SWB – MeiBlog

"Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein." (Albert Einstein)


2 Kommentare

Barrierefreiheit sieht anders aus

Vorgestern nahm ich an einem Gesprächsabend teil. Anlass war ein Besuch von der Vorsitzenden des Bundesverbandes autismus Deutschland e.V. in der Beratungs- und Koordinierungsstelle für die Oberpfalz beim Netzwerk Autismus in Regensburg.  Ziel der Veranstaltung war es, „Anliegen an den Bundesverband zu äußern und in einen fruchtbaren Diskurs zu gehen“ (Einladung des Netzwerk Autismus vom 17.11.2016).

Anwesend waren zehn Personen, die zweieinhalb Stunden in einem ruhigen Raum eine Gesprächsrunde im Wortsinn bildeten. Nach meinem Kenntnisstand waren drei Personen mit einer Autismus-Spektrum-Störung da. Den überwiegenden Gesprächsanteil bestritt die Vorsitzende des Bundesverbandes, die gut vernehmbar und deutlich sprach. Soweit, so gut, möchte man meinen. Allerdings keineswegs barrierefrei. Zumindest nicht aus der Sicht eines Autisten. Die folgenden Zeilen geben meine eigene persönliche und subjektive Wahrnehmung wieder. Es geht mir nicht darum, meinen eigenen Autismus zu verallgemeinern. 

Ich hatte mir nach diesem Gesprächsabend Gedanken gemacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass es vielleicht sinnvoll sein könnte, meine Innensicht mitzuteilen. Und zwar auch Menschen, die sich bereits langjährig mit Autismus beschäftigen, sich für Autisten einsetzen, sie unterstützen und bei einem solchen Gesprächsabend sogar versuchen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Diese Formulierung drückt aus, dass dies nicht wirklich gut funktioniert hat. Den überwiegenden Teil des Abends wurde meiner Ansicht nach über Autisten gesprochen. Die Gelegenheiten, mit den Autisten selbst zu sprechen, waren spärlich gesät. Von deren Seite kamen aktiv nur fünf eher kurze Gesprächsbeiträge.

Einmal ging es darum, ob der Bundesverband die örtliche Selbsthilfe finanziell unterstützen könnte. Kann er nicht. Einmal handelte es sich um eine Bemerkung, weshalb sich Autisten immer an die Nichtautisten anpassen müssten. Dies führte zwar zu einer kurzen Pause in der Runde, es wurde jedoch nicht auf diese Bemerkung eingegangen. Einmal ging es um die Nachfrage, weshalb man dem Bundespräsidenten nicht schreiben könne, dass er sich gegen das Bundesteilhabegesetz aussprechen solle. Das Ergebnis war, dass der nachfragende Autistin vorgeschlagen wurde, selbst einen Brief an den Bundespräsidenten zu schreiben, weil ihre Stimme wie die von 80.000 Bürgern zähle. Und einmal wurde nachgefragt, ob tatsächlich Kaffee serviert wurde. Die Antwort war nein, dies sei nur ein Beispiel für sozial erwünschtes Verhalten gewesen. Ein weiteres Mal wandte ich beim überraschend von der Vorsitzenden des Bundesverbandes selbst angesprochenen Thema ABA ein, dass es wenige Studien zu dieser Therapie gäbe und dass sich bereits einige Autisten, die mit ABA behandelt worden waren, negativ dazu geäußert hätten. Das Thema wurde nicht weiter vertieft.

Die Vorsitzende fragte nach zweieinviertel Stunden explizit nach, ob die anwesenden Betroffenen nicht selbst etwas beitragen wollen würden. Ich fragte reaktiv zurück, welche konkreten Fragen ich beantworten solle. Sie erkundigte sich danach, wie ich die Schulzeit erlebt hätte. Ich erzählte kurz von meinen eigenen Erfahrungen als Autistin und als Mutter eines Autisten. Sie fragte mich, was ich beruflich machen würde. Ich riss nach der Aufzählung meiner beruflichen Tätigkeit und dem Stand meines Studiums in diesem Zusammenhang derzeitige Problemfelder an. Die mich seit einem Jahr vom Netzwerk Autismus unterstützende Person nannte mir jemanden, an den ich mich wegen weiterer Unterstützung wenden könne. Ich bedankte mich. Das, was die Autistin, die nach mir von der Vorsitzenden direkt angesprochen wurde sagte, bekam ich leider nicht mehr richtig mit. Am Ende der Veranstaltung verließ eine Autistin fluchtartig den Raum, die andere und ich verabredeten noch Termine, unterhielten uns bei der Verabschiedung kurz mit einzelnen anderen Teilnehmern und gingen dann nach draußen, wo wir uns noch über die Veranstaltung austauschten.

Dazu ließe sich sagen: Selbst schuld, die Autisten hätten ausreichend Gelegenheiten gehabt, sich zu äußern. Dafür, dass auf den einen Beitrag niemand einging, kann die zeitliche Asynchronität des Redebeitrages oder die verwendeten Bezeichnungen für Autisten (Marsianer) und Nichtautisten (Erdlinge) verantwortlich gewesen sein. Aber – und hier sehe ich Barrieren  – genau hier zeigten sich Kernprobleme der Kommunikation. Weshalb fragte eigentlich keiner nach? Warum ging niemand auf den Gesprächsbeitrag ein? Von einem Autisten ist eher nicht zu erwarten, dass er in der Gesprächssituation selbst rechtzeitig dazu fähig ist, zu erkennen, dass ihn vielleicht niemand verstanden hat. Auch eine Korrektur seiner Wortwahl oder eventuell ein weiteres Mal nachzuhaken, ist ihm in einer solchen Situation, soweit ich es verstanden habe, gerade wegen des Autismus zeitnah wohl schwer bis nicht möglich.

Barrieren, die mir immer und immer wieder begegnen, sind der unterschiedlich wahrgenommene Zeitfaktor und mich belastende Rahmenbedingungen. In einer solchen Gesprächsrunde, die aus lauter Teilnehmern besteht, die viel Erfahrung mit Autismus haben, erhoffe ich mir als Autistin, dass ich mich nicht an die Geschwindigkeit anpassen muss, die Gespräche haben, die unter Nichtautisten üblich ist. Mal ganz abgesehen davon, dass ich das gar nicht kann. Und ich erhoffe mir, dass die Rahmenbedingungen für mich erträglich sind. Barrieren gibt es für mich nämlich viele.

Ich habe es so erlebt: Nach einem für mich trotz Teilzeit belastenden Arbeitstag bin ich abends noch auf eine Veranstaltung gegangen. Ich hatte mich inhaltlich nicht konkret vorbereiten können, ich hatte zwar die Inhalte der Seiten des Bundesverbandes autismus Deutschland e.V. im Internet gelesen und wusste oberflächlich über die Kontroverse zu ABA Bescheid, weil ich auf diversen Blogs und in Foren einiges dazu gelesen hatte. Aber da es keine TOP Liste gab, wusste ich nicht darüber Bescheid, welche Inhalte mich erwarten würden. Ich kannte den Raum, in dem die Veranstaltung stattfand. Allerdings sah es anders als sonst darin aus, weil die Stühle zu einem Stuhlkreis zusammengestellt waren. Ich kannte drei der Teilnehmer bereits persönlich. Aber ich saß nicht neben ihnen. Direkt rechts und links von mir befanden sich zwei mir Unbekannte. Ich war tatsächlich nicht darauf gefasst, dass jemand sich mit Fragen direkt an mich wenden würde. Ich konnte mich schwer fokussieren, weil ich im Verlauf des Abends bereits kumulativ belastet wurde.

Zu dem Zeitpunkt, an dem die Vorsitzende mich ansprach, war ich durch folgende Punkte überlastet: Ich musste meine Angst überwinden, vor einer Gruppe zu sprechen. Die Runde dauerte bereits zu lange, ich hatte mich stark konzentriert, um den Gesprächen folgen zu können. Ich musste Gesprächsbeiträge mit für mich redundanten und obsoleten Inhalten von denen mit konstruktiven Sachinhalten trennen. Ich war konsterniert, weil ich außer der Vereinbarung, dass eine Autistin an den Bundespräsidenten einen Brief schreiben sollte, eigentlich keine konkreten Ergebnisse erkennen konnte. Ich war irritiert, weil ich nicht verstand, weshalb die Vorsitzende sich mehrmals für mich ohne erkennbaren inhaltlichen Zusammenhang auf den Schal fokussierte, den die Autistin neben ihr trug und weil sie diese ohne Vorwarnung berührt und an dem Schal gezupft hatte.

Dazu kamen die sensorischen Belastungen: Im Verlauf hatten sich Teilnehmer zwischendrin untereinander unterhalten, die Wanduhr tickte und ein Telefon hatte geklingelt. Die Geräuschkulisse hatte es mir so jedesmal erschwert, die gerade offiziell sprechenden Teilnehmer akustisch zu verstehen. Zusätzlich beunruhigte mich die zunehmende motorische Unruhe der Autistin, die direkt neben mir saß, immer stärker. Die Runde war für mich räumlich zu beengt, die Stühle standen für mein Empfinden zu nah beieinander, ich hatte die Befürchtung, jemand könne mich berühren. Für mich war es deutlich zu hell, mir taten die Augen weh. Die Schokolebkuchen und Dominosteine auf dem Tisch stanken penetrant und ein Teilnehmer hatte einen für mich unangenehmen Körpergeruch. Zusätzlich war die Luft im Raum verbraucht und ich hatte starke Kopfschmerzen.

Inhaltlich hatte ich den Eindruck, dass ich niemandem vermitteln konnte, wo eigentlich meine Problematik lag und was genau mein Anliegen war, denn ich hatte keine Zeit, in Ruhe nachzudenken, wie ich mich ausdrücken soll. Ich hatte auf Funktionieren umgeschaltet. Ich habe wohl viel zu viel wahrscheinlich nicht Relevantes aus meinem Leben erzählt, wahrscheinlich wie immer in einem von anderen als aggressiv wahrgenommenen Tonfall und mit der falschen Wortwahl. Die von mir geschilderten Sachverhalte kamen wohl als Vorwürfe an (diese Rückmeldung erhielt ich nach der Veranstaltung von der anderen, mir bekannten Autistin). Ich befürchte, dass ich nicht einmal der mich seit einem Jahr vom Netzwerk Autismus unterstützenden Teilnehmerin verständlich machen konnte, warum ich mich bisher nicht an die vorhandenen unterstützenden Stellen gewandt hatte. Ich würde mir oft Unterstützung wünschen bei der Organisation von Unterstützung, was irgendwo absurd klingt. Aber ich habe sehr große Schwierigkeiten mit Zeitplanung.

Und mit mündlicher Kommunikation. Meine Erfahrung zeigt mir, dass ich es nicht schaffe, meine Anliegen in einem Gespräch so zu formulieren, dass meinem Gegenüber klar wird, was ich wirklich sagen möchte. Ich bräuchte eine Möglichkeit, dass mein von mir nicht zu kontrollierender Tonfall sich nicht negativ auswirken kann. Ich benötige genügend Zeit, um gründlich über die Verständlichkeit meiner Wortwahl nachdenken zu können oder um mögliche sozialverträgliche Antworten generieren zu können. Meistens bemerke ich nach einiger Zeit oder wenn ich Gelegenheit hatte, zu reflektieren, dass es Probleme in der Kommunikation gibt. Ich müsste oft genug zu Wort kommen können, um Missverständnisse auszuräumen. Ich bräuchte Gegenüber, die es mir nicht übelnehmen, wenn ich in ihren Augen soziale Fehler mache und die trotzdem über den Sachinhalt meiner Worte nachdenken. Ich bräuchte eigentlich stets die Möglichkeit, mich zumindest im Nachhinein nochmals schriftlich erklären zu können.

Eine „normale“ Gesprächsrunde mit Kleingebäck ist für meinen Autismus absolut nicht barrierefrei.

Sicher, dafür kann niemand etwas. Allerdings kann ich selbst ebenfalls nichts dafür, dass ich Autistin bin. Und es wäre wunderbar, wenn solche Barrieren bei allen Teilnehmern bekannt und präsent wären, die mit Autisten zusammen Gesprächsrunden veranstalten. Eventuell gibt es Möglichkeiten, Veranstaltungen barrierefreier zu gestalten. Und vielleicht hilft es langfristig, wenn ich mitteile, wo Barrieren für mich sind.

Advertisements


2 Kommentare

Asperger am Arbeitsplatz: Wie zeigt sich mein Autismus von A bis Z

Arbeitsorganisation

  • Ich bevorzuge konkrete, strukturierte und klar formulierte Arbeitsanweisungen mit genügend Zeit für mich, um sie aufzuschreiben.
  • Arbeitsanweisungen in Schriftform haben für mich den Vorteil, dass nichts vergessen wird und ich sicher sein kann, auch alle relevanten Punkte gehört zu haben, deshalb schreibe ich nach Möglichkeit sofort alles mit. Der Vorteil daran ist, dass ich mir so nach und nach eine Wissensdatenbank aufbaue, in der ich immer wieder nachlesen kann. So muss ich langfristig gesehen weniger nachfragen.
  • Wenn ich eine für mich neue Aufgabe erledigen soll, ist es besser, sie mir möglichst mit Zwischenschritten und relevanten Hintergrundinformationen oder Erklärungen mitzuteilen. Der Grund dafür ist meine Art der sequentiellen Informationsverarbeitung, bei der unter ungünstigen Umständen Teile einer Anweisung untergehen können.
  • Ich muss alles erst einmal sortieren und strukturieren, um es für mich überschaubar zu machen. Aus diesem Grund arbeite ich sehr gerne mit Excel-Listen.
  • Es kann bei mir zu Schwierigkeiten in der Handlungsplanung kommen. Es mangelt mir nicht am Willen, der ist da, sondern mitunter an der Fähigkeit, meine Vorhaben auch in die Tat umzusetzen.

Aufmerksamkeitssteuerung

  • Ich bin leicht ablenkbar, beispielsweise lenkt mich viel Gestik bei anderen so vom Gesprächsinhalt ab, so dass ich nur die Hälfte mitbekomme, deshalb schaue ich nach Möglichkeit gar nicht hin.
  • Ich bin nur sehr begrenzt multitaskingfähig.
  • Ich habe eine fragmentierte Wahrnehmung der Umwelt, so entgehen mir viele Dinge. Ich nehme zwar viele Details wahr, kann aber schwer beurteilen, welche Details gerade relevant sind.
  • Ich kann mit interessanten Dingen schwer aufhören. Ich merke beispielsweise dann nicht rechtzeitigt, wenn ich hungrig/durstig bin oder friere.

Belastungsfähigkeit

  • Meine Stresstoleranz ist niedrig.
  • Bei einer Überlastung kann es zu Einschränkungen meiner Handlungsfähigkeit oder zu unbeabsichtigter Unhöflichkeit kommen.
  • Unerwarteter Lärm stresst mich so, dass ich bewegungs- und handlungsunfähig werde. Erst wenn der Lärm vorbei ist, kann ich wieder denken und normal handeln.
  • Wenn etwas Unvorhergesehenes passiert, erschrecke ich mich. Beispielsweise kann es passieren, dass ich zusammenzucke, wenn ich nicht damit rechne, jemandem auf dem Weg zur Toilette zu begegnen.
  • Optische Ordnung ist für mich sehr wichtig. Ich habe das Bedürfnis, Briefumschläge im Papierkorb nach Farbe und Größe zu sortieren, wenn sie wild durcheinander dort liegen, kann ich keinen Überblick bewahren, was mich belastet.
  • Spezielle Geräusche oder Gerüche empfinde ich wegen meiner sensorischen Hypersensitivität als so unerträglich, dass ich sofort aus der Situation flüchten muss.

Empathie / Emotionen

  • Ich bin emotional sehr empfindsam, auch wenn ich das nach außen nicht ausdrücke.
  • Ich habe Schwierigkeiten mit der Steuerung und dem Ausdrücken von Emotionen.
  • Ich habe Schwierigkeiten, mich abzugrenzen.
  • Wenn ich eine Situation aus eigener Erfahrung kenne, fällt es mir leichter, empathisch zu reagieren.

Flexibilität

  • Ich bin wenig spontan (Spontaneität muss gut geplant sein).
  • Ich habe Schwierigkeiten beim schnellen Wechsel zwischen unterschiedlichen Tätigkeiten, deshalb mache ich lieber erst eine Sache zu Ende, bevor ich mich etwas Neuem widmen kann.
  • Ich mache Dinge immer wieder auf dieselbe Weise oder auf meine Art, obwohl eine andere evtl. einfacher wäre.
  • Es irritiert mich sehr, wenn die Gegenstände auf meinem Schreibtisch nicht dort stehen, wo sie stehen sollten, weshalb ich Markierungen angebracht habe. Wenn jemand meinen Schreibtisch während meiner Abwesenheit benutzt, wäre es schön, wenn der Schreibtisch so hinterlassen werden könnte, wie er vorgefunden wurde.
  • Weil ich länger brauche, um alle Aspekte einer Sache für mich zu durchdenken, kann ich mich oft nicht besonders schnell entscheiden.
  • Ich plane gern alles im Voraus. Bei kurzfristigen Planänderungen reagiere ich zuerst einmal ablehnend. Ich brauche ein paar Minuten, um mich darauf einzustellen. Es würde mich freuen, wenn ich rechtzeitig über Planänderungen informiert werden könnte.
  • Ich wehre mich erst einmal gegen größere Veränderungen bei Gewohntem, weil sie mich verunsichern. Nachdem ich Zeit hatte, darüber nachzudenken, kann ich mich leichter darauf einlassen.
  • Ich kann Unzuverlässigkeit und Nichteinhalten von Vereinbarungen schwer verkraften.

Kommunikation

  • Ich habe Schwierigkeiten, Gespräche in Gang zu bringen und aufrecht zu erhalten.
  • Ich antworte auch auf rhetorische Fragen.
  • Ich nehme Gesagtes oftmals wörtlich, was zu Missverständnissen führen kann.
  • Ich erkenne in Gesprächen nicht, wenn mein Gegenüber desinteressiert ist, oder keine Zeit für ein längeres Gespräch hat. Am besten ist es, wenn man mir das direkt sagt.
  • Ich kann einem Gespräch mit mehreren Leuten schwer länger folgen, weil ich zu lange für die Informationsverarbeitung benötige.
  • Ich kann die Stimme eines Gesprächspartners bei zu vielen Nebengeräuschen nicht mehr verstehen, das wird dann ein einziger Klangbrei.
  • In Gesprächen mit mehr als zwei Personen verpasse ich häufig den richtigen Zeitpunkt, mich zum Thema zu äußern, weil ich zu lange brauche, bis ich mir meinen Beitrag überlegt habe.
  • Ich weiß oft nicht, ohne intensiver darüber nachzudenken, was ich auf Bemerkungen anderer erwidern kann/darf/soll.
  • Mir passiert es häufig, dass ich in Fettnäpfchen trete, weil ich die sozialen Konsequenzen meiner Worte nicht vorher beachte.
  • Ich interessiere mich nicht für Mainstream und fernsehe beispielsweise nicht. Dadurch wirke ich in Gesprächssituationen oft sozial naiv oder auch unnahbar und arrogant.
  • Ich neige zu starker Ich-Bezogenheit in Gesprächen und zum Monologisieren, wenn es um meine Interessensgebiete geht.
  • Ich sage genau das, was ich meine. Falls etwas unklar sein sollte, ist es besser, mich direkt darauf anzusprechen, statt in meine Worte etwas hineinzuinterpretieren und davon auszugehen, dass ich dies oder jenes gemeint haben könnte.
  • Ich telefoniere nicht sehr gerne, weil ich oft nicht erkenne, wann ich dran bin mit Sprechen. Lieber schreibe ich E-Mails, auch weil ich da genügend Zeit habe, mir zu überlegen, wie ich etwas formuliere.
  • Ich nutze Sprache überwiegend zum Austausch von Informationen. Ich kommuniziere meistens rein auf der Sachebene, ohne die soziale Komponente zu beachten.
  • Ich verstehe unausgesprochene Erwartungen nicht. Ich kann nicht zwischen den Zeilen lesen, ich sehe da nichts.
  • Nonverbale Kommunikation bereitet mir Schwierigkeiten. Mir fällt es schwer, nichtsprachliche Signale im Kontext richtig zu deuten und angemessen darauf zu reagieren. Die Gestik und Mimik anderer erscheint mir oft rätselhaft. Außerdem kann ich meine eigenen verbalen und nonverbalen Äußerungen schlecht synchronisieren. Meine eigene Mimik und Gestik ist sparsam oder kann unpassend wirken und fehlinterpretiert werden.
  • Ich habe entweder zu wenig oder zu viel Blickkontakt. Mimik lenkt mich vom Gesprächsinhalt ab und braucht zu viel Aufmerksamkeit. Je wichtiger der Inhalt ist, desto weniger schaue ich jemandem ins Gesicht.

Kontakt zu Kollegen

  • Ich habe Schwierigkeiten damit, Kontakte zu knüpfen. Es liegt nicht daran, dass ich generell Kontakt zu anderen ablehne, sondern daran, dass ich mich dabei oft ungeschickt verhalte.
  • Ohne äußere Impulse bin ich eher passiv oder reaktiv als aktiv.
  • Ich treffe mich lieber nur zu zweit mit jemandem, statt in einer Gruppe etwas zu unternehmen.
  • Es fällt mir nicht leicht, Kontakte zu pflegen. Ich vergesse es, mich regelmäßig zu melden und habe in den Augen anderer viel zu selten das Bedürfnis, mich mit jemandem zu treffen.

Konzentrationsfähigkeit

  • Bei Hyperfokussierung kann ich alles andere um mich herum über einen sehr langen Zeitraum komplett ausblenden.
  • Wenn ich mich stärker konzentriere, wirke ich manchmal geistig abwesend oder desinteressiert. Ich schließe beispielsweise die Augen, damit mich visuelle Reize nicht vom Gesprächsinhalt ablenken, nicht, weil das Gespräch mich langweilt.

Kritikfähigkeit

  • Der Umgang mit direktem Lob fällt mir schwer. Ich weiß nicht, wie ich richtig darauf reagieren kann und was ich darauf sagen kann/soll/darf. Außerdem gibt es nach meiner Ansicht immer eine bessere Lösung oder Leistung.
  • Direkte, unmissverständlich geäußerte, berechtigte, möglichst sachliche und konstruktive Kritik ist sehr wichtig für mich. Eine Kritik, die versteckt oder implizit geäußert wird, erkenne ich unter Umständen erst zu spät oder gar nicht. Eine unberechtigte Kritik verletzt mein Gerechtigkeitsempfinden, was zu einer heftigen Gegenreaktion führt.
  • Ich habe Schwierigkeiten bei der Selbsteinschätzung eigener Fähigkeiten. Ich kann nicht einschätzen, ob ich gut oder schlecht bin in dem, was ich tue. Selbstbild und Fremdbild klaffen oftmals auseinander. Feedback hilft und motiviert mich.
  • Meistens kritisiere ich andere direkt und ohne soziale Abmilderungsformulierungen. Ich tue das nicht, weil ich bewusst andere verletzen will, sondern weil ich nicht die Fähigkeit habe, Fehler und Probleme euphemistisch zu beschönigen.

Lernfähigkeit

  • Am effektivsten lerne ich autodidaktisch.
  • Bei Dingen, die mich interessieren, habe ich einen unerschöpflichen Wissensdurst. Das kann dazu führen, dass ich mich exzessiv über einen langen Zeitraum nur noch dem zu lösenden Problem widme.
  • Ich tue mir trotz überdurchschnittlicher Intelligenz sehr schwer, Dinge zu lernen, wenn sie mich nicht interessieren.
  • Ich gehe häufig irrtümlich davon aus, dass andere dasselbe Wissen und dieselbe Wahrnehmung haben, wie ich.
  • Manchmal fällt mir Kompliziertes leicht und ich habe unverständlicherweise Probleme mit eigentlich leichten Dingen.
  • Ich merke mir sehr viele Dinge. Besonders, wenn es darum geht, was wer wo geäußert hat. Ich habe die komplette Situation mit Bild und Ton im Gedächtnis.

Sonstiges

  • Ich bin sehr gut im mir Sorgen machen.
  • Es fällt mir schwer, eigene Bedürfnisse zu erkennen und diese geltend zu machen.
  • Ich habe visuomotorischen Probleme, die beispielsweise zu einer krakeligen ungleichmäßigen Schrift führen. Außerdem kann es passieren, dass ich ohne erkennbaren Anlass umkippe, stolpere, irgendwo hängenbleibe, dagegen laufe o.ä.
  • Ich mag keinen Körperkontakt, außer er kann von mir gesteuert und initiiert werden.
  • Ich neige zu polarisiertem Verhalten: Ganz oder gar nicht.
  • Ich habe einen eigenen, speziellen Kleidungsstil, der sich nicht an Moden orientiert und trage gern immer dieselbe Kleidung in der ich mich wohlfühle, wobei sie dann manchmal nicht zum Anlass passt.

Soziales Miteinander

  • Auf Belastungen reagiere ich mit sozialem Rückzug.
  • Weil ich durch die meisten Konventionen unbeeinflusst bin, neige ich zu unkonventionellem Denken, bin aber wegen meiner Veränderungsresistenz konservativ im Handeln, was als widersprüchlich und irritierend wahrgenommen werden kann.
  • Ich bin unempfindlich gegenüber Gruppendynamik, weil ich diese oft erst nach längerem Nachdenken oder über Hinweise durch andere wahrnehme.
  • Hierarchien beeindrucken mich nicht, weil ich sie nicht realisiere. Autoritäten erkenne ich nicht automatisch, man muss mich explizit darauf hinweisen.
  • Ich erzähle sehr selten private Dinge. Das liegt nicht daran, dass ich Geheimnisse hätte, die Kollegen nicht erfahren dürfen, sondern daran, dass ich kein intuitives Bedürfnis habe, Erlebnisse mit anderen zu teilen.
  • Ich nehme Fehler und Widersprüche wahr, die andere nicht sehen oder auch nicht für wichtig erachten. Ich berichtige / hinterfrage andere, weil ich das tiefe Bedürfnis habe, Fehler zu korrigieren und Widersprüche aufzulösen, nicht um meine Kollegen zu demütigen oder weil ich querulatorisch veranlagt bin.
  • Wenn ich nicht gemeinsam mit den Kollegen Mittag esse, bedeutet das nicht: „Ich habe etwas gegen euch“, sondern „Ich schütze mich vor Überlastung“. Ich brauche, nachdem ich an einem gemeinsamen Mittagessen teilgenommen habe, meistens erst einmal eine Pause alleine in meinem Büro, um mich zu erholen.
  • Wenn ich jemanden nicht grüße, insbesondere keine Leute auf der Straße, liegt das daran, dass ich sie da meistens gar nicht wahrnehme, geschweige denn zuordnen kann. Zusätzlich habe ich ein schlechtes Namens- und Personengedächtnis. Personen außerhalb ihres gewohnten Umfeldes oder Personen, denen ich eher selten begegne, erkenne ich schwer wieder.

Stärken

  • Bei mir weiß jeder, woran er ist. Ich sage direkt und ehrlich genau das, was ich meine.
  • Klare, direkte Kommunikation ist im Grunde sehr wünschenswert und erleichtert allen das Miteinander.
  • Ich habe ein Auge für Fehler. Insbesondere fällt es mir sehr leicht, Korrektur zu lesen. Orthografische Fehler fallen mir in der Regel sofort auf und bei Zahlen finde ich schnell den Fehler im Muster.
  • Meine detaillierte Wahrnehmung bringt es mit sich, dass Aufgaben und Probleme sehr gründlich und von allen Seiten von mir durchdacht werden.
  • Ich arbeite genau und mache wenig Fehler.
  • Oberste Priorität hat bei mir stets die Lösung eines Problems, ich denke nicht primär daran, die sozialen Bedürfnisse anderer zu befriedigen.
  • Ich bin ziemlich zuverlässig.
  • Ich habe ein hohes Erinnerungsvermögen, insbesondere für Daten und Fakten.
  • In meinen Interessensgebieten habe ich ein breites und umfassendes Wissen, das ich ständig aktualisiere und erweitere. Da auch IT, Psychologie und Pädagogik zu meinen bevorzugten Interessen zählen, habe ich neben meiner Qualifikation als Verwaltungskraft zusätzliche, für meine Arbeitsstelle relevante und vertiefte Kenntnisse.
  • Wegen meiner Wahrnehmungsbesonderheiten sehe ich manchmal Verbindungen zwischen Sachverhalten, die niemandem sonst auffallen.
  • Ich kann außergewöhnlich lange Routinetätigkeiten hochkonzentriert erledigen, bei denen jeder andere in Gedanken abschweifen würde.
  • Meine strukturierte Arbeitsweise hat den Vorteil, dass Ordnung vorherrscht.
  • Zusätzlich herrscht auch optische Ordnung. Outlook Kalendereinträge sehen beispielsweise immer gleich aus, wodurch sie auch für andere übersichtlicher sind. Dasselbe gilt für alle Listen, die ich erstelle.
  • In meinem Wirkungskreis ist alles dokumentiert und somit leicht nachvollziehbar und wiederfindbar.
  • Eine reizarme Arbeitsumgebung mit weniger Lärm und weniger optischem Chaos wirkt sich auf alle stressreduzierend aus.

Teamarbeit

  • Am liebsten arbeite ich alleine als mein eigenes Team.
  • Ich habe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Ich neige zu rigidem Gegensteuern bei Verletzung meines Gerechtigkeitsempfindens, ohne die sozialen Konsequenzen zu bedenken.
  • Ich kann mich und meine Ideen in einer Gruppensituation nicht gut verkaufen.
  • Probleme versuche ich stets erst einmal alleine zu lösen.

Zeitmanagement

  • Ich habe Schwierigkeiten bei der Zeiteinteilung.
  • Ich neige zu Perfektionismus, so dass Arbeitsergebnisse nicht abgegeben werden, bevor sie in meinen Augen perfekt sind. Wenn die Erledigung von Aufgaben jemandem zu lange dauern sollte, wäre es gut, wenn derjenige mich darauf anspricht und mir eine Frist setzt.
  • Meine Prioritätensetzung unterscheidet sich oft von der Erwartung anderer. Deshalb wäre es gut, wenn mir direkt gesagt wird, was zuerst erledigt werden soll.
  • Rechtzeitig um Hilfe zu bitten, fällt mir meistens einfach nicht ein.