ich für mich kategorisch aus.

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